Neustadt bei Coburg
Konsum

Der legale Bruder der Droge THC

In Neustadt steht der erste CBD-Automat im Landkreis. Warum die Polizei von einem rechtlichen Graubereich spricht.
Auf dem Parkplatz des Fachhandels Crazy Fireworks steht ein neuer Automat. Hier sind Snacks, Öle und Mundsprays, die Cannabidol (CBD) enthalten, erhältlich.
Auf dem Parkplatz des Fachhandels Crazy Fireworks steht ein neuer Automat. Hier sind Snacks, Öle und Mundsprays, die Cannabidol (CBD) enthalten, erhältlich. Foto: Cindy Dötschel

Seit knapp zwei Monaten gibt es einen CBD-Automaten in Neustadt. Bei CBD handelt es sich um Cannabidol (siehe Infobox), einen Inhaltsstoff, der aus der weiblichen Hanfpflanze gewonnen wird. "In den ersten paar Tagen war nichts weiter los. Dann hat es sich rumgesprochen, dass ein solcher Automat hier steht - seitdem gibt es einen regen Zulauf", sagt der Angestellte eines ansässigen Unternehmens, der täglich bis um die Mittagszeit vor Ort ist. In den wenigen Stunden würden täglich mindestens fünf Autos halten. "Die Leute kommen auch von Kronach oder Sonneberg zu dem CBD-Automaten."

Der Automat steht am Rand des Parkplatzes des Fachhandels Crazy Fireworks. Erhältlich sind Öle, Mundsprays, Snacks und Kräuter, in denen CBD enthalten ist. Dem Cannabinoid werden "vielfältige, unterstützende Einflüsse" auf das Wohlergehen zugeschrieben. "Der hohe Entspannungsfaktor steht im Vordergrund", schreibt Matthias Schöggl, der in Graz Pharmazie studiert hat, auf der Website CBD-Vital.

Das günstigste Produkt, das am CBD-Automaten in Neustadt erhältlich ist, ist ein Lolli für 1,50 Euro . Am teuersten ist ein Aromaöl für 30 Euro. Dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit zufolge sind die Produkte legal, solange nicht mehr als 0,2 Prozent Tetrahydrocannabinol (THC) enthalten sind. Der Verkauf von CBD-Blüten ist in Deutschland verboten. Theoretisch könne ein Rausch entstehen, wenn die Blüten in sehr großen Mengen in einem Kuchen verbacken werden, schreibt der Hanfverband und beruft sich dabei auf ein Gutachten.

Die CBD-Automaten betreibt die Firma WVS GmbH, die in Gerolzhofen sitzt. Weitere Standorte sind Bamberg, Strullendorf, Bad Brückenau, Nüdlingen, Schweinfurt, Würzburg, Gemünden und Lohr am Main. Wie das Unternehmen mitteilte, sollen weitere Standorte dazukommen. Damit keine Minderjährigen Produkte kaufen können, muss die EC-Karte zur Überprüfung an den Automaten gehalten werden. Der Chip, enthält Informationen zum Alter des Inhabers. Bezahlt werden kann allerdings auch mit Bargeld.

Keine rechtlichen Bedenken

Wie die Stadt Neustadt auf Nachfrage erklärt, wurde die Polizei um eine Stellungnahme gebeten, bevor der CBD-Automat aufgestellt wurde. Soweit der THC-Gehalt den angegebenen Wert nicht überschreitet, würde aus arzneimittel-, betäubungsmittel- und nahrungsmittelrechtlicher Sicht gegen keine Vorschriften verstoßen. "Grundsätzlich ist die Thematik CBD-Produkte noch nicht hinreichend erforscht. Ein Missbrauch zu Rauschzwecken ist denkbar und möglich, was aber immer in Abhängigkeit zur tatsächlichen Zusammensetzung inklusive des etwaigen Wirkstoffgehaltes und der potenziell aufzunehmenden Menge steht. Die Untersuchung eines jeden Produktes ist unabdingbar", teilte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken mit.

Dazu, ob seitens die Polizei Bedenken hinsichtlich der Automaten bestehen, sei derzeit keine allgemeingültige Aussage möglich. Die tatsächliche Stoffzusammensetzung und der Wirkstoffgehalt seien nicht bekannt und könnten nur durch eine etwaigen Packungsangabe entnommen werden. Generell müsse in Einzelfällen entschieden werden. "In Bamberg laufen derzeit zwei Wirkstoffuntersuchungen, bei denen das Ergebnis noch aussteht. In den vorliegenden Fälle wurde seitens der Staatsanwaltschaft die Beschlagnahme der Automaten erwirkt sowie die Untersuchung der Produkte beauftragt", sagt der Sprecher. Generell würde sich die rechtliche Situation des Themas noch im Graubereich befinden, da zum Beispiel auch gewerberechtliche Regelungen noch nicht geklärt seien.

Nebenwirkungen sind möglich

Von der rechtliche Seite abgesehen gibt es auch medizinische Bedenken - sogar bei der ärztlich verordneten Einnahme. So hat nach Angaben der Bundesärztekammer eine Meta-Analyse von 79 Studien zum Einsatz von Cannabinoiden in der Medizin ein erhöhtes Risiko für kurzzeitige unerwünschte Nebenwirkungen festgestellt.

Zu diesen möglichen Nebenwirkungen zählen Schwindel, Mundtrockenheit, Übelkeit, Müdigkeit, Schlafstörungen, Euphorie, Erbrechen, Orientierungsstörungen, Benommenheit, Verwirrtheit, Gleichgewichtsstörungen und Halluzinationen.

CBD und THC

CBD und THC Bei Cannabidiol (CBD) und Tetrahydrocannabinol (THC) handelt es sich um Cannabinoide der Hanfpflanze. CBD wirkt nicht psychoaktiv und ist frei verkäuflich. THC wirkt psychoaktiv und unterliegt dem Betäubungsmittelgesetz, es steht auf der Liste verbotener Substanzen.

Wirkung CBD und THC beeinflussen das Endocannabinoid-System, das Teil des Nervensystems ist und den ganzen Körper durchzieht. Während CBD zugunsten des Wohlergehens wirkt und entspannt, wirkt THC berauschend. Die Konzentration, die Denkfähigkeit und die Koordination werden dabei beeinflusst.

Gesetz CBD ist unter bestimmten Voraussetzungen in zahlreichen Ländern frei verkäuflich und legal. In den meisten Ländern muss der THC-Gehalt unter der Grenze von 0,2 Prozent liegen. THC ist in den meisten Ländern verboten.

Quellen: Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, CBD VITAL