Zuhören. Da sein. Das ist wichtig. Und Nathalie Haase ist da. Eigentlich war sie das schon immer...

Nathalie ist Quartier-Managerin des Quartiers-Projekts Awo Bezirksverbands Ober- und Mittelfranken. Das Quartier ist ein Stadtteil von Neustadt, in dem Senioren ein eigenständiges und unbeschwertes Leben genießen können. Und die Quartiersmanagerin ist nicht nur Ansprechpartner bei kleinen und großen Sorgen, plant und organisiert das Leben im Stadtteil und gibt den Bewohnern so die Chance, das Quartier aktiv mit zu gestalten und selbstständig zu leben. Sie ist auch mit Neustadt verwurzelt und hat eine enge Beziehung zu den den Menschen, die dort leben.

Die Sozialarbeiterin wohnt seit ihrem dritten Lebensjahr hier. Auch ihr Studium hat sie an der Hochschule Coburg absolviert, um in Neustadt zu bleiben."Ich bin heimatlich verwurzelt und möchte nicht weg. " Schon ihr Großvater war als "Gemüsehase" in Neustadt unterwegs und belieferte die Neustadter mit frischem Gemüse. "Es ist immer schön, wenns sich die Bewohner noch an ihn erinnern können. Da hat man gleich ein Thema , über das man reden kann und ich erfahre schöne Geschichten von früher", sagt Nathalie.

Ideen für die Menschen

Die junge Neustadterin hat ihre Berufung im Quartier gefunden: "Jeder der Bewohner ist einzigartig und ein Individuum, auf den ich mich einstellen muss und will." Vor allem die Vielfältigkeit der Bewohner und die Fülle an Aufgaben hat sie dazu bewogen 2018 das Management zu übernehmen. Neben der Organisation von Festen und Veranstaltungen kümmert sich Nathalie um die Vermittlung von mehr als 20 Partnerunternehmen und zahlreichen Ehrenamtlichen. "Wenn jemand Hilfe beim Einkaufen braucht, oder mit dem Haushalt allein nicht mehr zurecht kommt, dann vermittle ich den richtigen Kontakt. " Ob die Hilfe eines Handerwerkers, ein Pflegedienst oder ein ehrenamtlicher Helfer gebraucht wird. Nathalie kann fast immer Helfen."Und wenn ich mal nicht weiter weiß, dann habe ich tolle Partner, die mir weiterhelfen können."

Damit jeder Bewohner auch auf seine Kosten kommt, entwickelt Haase immer neue Projekte. Die wöchentlichen Rollatorkurse oder Spaziergänge, waren fast immer ausgebucht. Die Aktion "Leseoma und Leseopa", brachte jung und alt im Quartier zusammen und der Bastelnachmittag war jedes mal ein Höhepunkt für groß und klein.

Telefon mit Herz

Aber das ist nicht alles - auch, wenn sich neue Herausforderungen ergeben, hat Haase Ideen. Anfang 2020 stellte die Pandemie aber alle Pläne von Nathalie auf den Kopf: "Wir mussten komplett umplanen. Alle Aktivitäten mussten kontaktlos werden. Gleichzeitig wollten wir den Bewohnern aber das Gefühl geben, nicht allein zu sein."

Viele Senioren kamen damals auf Nathalie Haase zu. Sie hatten Angst vor der Einsamkeit und Sorge um ihre Gesundheit. Ein einfacher Sturz alleine: lebensgefährlich. Haase hörte den Bewohnern zu, nahm die Ängste ernst und entwickelte das "Telefon mit Herz". Jeden Montag ruft sie seitdem die Senioren zuhause an, um nachzufragen, ob alles in Ordnung ist. Ein Anruf der Sicherheit gibt. Für die Bewohner und Nathalie Haase. "Der Montag ist mein Lieblingstag. Die Senioren sind unheimlich wertschätzende wenn man sie anruft. Das tut in Coronazeiten wirklich gut."

Briefe für die Senioren

Eine Idee wurde von den Bewohnern des Quartiers besonders gut angenommen. Die Briefaktion mit selbst geschriebenen Briefen, die Nathalie Haase ins Leben gerufen hat. Die Briefe sind für viele Senioren eine echte Freude. Alle drei Monate ruft Nathalie zum Schreiben von Briefen und Postkarten auf. Immer unter einem anderen Motto. Ob Angehöriger oder Fremder: Jeder kann sich beteiligen. An Weihnachten und zum Valentinstag kamen besonders viele Briefe für die Bewohner im Quartier an. Fast 100 tolle Exemplare konnte Nathalie an die Senioren des Awo-Seniorenzentrums und den Asb verteilen. Alle mit viel Mühe verziert und handgeschrieben. "Die Bewohner freuen sich immer sehr, wenn sie einen der Briefe erhalten und manche Senioren wollen sogar eine Brieffreundschaft aufbauen", sagt Nathalie. Die neue Aktion für Ostern ist schon geplant und läuft unter dem Motto "Ich wünsche Dir, ganz ohne Stress, ein wunderschönes Osterfest". Bis ende April können kreative und liebevoll verfasste Briefe und Karten an die Quartiersentwicklung Neustadt geschickt werden. Auch weitere Projekte, wie ein Fotowettbewerb oder die Notfallbox-Extra sind in Planung, um auch in schwierigen Zeiten für die Senioren im Quartier dazusein.