Wilde Möhre, Feld-Thymian und Schafgarbe - diese Kräuter und Blumen sind vielerorts bereits von den Wiesen verschwunden und mit ihnen die Insekten. Insektenschwund - ein Problem, das das ökologische Gleichgewicht beeinflusst. Mit Blühwiesen soll für Schmetterling und Co. wieder mehr Lebensraum geschaffen werden. Denn die bunten Wiesen sind nicht nur für den Spaziergänger hübsch anzusehen, sondern sichern an erster Stelle das Überleben vieler Insektenarten.

Eine langfristige Planung ist wichtig

An sich ist das keine neue Idee, doch viele Landwirte, die Blühwiesen anpflanzen, denken nicht langfristig genug, erläutert Tobias Wüstefeld, Mitgründer des Vereins Solidarischer Naturschutz (Sonatu. e.V.). Wenn die Blühwiesen nur eine Saison stehen und im nächsten Jahr wieder zu Ackerland werden, findet keine nachhaltige Ansiedlung von Insekten statt, weil sie im nächsten Jahr keine Nahrung finden oder Überwinterungsflächen fehlen. Wenn Ackerflächen aber länger als fünf Jahre als Blühwiese bepflanzt werden, gehen sie rechtlich in Wiesenflächen über, das würde für den Landwirt einen deutlichen Wertverfall bedeuten, deshalb bestehen viele Flächen nicht so lange.

Sonatu möchte das anders machen und zieht dafür mit Landwirt Albert Sebald an einem Strang. Langfristig sollen die Wildkräuter und Blumen so nicht nur auf einem Fleck blühen sondern im besten Fall das ganze Feld durchwandern. Für die kommenden zwei Jahre steht bereits die Finanzierung für die etwa 24 400 Quadratmeter Land im Raum Seßlach und Muggenbach, die der Landwirt dem Verein zur Verfügung gestellt hat. Doch zukünftig sollen noch weitere Flächen dazukommen. "Wir sind auf der Suche nach weiteren Landwirten, die sich beteiligen möchten", sagt Wüstefeld.

Um die Kosten stemmen zu können, ist der Verein auf Spenden angewiesen. "Wir haben unter anderem eine Spende von der Volksbank Lichtenfels-Ebern über 3500 Euro erhalten", sagt Wüstefeld. Auch eine Crowdfundingkampagne (Gruppenfinanzierung) hatten sie gestartet, allerdings nur mit mäßigem Erfolg, erzählt er.

Insekten den Lebensraum zurückgeben

Sein Engagement bremst das jedoch nicht: "Wir müssen sofort handeln. Das extreme Klima und die konventionelle Landwirtschaft haben schwere Folgen für die Insekten. Aber wir haben in der Region noch eine gute Ausgangssituation." Er hofft, heimischen Insekten wie der Mohnbiene, die auf der roten Liste steht, wieder mehr Lebensraum zu verschaffen. Um dieses Ziel langfristig umzusetzen plant der Verein, dass die Blühflächen, die in Ackerland liegen, nach drei Jahren wandern sollen, denn so könnten sie langfristig bestehen. "Auf der einen Seite nehmen wir einen Teil weg, der aber auf der anderen Seite der Fläche wieder dazukommt", erläutert Wüstefeld. "Das bedeutet, allerdings, dass die Flächen jedes Jahr neu beantragt werden müssen", sagt Sonatu-Mitglied Dietrich Pax, der den Demeter Gemüsehof Callenberg in Coburg betreibt.

Der Ertrag wird keine 100 Prozent sein

"Es darf nicht mehr bestraft werden zum Beispiel einen hohen Anteil von Unkräuter-Saat im Getreide zu haben, es muss belohnt werden", sagt Wüstefeld. "Der Ertrag auf dem Feld wird dann sicher keine 100 Prozent erreichen, aber es ist zum Wohl der Natur", erläutert Pax. Man müsse allerdings im Auge behalten, wie groß die Verluste für den Landwirt werden und gegebenenfalls einen Ausgleich schaffen. Um die Insekten zu schützen, soll auch nur alle zwei bis vier Jahre gemäht werden und auch nur versetzt, so dass die Tiere auch im Winter einen Rückzugsort haben. Ausgesät ist bereits auf etwa 80 Prozent der Flächen, erklärt Albert Sebald: "Die ersten Keimlinge sieht man vermutlich in vier Wochen."

Die weitere Pflege der Fläche übernehmen die Mitglieder des Vereins. "Wir wollen das Projekt auch wissenschaftlich begleiten und sind in Gesprächen mit der Uni in Göttingen", betont Wüstefeld, "vielleicht gibt es so Hoffnung auf neue Habitate zum Beispiel Die rote Fläche kennzeichnet die Wiese, die Blühwiese. Im Laufe der Jahre soll sie wandern. Für die 20-30 Schmetterlingsarten in der Region."

Wie wirksam sind Blühwiesen?

Insektensterben, der Begriff ist laut Stefan Beyer, vom Bund Naturschutz Coburg gerechtfertigt: "Es gibt inzwischen viele Studien, die belegen, dass nicht nur die Artenvielfalt, sondern auch die Anzahl an Individuen deutlich zurückgeht," Für manche Insekten werden Blühflächen sinnvoll sein, aber das Problem Insektensterben ist vielschichtig, erklärt er: "Man wird mit dem Anlegen von Blühwiesen das Problem nicht lösen, denn vielen spezialisierten Arten wird man damit nicht helfen können. Denn es gibt abertausende von Insektenarten, die alle unterschiedliche Bedürfnisse haben." Bestimmte Arten könnten profitieren, wenn heimische Pflanzen verwendet werden.