Ein geschützter Unterstand für Fahrräder in Coburg

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Die Scheune in der Schenkgasse soll in Zukunft Fahrräder beherberge n. Foto: Simone Bastian
Die Scheune in der Schenkgasse soll in Zukunft Fahrräder beherberge n. Foto: Simone Bastian

Bei der Bürgerversammlung für Coburg-Mitte wurde eine Fahrradabstellscheune ins Gespräch gebracht. Für Diskussion sorgen weiterhin Baupläne am Bärenturm.

Eine Entscheidung für oder wider einen geplanten Anbau an der Pension "Bärenturm" in der Unteren Anlage wird es voraussichtlich im Januar oder Februar geben. Bei der Bürgerversammlung für Coburg-Mitte am Montagabend im Saal des Rathauses teilte dies Karl Baier mit. Der Leiter des Stadtplanungsamtes erläuterte die Um- und Anbaupläne. In dem Hotel sollen ebenfalls Wohnungen entstehen.

Weitere Themen der Bürgerversammlung waren die Sanierung des Salvatorfriedhofes und das Radwegenetz in der Stadt. Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) leitete die "seltene Veranstaltung" in der Kernstadt. "Bürgerversammlungen gibt es häufiger in den Stadtteilen." Die Zahl der ins Rathaus gekommenen Bürger war jener der anwesenden Verwaltungsmitarbeiter und Stadträte etwa ebenbürtig. Initiiert hatte die Bürgerversammlung der Bürgerverein Coburg-Stadt.

Die Stadt Coburg arbeitet daran, das Radwegenetz in der Stadt zu verbessern. Das erklärte Katja Link von der Stadtplanung. Dazu würden die Wegweisung besonders für Radtouristen verbessert und weitere 70 Radabstellbügel aufgestellt. Als Modellprojekt soll in der Steinwegvorstadt eine Fahrradabstellscheune entstehen. "Denn besonders E-Bikes stellen einen erheblichen Wert dar", ergänzte Gerd Weibelzahl vom Verkehrsclub Deutschland. Diese Scheune in der Schenkgasse soll Platz für etwa 50 Räder bieten und Anfang 2020 zur Verfügung stehen, war von der Wohnbau der Stadt zu erfahren. Ein Teil könne für Anwohner und deren Räder reserviert sein, der Rest frei zur Verfügung stehen. Mit einer Videoüberwachung sollen Diebstähle und Sachbeschädigungen verhindert werden.

Weitere Probleme

Mehr getan werden müsse für den Fahrradverkehr in der Lossau- und Ketschendorfer Straße, forderten mehrere Coburger bei der Bürgerversammlung. Ein Ärgernis ist der gegenüber dem Klinikum oft zugeparkte Fahrrad-Schutzstreifen. Ebenso in der Goethestraße bräuchten Radler einen eigens markierten Fahrstreifen. Nach den Worten von ÖPNV-Beauftragter Marita Nehrung sind die Schließfächer auf der Mauer, wo Gepäck und Fahrradhelme deponiert werden können, oft Ziel von Vandalismus.

Das Landesamt für Denkmalschutz, mehrere städtische Behörden, Bürgerverein und Altstadtfreunde sowie Stadträte verschiedener Fraktionen sprechen sich vehement dagegen aus, neben dem Bärenturm einen maximal fünfgeschossigen Anbau zu genehmigen. Das Vorhaben wird inzwischen auch von der Regierung von Oberfranken und dem Landesdenkmalrat verfolgt. Anstelle von zwei bestehenden Garagen und mit zusätzlichen 76 Quadratmetern städtischen Grundstücks möchte der Bauherr dort Wohnungen errichten. Damit würde der historische Altstadtring beeinträchtigt und die Sicht auf die Morizkirche aus der Unteren Anlage verstellt.

Gesetzlich kein Grund für Ablehnung

Während Stadtplaner Karl Baier nach den Buchstaben des bayerischen Baugesetzbuches keine Ablehnungsgründe sah ("Nur danach können wir den Bauantrag beurteilen"), sprach FDP-Stadtrat und Stadtbild-Vorsitzender Hans-Heinrich Eidt von einem "hässlichen Bau, der sich dort aufplustert". Gernot G. Kirchner, Vorsitzender des Bürgervereins Coburg-Stadt, sah die Anforderungen des Denkmalschutzes konterkariert und bekam dabei Unterstützung von Christa Minier, Vorsitzende der Altstadtfreunde Coburg. ÖDP-Stadtrat Klaus Klumpers erklärte: "Wir brauchen nur nicht (die städtische Fläche, Anm. der Red.) zu verkaufen, wenn wir politisch das Rückgrat dazu haben." Stadtrat Max Forkel (Junge Coburger) war am Montagabend der einzige Fürsprecher: "Es geht keine historische Bausubstanz verloren." OB Norbert Tessmer ist "noch hin -und hergerissen".

Anfang Dezember gibt es zu dem Projekt nochmals Gespräche mit dem Landesamt für Denkmalpflege.

Bis der Salvatorfriedhof neu gestaltet wird, werden noch mindestens drei Jahre vergehen. Vor mehr als zehn Jahren ist die Umgestaltung des alten Friedhofs beschlossen worden, der heute als Park und Pausenhof des Gymnasiums Albertinum genutzt wird. "Bislang hat sich aber nichts getan", stellte Bürgervereins-Vorsitzender Kirchner fest. Seinerzeit betrugen Kostenschätzungen etwa 2,1 Millionen Euro, sagte Bernhard Ledermann, Leiter des Coburger Grünflächenamtes. Durch die Sanierung der Ketschenvorstadt seien die Städtebaufördermittel für Coburg erschöpft gewesen, so dass der Salvatorfriedhof auf der Prioritätenliste nach hinten gerückt sei. Vorher seien noch obere Ketschengasse, Rosengasse, Ernstplatz und Ketschentor abzuarbeiten. Nach den Worten von OB Tessmer hat es wenig Sinn, vor der Fassadensanierung des benachbarten Albertinums im Salvatorfriedhof zu beginnen.