Oberbürgermeister Frank Rebhan (SPD) hat sich extra bei Martin Stingl, dem organisatorischen Leiter des Corona-Impfzentrums in Witzmannsberg, erkundigt und weiß: "Bislang hat es mit den Transporten der über 80-Jährigen zu den Impfungen ganz gut funktioniert." Aber es ist auch klar: Es wird Einzelfälle geben, bei denen über Verwandte oder Bekannte keine Fahrt möglich ist und die sich kein Taxi leisten können.

Für diesen Personenkreis hat die Stadt nun die Organisation für einen ehrenamtlichen Transport-Service übernommen. Ab dem kommenden Montag besteht für alle die Chance, bei Bedarf mit städtischer Hilfe nach Witzmannsberg zu kommen.

"Kein Rechtsanspruch"

Koordiniert werden die Fahrten über Ines Förster vom Familienzentrum - rein rechtlich finden die Fahrten im Rahmen der Nachbarschaftshilfe statt. Was das heißt, erklärt Detlef Heerlein vom städtischen Ordnungsamt: "Es besteht kein Rechtsanspruch auf eine Beförderung." Und weil den Freiwilligen der Nachbarschaftshilfe auch nur ein Fahrzeug zur Verfügung steht, sind die Ressourcen knapp. Deshalb kann es schon mal sein, dass zu einem Termin kein Fahrdienst organisiert werden kann. Denn in ihrer Menge zu unterschätzen ist die Personengruppe, die jetzt mit hoher Dringlichkeit geimpft werden soll, nicht. Detlef Heerlein hat mit Beginn der Impfkampagne extra die Zahlen herausgesucht und weiß: "Es sind bei uns in der Stadt rund 1100 Senioren, die dafür infrage kommen."

Wichtig auch: Die Menschen, die eine Fahrt brauchen, müssen so mobil sein, dass sie sich problemlos alleine im Impfzentrum bewegen können.

Jugendbus wird zum Seniorenbus

Eingesetzt wird für die Fahrten ein städtischer Jugendbus, der dafür sogar mit einer Scheibe zur Abtrennung zwischen Fahrer und Passagier nachgerüstet wurde. "Dennoch müssen wir ein striktes Hygienekonzept, auch mit FFP2-Schutzmaske, für alle Fahrzeuginsassen, einhalten", betont Heerlein.

Die Erfahrung der vergangenen Wochen hat nicht nur dem Oberbürgermeister gezeigt, dass die gut 20 Straßenkilometer bis zum Impfzentrum im Ahorner Gemeindeteil am einfachsten mit Hilfe von Familienangehörigen oder Bekannten zu schaffen sind. "Freilich ginge auch der öffentliche Personennahverkehr mit Bahn und Bus", weiß Frank Rebhan, relativiert aber gleich: "Einfach ist es damit nicht."

Der Oberbürgermeister weiß auch, dass die Stadt mit ihrer "Nothilfe" auch ein Stück weit in den Markt der Taxi- und Personenbeförderungsunternehmen eingreift. Aber da bittet er um Verständnis: "Wir als Stadt fühlen uns verpflichtet, denen zu helfen, bei denen es wirklich nicht anders geht."

Fahrer gesucht

Grundsätzlich geht Rebhans Aufruf deshalb an die Bevölkerung, bei der Impfung der ersten Personengruppe der über 80-Jährigen gesellschaftliches Engagement zu zeigen und sich als Fahrer anzubieten. Dabei könnten und sollten sich auch die Arbeitgeber kulant zeigen und kurzzeitige Abwesenheiten vom Arbeitsplatz tolerieren, so der Aufruf des Oberbürgermeisters, der betont: "Wir sollten alle gemeinsam schauen, dass wir Lösungen für dieses Transportproblem finden."