Eine ungewöhnliche Programmkombination bot der Coburger Bachchor bei seinem Karfreitags-Konzert in der gut besuchten Morizkirche.


Auf dem Programm: zwei etwa gleich lange Werke aus Früh- und Spätromantik, die nicht so oft zu hören sind, aber in ihrer Kombination und Thematik bestens zueinander passten und wie stets sorgfältig vorbereitet waren. Die beiden Werke waren das "Miserere" b-Moll von Ernst Theodor Amadeus Hoffmann und "Die Sieben Worte Jesu am Kreuz" von César Franck.


Als klangvolles Solistenquintett hörte man Nathalie de Montmollin (Sopran), Stefanie Ernst (Mezzosopan), Elena Keksel (Alt), Dirk Mestmacher (Tenor) und Michael Lion (Bass). Es spielte das Philharmonische Orchester Landestheater Coburg; die Leitung hatte Peter Stenglein.


In Bamberg komponiert

Gar nicht weit von Coburg, in Bamberg, komponierte der vielseitig begabte und tätige E.T.A. Hoffmann ab 1809 sein "Miserere", dessen Text aus dem Psalm 51 "Tut Buße" stammt, von dem er elf der 21 Doppelverse vertonte.


Hohe Schule der Polyphonie

Angeführt vom leuchtenden Solosopran beginnt das Solistenquartett das "Miserere mei", bevor der Chor mit einfällt. Organisch wechseln Soli und Chor ab, wobei immer wieder eindrucksvolle Stellen ins Ohr fallen wie das dramatische "Ecce enim" oder das mächtige "Averte faciem" des Chores, ebenso wie das fröhliche Tenorsolo "Auditui meo".


Mächtig intonierte der Bassist das "Docebo iniquos", verinnerlicht die Sopranistin das "Sacrificium". Dass Hoffmann die hohe Schule der Polyphonie beherrschte, zeigte er in dem bewegten Chorsatz "Libera me" und der gewaltigen, ausgedehnten Schlussfuge, die der Bachchor wie alles souverän und präzise bewältigte.


Differenziert gestaltet

Neben der stimmlich hervorragenden Sopranistin Nathalie de Montmollin überzeugten mit weichem Mezzosopran Stefanie Ernst, mit strahlendem Tenor Dirk Mestmacher und mächtigem Bass Michael Lion. Elena Keksel (Alt) war nur an wenigen Stellen beschäftigt, aber dann vorteilhaft zu hören.
Die Orchesterpalette reichte von zartem Klangteppich bis zu strahlender Klangfülle, stets in sich abgerundet. Überlegen und differenziert gestaltend leitete Peter Stenglein das Ganze.


Zeitweise verschollen

In gleicher Qualität erlebten die Zuhörer anschließend das zwischen Kantate und Oratorium angesiedelte Opus "Die sieben Worte Jesu am Kreuz" von César Franck, das in den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts entstand, zu Lebzeiten des Komponisten nie aufgeführt wurde und zeitweise verschollen war.


Dabei ist es ein durchaus hörenswertes Werk, das mit einer Fülle von inspirierter Melodik und Stellen von eindrucksvoller Schlichtheit bis zu dramatischer Wucht aufwartet wie gleich im ersten Wort. Vor allem Sopran, Tenor und Bass haben dankbare und wirkungsvolle Aufgaben, auch der Chor muss flexibel die verschiedensten Stimmungen wiedergeben.


Opernhafte

Im Orchester erlebte man gefühlvolle, romantische, ja im fünften Wort beinahe opernhafte Klänge. Peter Stenglein gelang hier wiederum eine überzeugende, vielfarbige Interpretation wie aus einem Guss.


Nach einer besinnlichen Schweigeminute gab es lang anhaltenden Beifall für dieses eindrucksvolle, außergewöhnliche Passionskonzert.




Die nächsten Konzerte der Musica Mauritiana




Montag, 16. >April Ensmble NeoBarock, 19.30 Uhr, St. Moriz(in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft der Musikfreunde Coburg)

Samstag, 28. April Musik zur Marktzeit - Peter Stenglein (Orgel), 11 Uhr, St. Moriz - bis 8. September jeweils Samstag, 11 Uhr, St. Moriz

Sonntag, 20. Mai Blechbläserquintett und Orgel, 17 Uhr, St. Moriz, Philharmonisches Blechbläserquintett Coburg, Markus Ewald (Orgel) - Infos: www.bachchor-coburg.de