Nach drei Jahren in der Kirchengemeinde Warmensteinach im Fichtelgebirge hat sich Pfarrer Gerhard Prell nach Hassenberg versetzen lassen. Der Grund: "Ich hatte einen Herzinfarkt und möchte deshalb bis zu meiner Pensionierung kürzer treten. In Warmensteinach war der Verwaltungsaufwand überdurchschnittlich hoch. Deshalb habe ich mich für einen Wechsel in eine kleinere Kirchengemeinde entschieden", sagt der 58-Jährige.

Pfarrstelle ist befristet

Prells Pensionierung wäre regulär in acht Jahren. Wegen seiner gesundheitlichen Beeinträchtigungen würde er auch eher in den Ruhestand gehen. Eine Pfarrstelle für Hassenberg ist ohnehin nur noch für knapp drei Jahre vorgesehen. "Ich bin definitiv der letzte Pfarrer der Kirchengemeinde. Der Landesstellenplan muss bis Juni 2024 umgesetzt sein, solange ist meine Tätigkeit hier befristet", sagt Prell. Bis zu seiner Pensionierung möchte der Pfarrer nicht mehr aus Hassenberg wegziehen. Wo er danach hingeht, steht noch nicht fest, das hängt auch davon ab, wohin es Prells Kinder verschlägt. "Mein Sohn hat gerade Abitur in Prien am Chiemsee gemacht, meine Tochter studiert in Bamberg."

Nach seiner offiziellen Amtseinführung beim Gemeindefest am 19. September, wird Prell zu 50 Prozent als Gemeindepfarrer und zu 50 Prozent als Springer im ganzen Dekanat tätig sein. "Ich werde mich in Hassenberg um das Kerngeschäft kümmern. Dazu gehören Taufen, Konfirmationen, Trauungen und Beerdigungen", zählt Prell auf. Die Pfarramtsführung wird weiterhin bei Pfarrer Dominik Bohne aus Gestungshausen liegen.

Ein herzlicher Empfang

Auf lange Sicht sieht der Landesstellenplan vor, dass kleinere Kirchengemeinden zusammengeführt werden. "Wir Pfarrer werden immer weniger und gleichzeitig stehen der Kirche immer weniger finanzielle Mittel zur Verfügung. Pfarrstellen werden so oder so wegfallen", prognostiziert Prell. Kleinere Kirchengemeinden, wie Hassenberg, erfüllen das Soll für eine ganze Pfarrstelle nicht mehr. Aus diesem Grund wird auf eine Zusammenführung hingearbeitet.

Seit Prell mit seiner Frau nach Hassenberg gezogen ist, sind jetzt knapp zwei Wochen vergangen. "Die Gemeinde hat uns ein herzliches Willkommen bereitet. Im Pfarrhaus standen ein Laib Brot und Salz bereit und die Nachbarn haben uns sofort geholfen, unsere Habseligkeiten ins Haus zu tragen. Der Empfang war phänomenal", sagt Prell. Er hat die Einwohner als "offene, herzliche Menschen" kennengelernt und wurde gleich in die Nachbarschaft integriert. "Der Heilige Geist wirkt in jeder Gemeinde anders. Den Menschen hier ist ihre Gemeinschaft im Dorf und die Kirche was wert. Das spürt man."

In ganz Bayern tätig

Während seiner Laufbahn hat Prell einige Kirchengemeinden kennengelernt. Nach seiner Zeit als Studieninspektor in Erlangen und Vikar in der Bayreuther Friedenskirche war Gerhard Prell unter anderem in Heroldsberg bei Nürnberg und in Regensburg als Pfarrer tätig. "Danach war ich 16 Jahre in Bad Endorf eingesetzt, dort hatte ich mit meiner Familie die glücklichste und schrecklichste Zeit meines Lebens. Meine erste Frau, die Mutter meiner Kinder, ist nach einem langen Kampf an Brustkrebs gestorben. Nach ihrem Tod wollte ich weg und bin dann nach Bad Reichenhall gegangen", erzählt Prell. Seine Kinder wollten die Schule nicht wechseln und sind deshalb bei Verwandten geblieben. Bevor Prell für drei Jahre nach Warmensteinach und schließlich nach Hassenberg kam, war er noch eine Zeit lang als Springer in Garmisch-Partenkirchen im Einsatz. "Ich wollte wieder in ein Pfarrhaus ziehen. Und als klar war, dass meine Tochter in Bamberg studieren würde, hatte sich Warmensteinach angeboten."

In seiner Freizeit möchte Prell in seiner neuen Heimat viel Fahrrad fahren und Angeln. "Beim Fliegenfischen bindet man alle möglichen Materialien an einen Angelhaken und steht dann bis zum Bauch im Wasser. Das mache ich auch", erzählt er von sich. Doch erst einmal müssen die letzten Umzuhgskartons ausgepackt werden. "Das Pfarrhaus wird langsam ein Zuhause."

Finanzierungskonzept muss her

Über die Sanierung der Schlosskirche hat er sich bereits Gedanken gemacht. "Wir haben eine der schönsten Stuckdecken in ganz Oberfranken. Es muss dringend etwas gemacht werden", sagt er in Bezug auf die poröse Stuckdecke in der Hassenberger Kirche. Seiner Einschätzung nach muss ein neues Finanzierungskonzept her, schließlich gehe es um die Restaurierung von etwas ganz Wertvollem.