Regen. Regen begrüßte die Wanderer bei der Leserwanderung und Regen verabschiedete die 19 tapferen Männer und Frauen wieder. Zwischendurch gab es auf rund 14 Kilometern und vier Stunden aber spannende Einblicke in die Landschaften um den Goldbergsee und den Callenberger Forst. Vom Goldbergsee ging es durch den Rückertpark und Neuses. Stadtführerin Heidi Marx leitete die Gruppe durch die verregnete Landschaft und informierte über die junge Geschichte des Goldbergsees, das Wirken des Dichters Friedrich Rückert und die alte Geschichte des Callenberger Forsts. Und immer und überall Wasser - von oben, von unten, seitlich und von vorn.

Spätestens bei der zweiten Etappe am Goldbergsee, parallel zur Bahnstrecke, machte der Streckenname "Coburger Meer" an diesem Tag Sinn. Der Wind peitschte den Regen ins Gesicht, der Untergrund unterschied sich nur noch schemenhaft vom naheliegenden See.
Ein herbstlicher Deichspaziergang an der Nordsee könnte nicht schöner sein. Nichtsdestotrotz: Keine Worte des Miss- oder Unmutes. "Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung", war vielleicht zurecht der häufigste Satz des Tages.

Unter den bunten Regenschirmen entwickelten sich viele Gespräche. Lachen war öfters zu hören als Stöhnen oder Beschwerden über das "Sauwetter". Ein Thema war die schöne Strecke, für die Heidi Marx viel Lob bekam, denn viele Regen-Wanderer kamen von weit her und nutzen die Leserwanderung zur Erkundung des Coburger Landes "Mit der Anmeldung sind wir auch eine Verpflichtung gegenüber den Leuten eingegangen, die alles organisiert haben. Auch deshalb sind wir trotz des Wetters gekommen", sagt Dietmar Beyer aus Forchheim. Andere kamen aus Haßfurt oder dem Bamberger Raum. Mehr als die Hälfte der Angemeldeten scheute Regen und Wind und kam nicht.

Nach knapp zwei Stunden konnten die Regenschirme kurzzeitig beiseite gelegt werden - nein, der Regen hatte nicht aufgehört. Auf halber Strecke gab es eine kostenlose Brotzeit an einem Unterstand an der Waldorfschule. Nach dem ersten kleinen Aufstieg den Goldberg hinauf waren die frischen Brezeln und Getränke eine willkommene Abwechslung.

Tunnel unter der Straße

Nachdem noch etwas für unterwegs eingepackt wurde, ging es weiter in den Callenberger Forst Richtung Schloss. Sogar Damwild konnten die leicht durchnässten Wanderer beobachten. Der restliche Weg führte dann durch den Wald.

"Dieser Streckenabschnitt war eigentlich als Schutz vor der Sonne gedacht, aber so kriegen wir vielleicht etwas weniger Regen ab", sagte Marx. Weiter ging es vorbei am Trimm-Dich-Pfad und den alten Kastanien im Callenberger Forst. "Hier, wir werfen einen kleinen Schatten und regnen tut es auch nicht", sagte einer der Wanderer optimistisch. Leider ein Trugschluss - der Regen war an diesem Tag unser ständiger Begleiter. Langsam wurde die Idylle des Waldes wieder durch die Geräusche der näherkommenden Straße getrübt, aber jede Wanderung führt irgendwann wieder zurück in die Zivilisation.

Der Tunnel unter der Straße, hin zum See, war denn auch der längste regenfreie Abschnitt des Tages. Schade fanden die Wanderer, dass es in unmittelbarer Nähe der gesamten Strecke keine Möglichkeit zur Einkehr gibt, aber einige Besucher wollten noch auf eine Tasse Kaffee in die Innenstadt fahren. Wieder mit Regenschirm und guter Laune.