Dass es so etwas in einer Stadt wie Neustadt geben würde! Man schreibt das Jahr 1896. Es fällt in die Zeit von Kaiser Wilhelm II., der von 1888 bis 1918 Deutschland regierte. Während dieser Epoche entwickelten die Menschen ein stolzes Nationalbewusstsein und somit auch einen besonderen Hang zur Liebe an der Heimat und zum Vaterland.

1896 war auch die Gründung der "Ferienverbindung Neapolitania zu Neustadt". Der so gewählte Name hat einen unmittelbaren Bezug zu Neustadt; denn "Neapolis" bedeutet ja "neue Stadt". Damit wird klar, dass sich die Gründer für diesen Namen entschieden, um auch ihre Liebe und Verbundenheit zu ihrer Heimatstadt Neustadt auszudrücken. Die Gründung einer Verbindung nach dem Vorbild studentischer Korporationen in einer Kleinstadt wie Neustadt (Herzogtum Coburg), die seinerzeit knapp 9000 Einwohner zählte, war schon außergewöhnlich, lag sie doch weitab von den traditionsreichen Universitätsstädten.

Welche genauen Umstände zur Gründung führten, lässt sich wegen mangelnder Unterlagen nicht genau nachvollziehen. Eine Gruppe von jungen Burschen traf sich in der Gaststätte "Bergschlösschen" in der Sonneberger Straße, nicht nur um Bier zu trinken, sondern auch um zu diskutieren und Zukunftspläne zu schmieden. Sobald sie eine höhere Schulbildung anstrebten, trennten sich die Wege der Freunde. Sie besuchten nicht nur verschiedene Schulen, sondern auch Schulorte wie Coburg und Sonneberg.

Die Freundschaft erhalten

Über diese Trennung hinweg wollten sie aber diesen Freundesbund dauerhaft erhalten und in eine feste Form gießen. Da einige Freunde bereits bestehende Schülerverbindungen in Coburg und Sonneberg kannten und schätzten, führte es dann an einem Sonntagabend - es war der 30. August 1896 - dazu, dass "neun Burschen" die "Ferienverbindung Neapolitania zu Neustadt" gründeten. Zu den besonders bekannten Gründungsmitgliedern zählen der Heimatschriftsteller und -forscher Emil Herold (* 23.10.1880) und der Mundartdichter Albert Arnold (* 22.07.1880), der zweite Sohn des verdienstvollen Neustadter Ehrenbürgers Max Oscar Arnold. Auch der dritte Sohn Max Oscar Arnolds, Hermann (* 28.11.1881), gehörte mit zu den Gründern. Wie dem damaligen Mitgliederverzeichnis zu entnehmen ist, waren auch Gustav Ehrlicher (* 14.02.1881), Hermann Gräf (* 26.06.1880), Albert Greiner (* 14.08.1879), Walter Köhler (* 15.11.1880), Louis Oberender (* 30.04.1881) und Otto Wittmann (* 15.12.1879) bei der Gründungsversammlung in der Gaststätte "Bergschlösschen" dabei, als hier das erste "Vivat" auf die "Neapolitania" erklang.

Wenn nun im August dieses Jahres die "Ferienverbindung Neapolitania zu Neustadt" auf eine 125-jährige Geschichte zurückblickt, kann sie mit etwas ganz Besonderem aufwarten: Erstmals hat sie ihr eigenes Domizil, ihre eigene "Konstante": das Sportheim des früheren ASV 06 Neustadt. Dort können die Mitglieder ihre Veranstaltungen wie Konvente, Kneipen- und Vortragsabende oder andere gesellige Zusammenkünfte durchführen. In den vergangenen Jahren waren die Möglichkeiten in der Neustadter Gastronomie sehr eingeschränkt. Dank der Initiative des Altherrenvorsitzenden Wolfgang Rebhan konnte das ehemalige Vereinsheim des ASV 06 an der Ebersdorfer Straße erworben werden. Diese traditionsreiche Immobilie aus dem Jahre 1926 wurde nach der Verschmelzung des ASV 06 mit dem TBVfL Neustadt-Wildenheid nicht mehr benötigt.

Wer hat Fotos mit den Gründern?

Die Verantwortlichen der "Neap", wie die Ferienverbindung in Kurzform bezeichnet wird, wollen in ihrer Immobilie eine Mitgliedertafel anbringen. In der ersten Reihe sollen Bilder von den neun Gründungsmitgliedern zu sehen sein. Es sollten möglichst Aufnahmen aus deren Jugendjahren sein, da diese bei der Gründungsversammlung zwischen 14 und gerade 17 Jahren alt waren. Entsprechende Porträts sind nur von Albert und Hermann Arnold, Emil Herold und Gustav Ehrlicher vorhanden, von Letzterem lediglich ein Bild im Couleur seiner Burschenschaft Arminia zu Jena. Die Nachfahren sind daher aufgerufen, in alten Fotoalben zu blättern und nach Jugendbildern von den anderen Gründungsmitgliedern (siehe Infokasten) zu suchen.

Heute ist die "Ferienverbindung Neapolitania zu Neustadt" ein Netzwerk von über 100 Schülern und ehemaligen Schülern des Arnold-Gymnasiums. Um die Freundschaften aus der Schulzeit zu erhalten, werden Veranstaltungen organisiert, zu denen immer wieder Bundesbrüder aus nah und fern zusammenkommen. Allen Mitgliedern wird gegenseitige Hilfe in Schule, Studium und Beruf angeboten. Normalerweise wäre der 125. Geburtstag ein Anlass für ein "rauschendes Fest". In welcher Weise dies aber möglich ist, wird sich angesichts der weiteren Corona-Entwicklung noch zeigen. So ist der "Ferienverbindung Neapolitania zu Neustadt" in ihrem 125. Jahr zu wünschen, dass sich der Freundschaftsbund über die nächsten Jahrzehnte hinaus im Sinne seiner Gründer weiter entwickelt und festigt.

Wer hat Jugendbilder von diesen "Neapolitanianern"?

Was noch fehlt Von nachstehenden Gründungsmitgliedern werden Jugendbilder gesucht:

Gustav Ehrlicher, Universitätskurator, geboren am 14.02.1882, gestorben am 06.01.1974;

Hermann Gräf, Kaufmann, geb. 26.06.1880, gest. 02.05.1917 (gefallen in Verdun);

Albert Greiner, Studienprofessor, geb. 14.08.1879, gest. 06.05.1941;

Walter Köhler, Baumeister, Stadtingenieur, geb. 15.11.1880, gest. 01.12.1967;

Louis Oberender, Patentanwalt, geb. 30.04.1881, gest. 05.10.1951;

Otto Wittmann, Oberförster, geb. 15.12.1879, gest. 06.05.1927

Ansprechpartner Wolfgang Rebhan, Telefon 99568/891003, E-Mail: info@advonec.de

Quelle: Festschrift zum 120. Jubiläum der "Ferienverbindung Neapolitania zu Neustadt"