Der Kommissar drückt seine Zigarette aus und begibt sich direkt zum Schauplatz des Geschehens. Rot-weiß gestreifte Absperrbänder machen den Weg zum Tatort frei. Er ist gespannt, was ihn erwartet. Kein gewöhnlicher Dienstag für Andreas Leopold Schadt.

Begonnen hatte alles mit seiner Dienstbereitschaft in der soziotherapeutischen Einrichtung für Alkoholkranke in Neu- und Neershof. Dann ging es zu einem Castingtermin nach München. Jetzt erwarten ihn die Damen vom Kinderschutzbund - und natürlich jede Menge kleine Kommissar-Assistenten.
Es ist still in der "Kiste", dem Secondhandladen, der mittlerweile seit 35 Jahren in Coburg Anlauf- und Kontaktstelle für Familien ist. Am Dienstagnachmittag ist gewöhnlich geschlossen, doch diese Woche stehen die Türen offen.

Kommissar Fleischer vom Franken-Tatort alias Andreas Leopold Schadt trifft hier auf Kommissar Kugelblitz (aus der Feder von Ursel Scheffler). Gemeinsam mit den neugierigen Kindern soll der Fall rund um die Boxerhündin Suzuki gelöst werden. Andreas Schadt liest nämlich anlässlich des Jubiläums aus dem Kinderkrimi vor.
Wie aber kommt ein "so berühmter Kommissar" zwischen all die Strampler, Jacken und Hosen, die in der Kiste zu Niedrigpreisen angeboten werden?

Nun, Kommissare und Schauspieler sind auch Menschen mit Kindern. Andreas Schadt, der der Liebe wegen von Hof nach Lautertal zog, ist der Papa der kleinen Laura. Als Laura noch gar nicht geboren war, begab sich Andreas Schadt auf Spurensuche in die Judengasse. Gesucht wurde der passende Babybjörn. Das junge Paar hatte einen guten Riecher: In der Kiste wurde es fündig und kam auch gleich mit ein paar von den vielen ehrenamtlichen Helferinnen ins Gespräch.


Soziale Ader

Der Schauspieler "mit der sozialen Ader", wie er es nennt, bot seine Unterstützung an, und so kam es zur Lesung zwischen all den Klamotten, Spielen und Babyaccessoires. Gespannt lauschten die Kinder der Geschichte - vorgetragen in sauberem Hochdeutsch.


Ohne "fei" und "gell"

Fällt es dem Franken-Kommissar sehr schwer, keinen Dialekt zu sprechen? Der 37-Jährige lacht und freut sich, dass seine Sprache so klingt. Aber die Coburger würden ja sowieso eher ein "liebliches Fränkisch" sprechen. "In Hof geht's eher derb zu. Wir lassen ganze Endungen weg und sprechen nicht mal in ganzen Sätzen", witzelt er. Gleich kommt er mit ein paar Kostproben, in denen es von "fei", "ne" und "gell" nur so sprudelt.
Seine Agentin habe ihn gebeten, sich wieder ein bisschen im Hochdeutschen zu bewegen, erzählt er. Das sei besser fürs Geschäft. Und tatsächlich gibt es jede Menge Nachfragen, seit er als Kommissar Fleischer auf der Mattscheibe zu sehen war. Erst kürzlich hat er eine Komödie fürs ZDF abgedreht, und "bei der ,Chefin' durfte ich einen spielen, der etwas weiß". Mehr will er nicht verraten.
Auch der zweite Franken-Tatort ist bereits abgedreht. Die Dreharbeiten waren im August - wieder vorwiegend in Nürnberg, aber auch in Würzburg und Hof. Mit der Ausstrahlung rechnet Schadt im Frühjahr 2016.
Bis dahin dreht Kommissar Fleischer alias Andreas Leopold Schadt seine Runden zwischen Neu- und Neershof, Lautertal und all den möglichen Drehorten und Castingstätten dieser Welt. Doch auch Lesungen wie die im Kinderschutzbund will er weiterhin gerne machen.