Passen eine Brauerei und ein Kindergarten zusammen? Wenn es nach dem Weidach-Kindergarten in der Wittkenstraße geht, ist die Antwort ganz klar: ja. Bis 1990 stand auf dem Gelände des städtischen Kindergartens das Gebäude der ehemaligen Brauerei Schulz, die alteingesessenen Neustadtern noch unter "Putzenbräu-Brauerei" bekannt ist. Ihrem Andenken zu Ehren feierte der Kindergarten am Donnerstagnachmittag sein zweites "Putzenbräu-Gedenkfest", bei dem von den Kindern auch ein Gedenkstein enthüllt wurde, der an die geschichtsträchtige Vergangenheit erinnern soll.

Die "Putzenbräu-Brauerei" hatte in Neustadt Tradition. Die älteste Privatbrauerei der Stadt hat seit 1860 Bier und Limonade produziert. Auch ein Großbrand, bei dem die Gebäude 1883 fast vollständig niedergebrannt sind, konnte der Brauerei nichts anhaben.
Nach dem Wiederaufbau 1884 ging die Produktion weiter, bis 1977 das letzte Bier gebraut wurde.


Ebenfalls lange Tradition

Auch der Weidach-Kindergarten kann auf eine lange Tradition zurückblicken. 1891 wurde der damalige Kindergarten "Birkleite" vom Kindergartenverein gegründet. Nachdem sich der Verein 1939 aufgelöst hatte, ging der Kindergarten in das Eigentum der Stadt Neustadt über. Nach dem Zweiten Weltkrieg zählte der Kindergarten "Birkleite" bis zu 100 Kinder. Nach einem zwischenzeitlichen Rückgang der Kinderzahl suchte die Stadt 1989 endgültig nach einem neuen Gelände für den Kindergarten, um der erneut steigenden Kinderzahl platztechnisch gerecht zu werden.

Platz gibt es auf dem Gelände der ehemaligen Putzenbräu-Brauerei genug. Am 3. September 1990 fingen die Bauarbeiten an. Die Gebäude der alten Brauerei wurden abgerissen und die Räume für den Weidach-Kindergarten entstanden. Im April 1992 konnten die Kinder und ihre Betreuer einziehen.


Es hat sich viel verändert

Heute besuchen 69 Kinder in drei Gruppen den Weidach-Kindergarten, auf dessen Gelände nicht mehr viel daran erinnert, dass dort einmal eine Brauerei ansässig war. Für die Leiterin Regina Langbein ist es trotzdem wichtig, dass ihre Geschichte nicht in Vergessenheit gerät. "Unsere Kinder wissen, dass es hier früher eine Brauerei gab, wo leckere Limonade hergestellt wurde", bestätigt sie. "Putzenbräu wird immer zur Geschichte unserer Stadt dazugehören."

Und ganz verschwunden ist die Brauerei vom Gelände dann doch nicht. Als der Garten im letzten Jahr umgestaltet wurde, traten bei den Bauarbeiten alte Ziegelsteine der Brauerei zu Tage. Die Mitarbeiter des Kindergartens haben sie kurzerhand als Fundament für ihr Blumenbeet verwendet. Auch ein alter Stein wurde gefunden, der sich ideal als Gedenkstein eignet. Die "Putzenbräu-Gedächtnisstiftung" ließ ein Schild für den Stein gravieren, auf dem steht, wie lange die Brauerei produziert hat.


Felix weiß nun Bescheid über diesen Stein

Dieser Gedenkstein steht jetzt im Garten des Weidach-Kindergartens und wurde auf dem Putzenbräu-Gedächtnisfest von den Kindern enthüllt. "Ich habe mich immer über den Stein gewundert und mich gefragt, warum er hier steht", erklärt der kleine Felix. "Jetzt verstehe ich, dass er daran erinnert, dass hier Limonade gemacht wurde."

Für die Kinder ging es auf dem Fest aber nicht nur um Limonade. An sechs verschiedenen Stationen drinnen und draußen konnten sie ihr Wissen rund ums Thema "Richtiges Verhalten im und am Wasser" unter Beweis stellen. Vertreter der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG), die in diesem Jahr schon einmal den Kindergarten besucht haben, waren gekommen und gaben ihr Wissen in sechs Spielen an die Kinder und deren Eltern weiter.
Für die Leiterin des Kindergartens, Regina Langbein, stand neben der Vermittlung von richtigem Verhalten in der Nähe von Wasser die Interaktion zwischen Eltern und Kindern im Vordergrund. "Wir wollen, dass die Eltern mit ihren Kindern zusammen etwas erleben und dabei Spaß haben", erklärte sie. Das ist den Mitarbeitern des Weidach-Kindergartens an diesem Nachmittag gelungen.