Tödlich endete für einen 35 Jahre alten Mann eine Auseinandersetzung am frühen Sonntagmorgen in einer Bar in der Innenstadt. Insbesondere der genaue Tatablauf und die Tatbeteiligung mehrerer Personen ist derzeit Gegenstand der Ermittlungen von Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft Coburg.
Beamte der Coburger Polizei wurden kurz nach 4.30 Uhr zu der Bar im Steinweg gerufen, nachdem es dort zu einer Auseinandersetzung mit verschiedenen Beteiligten gekommen war. Die Polizisten fanden vor Ort einen verletzten und nicht mehr ansprechbaren Mann auf. Trotz sofortige Reanimationsmaßnahmen starb der 35-Jährige aus Coburg.
Im Rahmen von Fahndungsmaßnahmen konnten Streifenbesatzungen im Stadtgebiet vier Tatverdächtige festnehmen. Eine mögliche Beteiligung weiterer zur Tatzeit anwesender Personen wird derzeit von Beamten des Fachkommissariats der Kripo Coburg und der Staatsanwaltschaft geprüft. Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft werden bei dem Opfer eine Obduktion und weitere rechtsmedizinische Untersuchungen durchgeführt. Die umfassenden Ermittlungen und Spurensicherungsmaßnahmen dauern an.


"Ein völlig Fremder"

Völlig geschockt, übernächtigt und emotional mitgenommen schildert die Barbesitzerin Nicole App dem Tageblatt am Vormittag ihre Eindrücke. Nur wenige Minuten vorher hatte die Spurensicherung die Bar verlassen und das Lokal versiegelt.
Die Clubbesitzerin, die auch gegenüber die Rock-Bar betreibt, hielt sich zum Tatzeitpunkt in ihrer Wohnung im Steinweg auf. Doch noch bis gegen 2.30 Uhr sei sie vor Ort gewesen. "Alles war ruhig. Ich unterhielt mich noch vor dem Lokal mit zwei Polizeibeamten in Zivil ganz entspannt", sagt sie. Etwa eine halbe Stunde später sei sie dann von ihrem Personal angerufen worden, sie solle kommen, es sei eine "schlimme Katastrophe" passiert.


Mit Barhockern geschlagen

Ein Mann - "ein Fremder, den ich zuvor noch nie gesehen hatte" - sei ganz plötzlich am Tisch mit weiteren vier oder fünf Persnen aufgesprungen und hätte "out of order, wie ein Psychopath" mit Barhockern um sich geschlagen, hätten ihr die beiden Bedienungen berichtet.
Die jungen Frauen hinter der Theke seien auf die Straße gerannt und hätten um Hilfe gerufen. Daraufhin seien zwei Security-Männer aus der Nachbarschaft gekommen und hätten den Mann "ruhig gestellt". Als die hinzugerufene Polizei kam, sei der Mann gestorben. Wiederbelebungsversuche hätten nichts mehr genutzt.


"Harte Nummer"

Nach Angaben von Nicole App hätte der Mann in ihrem Lokal gar nichts konsumiert. Er hätte sich zu den anderen Gästen - es seien nur sechs in der Bar gewesen - an den Tisch gesetzt. Eine junge Frau, die sich zunächst als Cousine und später als Freundin der Familie bezeichnete, hätte dem Mann vorgeworfen, er würde sich nicht genügend um seine Kindern kümmern. Daraufhin sei er "durchgedreht", meint Nicole App.
Die Wirtin, die seit neun Jahren das Chicas führt, nannte die Vorfälle eine "harte Nummer". So etwas habe sie noch nicht bewältigen müssen. Dennoch will sie sich dafür nicht verantwortlich machen lassen: "Das hätte überall passieren können. Diese Tragödie hat mit dem Steinweg nichts zu tun!" Fünf Videokameras, die in dem Lokal installiert seien, hätten alles aufgezeichnet. "Wir haben die 18 Stunden vor der Tat bis gegen 5 Uhr alles aufgenommen und das Material der Polizei zur Verfügung gestellt."


"Chicas" bleibt geschlossen

An einer schnellen Aufklärung sei sie interessiert und werde alles tun, was dazu beiträgt. Das Lokal bleibe bis auf Weiteres geschlossen. Wann es wieder geöffnet werde, hänge auch von der Verfassung ihres Personals ab. "Die Mädchen müssen mir sagen, wann sie sich dazu in der Lage fühlen."
32 Stunden hat Nicole App nicht geschlafen und an Ruhe ist am Sonntag gegen Mittag auch nicht zu denken. Alle paar Minuten piepst ihr Handy. Freunde erkundigen sich, bieten Hilfe an und warnen sie vor bösen Facebook-Kommentaren. "Was soll ich machen?", fragt sie verzweifelt. "Ich bin fix und fertig, das geht mir krass ans Herz - aber nicht, weil es mein Laden hier ist, sondern weil es eine schlimme Tragödie ist, bei der ein Mensch gestorben ist."