"Wenn wir nicht aufmachen, wer dann?", fragt Michael Fischer von der Stadtverwaltung in Bad Rodach. Was aufgemacht werden soll, das ist das Waldbad der Stadt. Ab Montag, 8. Juni, darf dort wieder gebadet werden - mit Einschränkungen, aber immerhin.

"Was genau auf uns zu kommt, wissen wir nicht", sagt Bürgermeister Tobias Ehrlicher. Und: "Wenn wir merken, dass wir in Schieflage kommen, ist schneller wieder zu, als man gucken kann."

Um so eine "Schieflage" zu vermeiden, wurde ein Hygienekonzept erarbeitet. Ohne so ein Konzept wäre eine Öffnung nicht möglich gewesen. "Wir haben dabei mit der Therme zusammengearbeitet", erklärt Michael Fischer. Dabei galt es als ersten wichtigen Punkt zu klären, wie viele Besucher überhaupt gleichzeitig ins Waldbad hineingelassen werden dürfen.

Genaue Berechnung

"Da gibt es für die Berechnung klare Vorgaben von der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen", erklärt Lutz Lange, Geschäftsführer der Therme Natur. Auf dieser Grundlage wurde festgelegt, dass zunächst maximal 400 Besucher ins Waldbad dürfen. "Wir haben ja große Flächen", sagt Michael Fischer.

Bademeister Frank Brehm weiß genau, auf welcher Wasserfläche geplanscht werden darf. "Der nutzbare Bereich ist 822 Quadratmeter groß", sagt er. Der See selbst ist erheblich größer. Die Fläche, die für die Badegäste gesperrt ist, dient der Reinigungsfähigkeit des natürlichen Gewässers.

Gerade, dass es im Waldbad keine Zusätze zum Wasser gibt, zieht Gäste an. Im vergangenen Jahr waren es dank des heißen Sommers weit über 20 000. Und in Corona-Zeiten? "Es wird bei den Bestimmungen nicht unterschieden zwischen Naturbädern und den anderen Freibädern", erklärt Michael Fischer. Im Waldbad werden regelmäßig Wasserproben untersucht. "Die Wasserqualität ist in Ordnung", stellt Frank Brehm fest. Seine Kollegin Kerstin Fenßlein fügt hinzu: "Die Temperatur ist jetzt bei 18 Grad." Am Mittwoch waren es schon mal 19 Grad. Das noch recht frische Wasser und das jetzt wieder etwas trübe Wetter lassen Tobias Ehrlicher erwarten, dass mit der Öffnung am Montag nicht gleich der große Ansturm auf das Waldbad losgehen wird. "Das gibt uns die Möglichkeit, schon mal zu lernen", sagt er.

Lernen müssen vor allem die Besucher. Es beginnt am Einlass. Maskenpflicht und Abstandsregeln gelten zunächst mal auch im Waldbad. Jeder muss sich mit Name, Adresse und Telefonnummer in eine Liste eintragen. Bei jedem Besuch.

Immer neu eintragen

"Da wird es Stammgäste geben, die sagen, ich war doch schon gestern und vorgestern da, warum muss ich mich jetzt schon wieder eintragen?", ist dem Bürgermeister bewusst. Doch diese Vorschrift dient eben der Nachverfolgung, falls ein mit dem Corona-Erreger infizierter Besucher festgestellt wird. Dann soll bekannt sein, wer mit dieser Person gleichzeitig im Bad gewesen ist und Kontakt gehabt haben könnte. Daher muss die Eintragung jedes einzelne Mal neu erfolgen. Die Listen werden nach einigen Wochen vernichtet.

Mit Maske auf die Wege

Erst einmal im Bad angekommen, gilt es einige Regeln zu beachten. "Auf den Wegen gilt Maskenpflicht und es müssen die Abstände eingehalten werden", erklärt Michael Fischer. Schilder machen immer wieder darauf aufmerksam. Am Platz auf der Liegewiese kann die Maske abgenommen werden. Und natürlich ist sie auf dem Weg ins Wasser und im Wasser nicht erforderlich. Allerdings ist darauf zu achten, dass es immer nur an einer Seite der Wasserfläche erlaubt ist hineinzugehen. Auf der gegenüberliegenden Seite geht es dann wieder hinaus. Im Wasser gilt ebenfalls: Abstand halten!

Die Einzelumkleiden sind geschlossen. Im Gruppenumkleideraum darf sich immer nur eine Person umziehen. Duschen ist möglich. Aber auch hier gilt, dass immer nur eine Person hinein darf. Die Duschen sind ständig zu desinfizieren. "Wir hoffen, dass die Besucher sich gut an diese Regeln halten", sagt Tobias Ehrlicher. Denn es müsse klar sein, wer die Regeln nicht einhält, muss das Bad verlassen. Die Mitarbeiter sind gehalten, da streng zu sein.

Dass überhaupt geöffnet wird, vertritt Tobias Ehrlicher klar: "Es ist ja vieles nicht möglich, da wollen wir den Bürgern einfach auch etwas bieten", sagt er. Dabei geht er davon aus, dass wohl viele in diesem Sommer ihre Ferien hier verbringen werden und eben nicht in Urlaub fahren. Für die sollte es in der Region möglich sein, die Zeit zu genießen.

Und wenn der Wohnmobilstellplatz von Touristen angenommen wird, dann möchte Tobias Ehrlicher, dass auch diese Gäste eine möglichst gute Erinnerung an ihren Aufenthalt in Bad Rodach mitnehmen und wenigstens das Waldbad nutzen können.

Die Therme Natur, wird nämlich vorerst nicht öffnen. "Wir könnten den Außenbereich öffnen", sagt Lutz Lange. Doch da wäre der Aufwand wohl größer als der Ertrag. Er hofft, dass bei den bereits geöffneten Bädern in Thüringen in den kommenden Wochen alles gut geht. Denn damit wäre bewiesen, dass von Bädern keine Gefahr ausgeht und er könnte vielleicht auch die Therme bald wieder ganz öffnen.