Die Stadt Coburg und der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge hatten zu dem Festakt eingeladen, der mit einem Gedenken in der Kapelle des herzoglichen Stadtschlosses Ehrenburg begann und mit Kranzniederlegungen im Ehrenmal in den Schlossplatzarkaden sowie auf dem Glockenberg-Friedhof fortgesetzt wurde.

"Wir trauern heute hier in Coburg um jedes einzelne Opfer von Krieg und Gewalt", sagte Oberfrankens Regierungspräsident Wilhelm Wenning bei seiner Rede in der Schlosskapelle. "Und weil jeder Einzelne uns am Herzen liegt, sind wir auch jeder selbst ein Stück weit verantwortlich dafür, dass Frieden, Freiheit, Demokratie Gerechtigkeit und Menschlichkeit nicht nur schöne Worte bleiben, sondern gelebte Werte, für die wir uns einsetzen, und für die wir uns stark machen."

Wenning, der auch Bezirksvorsitzender des Volksbundes ist, wies darauf hin, dass in den Stadtgrenzen Coburgs 164 deutsche Tote des Ersten Weltkrieges, 210
Kriegstote des Zweiten Weltkriegs und dazu 38 Tote ausländischer Herkunft ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. "Selbstverständlich bleibt es die Kernaufgabe des Volksbundes, unseren gefallenen deutschen Soldaten eine würdige Ruhestätte, den Angehörigen und den nachkommenden Generationen einen Ort des Gedenkens und des Nachdenkens zu schaffen und zu bewahren." Hinter jedem Toten stehe ein Einzelschicksal, ein zumeist früh beendetes Leben. Der Regierungspräsident: "Es gehört zum Schmerz der Erinnerung, dass man um die Einmaligkeit und Unwiederbringlichkeit des zerstörten Lebens weiß." Ausdrücklich erwähnte Wenning in seiner Gedenkrede auch die Toten der Bundeswehr, die im Einsatz in Konflikt- und Krisengebieten unseres Planeten ihr Leben lassen mussten.

"Wir haben den tiefsten Abgrund von Barbarei und Unmenschlichkeit erlebt", erinnerte Coburgs Oberbürgermeister Norbert Tessmer an die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts. "Diese Geschichte darf sich in Deutschland nicht wiederholen!" Er erinnerte an die verlorene Jugend älterer Generationen. Sein eigener Vater sei im Alter von 17 Jahren noch in den Krieg geschickt worden. Er bedauerte, dass die unsere Gegenwartswelt noch weit von einem umfassenden Frieden entfernt sei. "Nicht nur der Terror des IS, sondern auch die Flüchtlinge, lassen uns in unserer Stadt der Realität ins Auge sehen", sagte der Oberbürgermeister, der auch Kreisvorsitzender des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge ist. "Mir scheint, im Jahre 2015 ist die Welt aus den Fugen geraten."

Zusammen mit den Vertretern der Stadt Coburg und des Volksbundes legten verschiedene Coburger Vereine und Verbände Kränze zum Gedenken an die Opfer von Kriegs und Gewaltherrschaft im Ehrenmal in der Schlossplatzarkaden nieder. Auf dem Glockenberg-Friedhof führte der Schweigemarsch am Gedenkstein für die Opfer der frühen Jüdischen Gemeinde Coburgs, am Gemeinschaftsgrab für die in den letzten Kriegstagen ermordeten Zwangsarbeiter, am Grab des Widerstandskämpfers Oberst Georg Alexander Hansen sowie auf dem Soldatenfriedhof vorbei. Der Posaunenchor St. Moriz unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Peter Stenglein sowie die Stadtkapelle Coburg unter der Leitung von Zdenek Fiala umrahmten die Feierstunde musikalisch.