"Das Projekt ist nicht wirtschaftlich, es besteht deshalb kein Bedarf." Gemeint ist der Ausbau der B 303 im Bereich Tambach, die Einschätzung stammt von Experten des Bundesverkehrsministeriums. Denn die Umgehung von Tambach war genauso wie die von Oberelldorf für den neuen Bundesverkehrwegeplan angemeldet, wurde aber nicht aufgenommen.

Zumindest nicht in den Entwurf. Der liegt seit etwa einer Woche vor, und in einem bisher einmaligen Konsultationsverfahren können Bürger, Kommunen und Verbände bis 2. Mai dazu Stellung nehmen. Das sollen sie auch tun, findet die SPD-Landtagsabgeordnete Susann Biedefeld. Sie versammelte gestern etliche Kommunalpolitiker zum Fachgespräch in Coburg. Themen waren neben dem ICE-Systemhalt der Ausbau der B 303 und der Schienenlückenschluss nach Südthüringen.


Problemstrecke durch den Tambacher Forst

Die Bürgermeister Martin Finzel (Ahorn, parteilos) und Wolfgang Bauersachs (Weitramsdorf, BFB) plädierten dafür, den Ausbau der B 303 in den Plan aufzunehmen. Denn bis auf das Teilstück westlich von Coburg bis zur Landkreisgrenze sei die Bundesstraße gut ausgebaut. "Wir dürfen regelmäßig junge Leute von der Straße kratzen", sagte Finzel. Das gelte vor allem für das kurvige und steile Stück durch den Tambacher Forst und nach Tambach hinein.

Der Bundesverkehrswegeplanist im Internet zu finden. Unter dem Menüpunkt "Prins" sind auch die Projekte aufgelistet, die es nicht in den Planentwurf schafften, wie eben die B303 bei Tambach. Ein K.O.-Kriterium war die Nutzen-Kosten-Analyse: Wenn dieser Wert kleiner ausfällt als 1, also die Kosten den Nutzen übersteigen, fällt ein Projekt raus. 14,8 Millionen Euro würden die rund 4,2 Kilometer neue (und dreispurige) Straße kosten. Er vermute, dass die Verkehrsbelastung zu gering sei, sagte Bürgermeister Bauersachs. Übersehen werde dabei, dass auf der B 303 verhältnismäßig viele Laster unterwegs seien. Die machen Lärm beim Bremsen, Beschleunigungen und Anfahren, vor allem an der steilen Ortsdurchfahrt von Tambach. Argumente, die die Kommunalpolitiker im laufenden Konsultationsverfahren einreichen sollten, sagte die Bundestagsabgeordnete Rita Hagl-Kehl (SPD), Mitglied im Verkehrsausschuss.

Auch für den Schienenlückenschluss Coburg-Südthüringen gibt es aus Coburger Sicht gute Argumente. Doch vom Berliner Standpunkt aus betrachtet handelt es sich bei einer solchen Strecke um öffentlichen Personen-Nahverkehr, und für den ist der Bund nicht zuständig.


Bund zahlt für Fernverkehr

Die IHK zu Coburg hatte darauf gedrängt, dass die Schienenverbindung in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen werden müsse, weil auf der Strecke dann auch Güterzüge zu den Seehäfen fahren könnten. Die Strecke wäre kürzer als die über Bamberg.

Der Nutzen-Kosten-Wert liege hier bei 7,5, machte Björn Crukowski geltend, Referent für Standortpolitik bei der IHK zu Coburg. Und selbst, wenn die Strecke elektrifiziert und damit teurer würde, läge dieser Koeffizient noch bei 2,8.

Doch eine elektrifizierte Strecke war offenbar gar nicht angemeldet worden. Damit werde sie weder für den Personen-Fernverkehr noch für den Güterverkehr genutzt, befand das Bundesverkehrsministerium und fasst zusammen: "In Grobbewertung ausgeschieden." (Linkzur Liste hier, der Lückenschluss hat die Nummern 1-299 und 1-300.)

Doch egal, ob elektrifiziert oder nicht: Der Fernverkehr beginne ab 50 Kilometern Reisestrecke, sagte Lukas Iffländer, stellvertretender Landesvorsitzender Bayern des Fahrgastverbands Pro Bahn. Weil der Lückenschluss als Zubringer für einen ICE-Halt in Coburg dienen würde, sei das auch eine Fernverkehrsstrecke. Mit seiner Einschätzung habe das Ministerium die Gesetzeslage missachtet.

Sie wolle nicht dabei zusehen, wie Bund und Land "den Schwarzen Peter hin und her schieben", kündigte Susann Biedefeld an. Die Staatsregierung müsse sich zum Schienen-Lückenschluss nach Südthüringen bekennen und ihn notfalls aus den Regionalisierungsmitteln finanzieren.