Auf eine Zeitreise in die Vergangenheit hat der Kindergarten St. Lukas in Ketschendorf bei der Feier seines 60-jährigen Bestehens am Samstag seine Gäste mitgenommen. Den größten zeitlichen Sprung wagten dabei die Kinder aus der Käfergruppe, die mit ihrem Tanz die Wirtschaftswunderzeit wieder lebendig werden ließen. Zu Cornelia Froboess' bekanntem Ohrwurm "Pack die Badehose ein ..." spielten sie ein Badevergnügen aus den 50er Jahren nach - die Gründungszeit des Ketschendorfer Kindergartens.
Und weiter ging die Zeitreise mit den Strolchen, Knirpsen und Sternen (so heißen die Kindergarten-Gruppen) bis in die heutige Zeit. Da wurden dann Discoqueens gesichtet und eine Mini-Ausgabe von Johnny Depps Pirat Jack Sparrow aus "Fluch der Karibik".
Pfarrer Rolf Roßteuscher hatte in der Andacht eine frei interpretierte Version der Begegnung von Jesus mit den Kindern auf die Situation der Ketschendorfer Kinder umgemünzt.
Viele Gäste fühlten sich bei der Zeitreise durch sechs Jahrzehnte an ihre eigene Kinder- und Jugendzeit erinnert, denn viele Eltern und sogar Großeltern hatten als Kinder selber schon den Kindergarten Ketschendorf besucht.
1953 hatte die Einrichtung ihre Pforten geöffnet. Ab 1960 leitete die legendäre "Tante Edith" (Edith Oertel) die Einrichtung. Zusammen mit zwei Helferinnen betreute sie damals 62 Kinder. Die Eltern mussten seinerzeit pro Woche einen Beitrag von 7,50 Mark entrichten. Träger war die Innere Mission (Diakonisches Werk). 1969 übernahm die neu gegründete Kirchengemeinde St. Lukas Coburg/Ketschendorf die Betriebsträgerschaft. Haus- und Grundstückseigentümer war und ist seit jeher die Stadt Coburg.
Wichtige Bau- und Erweiterungsmaßnahmen fanden unter anderem 1969/1970 und 1987 (Turnhalle) statt. Zuletzt wurde 1987 der Innenhof umgestaltet und einige Gruppenräume für die Aufnahme von Kleinkindern hergerichtet. Bis 1991 stand Edith Oertel an der Spitze des Kindergartens. Ihr folgte Rosemarie Ehrlicher. Seit 1998 ist Heike Hofmann die Chefin des Kindergartens.
"Unsere pädagogische Arbeit ist ausgerichtet auf die ganzheitliche Entwicklung der Kinder mit Erziehung zur Selbstständigkeit und Eigenverantwortung", betonen Leiterin Heike Hofmann und ihr Team. "Uns ist wichtig, dass sich alle Kinder bei uns geborgen und akzeptiert fühlen."
Der Ketschendorfer Kindergarten sieht sich als Einrichtung der evangelischen Kirche fest in der christlichen Tradition verwurzelt. Dazu gehören aber auch Offenheit und Toleranz gegenüber anderen Kulturen und religiösen Traditionen. Die Kinder und ihre Familien kommen aus vielen Teilen Europas, aus Russland, Polen, Syrien, Finnland, der Slowakei, aus der Türkei oder dem Kosovo. Kinder mit Migrationshintergrund werden im Zusammensein in der Gruppe mit der deutschen Sprache vertraut.
Derzeit besuchen rund 70 Kinder den Kindergarten St. Lukas. Sie verteilen sich auf zwei Regelgruppen, die Käfer- und die Sternengruppe sowie den Kleinkinderbereich, die Knirpse und die kleinen Strolche. Zum Team gehören fünf Erzieherinnen, fünf Kinderpflegerinnen und eine Vorpraktikantin.
Das Ketschendorfer Kindergartenteam legt großen Wert auf eine gute Elternarbeit. Dazu gehören auch gemeinsame Aktionen, etwa Arbeitseinsätze in Haus und Garten oder Ausflüge und Feste. Wichtig ist auch der gute Kontakt zur nur wenige Meter entfernten Grundschule Ketschendorf. Da gibt es gemeinsame Bastel- und Turnstunden oder auch einfach die beliebte Schulhaus-Entdeckungstour.