Der Bierschnegel ist eine Nacktschneckenart. Aber anders als die in Gärten und auf landwirtschaftlich genutzten Flächen schädliche "Spanische Wegschnecke" zählt der Bierschnegel nicht zu den Schneckenarten, die sich für grüne Pflanzen interessieren.

Für Naturschützer ist der Bierschnegel eine schützenswerte Tierart, die besondere Aufmerksamkeit braucht, zumal sie als eine Charakterart der fränkischen Bier- und Felsenkeller gilt. "Als Artenwächter kämpfen wir dafür, die Artenvielfalt aufrechtzuerhalten, damit das ökologische Gleichgewicht nicht aus dem Tritt kommt", sagt Frank Reißenweber, Vorsitzender des LBV Coburg. "Wiederansiedlungsprogramme ausgestorbener Arten sind nicht nur was für Biber, Wildkatze und Bartgeier, sondern auch für Insekten oder wie hier für Weichtiere, weil alle Organismen im Ökosystem eine Funktion haben."

Mit den feuchten Bierkellern verschwanden auch die Schnecken

Vor wenigen Tagen wurde der Bierschnegel in einem Keller in Bertelsdorf freigelassen, um ihn wieder anzusiedeln, denn er ist im Coburger Land ausgestorben. Mit der Aufgabe der feuchten Bierkeller waren im Coburger Land leider auch die Tage des Bierschnegels gezählt. "Die Art war in Franken und nach Angaben früherer Weichtierkundler auch im Coburger Gebiet weit verbreitet und ist erst mit der Nutzungsauflassung der Keller als Lager für Lebensmittel fast ausgestorben", erklärt der hinzugezogene Schneckenexperte Christian Strätz aus Bayreuth. Aktuell wird das Weichtier in den Roten Listen Deutschlands und Bayerns als "vom Aussterben bedroht" eingestuft. Nach Angaben von Manfred Colling aus Oberschleißheim, der gerade die neue Rote Liste Bayerns erstellt, wird es bei dieser Gefährdungseinstufung bleiben.

Der Bierschnegel erreicht im ausgewachsenen und ausgestreckten Zustand eine Länge von sieben bis maximal zehn Zentimetern. In der Regel sind die Tiere schmutzig-gelb bis dunkelorange gefärbt. Für ihr Aussehen typisch sind hellere oder dunklere, meist längliche, unregelmäßig angeordnete Flecken auf der Oberseite, der gelbe Körperschleim sowie die blaugrauen Fühler. Zu verwechseln ist der Bierschnegel nur mit dem Grünschnegel aus dem Schwarzmeergebiet, der auch in England und Irland sowie auf den Kanaren beheimatet ist und erst seit wenigen Jahren auch in Deutschland als Neubürger auftritt.

100 Tiere freigelassen

Im vergangenen Jahr meldete LBV-Mitglied Irmgard Schuster aus Würzburg, dass sie die vom Aussterben bedrohte Schneckenart bei sich im Hinterhof gefunden habe. Nun ist Schuster eigens mit rund 100 Exemplaren des Bierschnegels nach Coburg gefahren. Die Tiere wurden in einem aufgelassenen Bierkeller im Coburger Ortsteil Bertelsdorf, der speziell für den Bierschnegel vorbereitet wurde, freigelassen. In zwei weiteren Kellern, in Bad Rodach und im Coburger Ortsteil Ketschendorf, wird der Bierschnegel auch noch angesiedelt. Zuvor wurde bei der Höheren Naturschutzbehörde in Bayreuth eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung für die Wiederansiedlung beantragt, die mit der Auflage genehmigt wurde, die Bestandsentwicklung der Tiere zu dokumentieren.

Anschließend wurden die drei Keller mit Temperatur- und Feuchtemessgeräten und nach Empfehlung von Irmgard Schuster und Christian Strätz mit einem breiten Spektrum an Futter ausgestattet: Karotten, Mehl, Kartoffeln, Pilze, Gurken, Haferflocken, morsches Holz und Getreidekörner. "Was der Bierschnegel am liebsten frisst, wird sich im Laufe der Zeit zeigen", sagt Gerhard Hübner, der die Wiederansiedlung fachlich begleitet. Als Versteck dienen den Schnecken Bretter, altes Laub und Blumenuntersetzer aus Ton. Und natürlich darf auch das Bier nicht fehlen, denn damit wird der Bierschnegel angelockt - wie sein Name verrät. Um eine möglichst hohe Luftfeuchte zu erzeugen, wurden Wassereimer aufgestellt, die mit einem Gazestoff abgedeckt wurden, damit die Schnecken nicht ertrinken. Um den Bierschnegeln langfristig ein neues Zuhause zu geben, werden die drei Keller zukünftig kontrolliert. "Wir werden die Keller zunächst in einem Rhythmus von ein bis zwei Monaten begehen und dann werden wir sehen, ob unsere Vorbereitungen den richtigen Effekt haben", sagt Diplom-Biologe Gerhard Hübner.

Dass sich die Schneckenart aus den Kellern über den ganzen Landkreis verbreitet, ist allein biologisch nicht möglich: "Die Schnecken brauchen einen ganz speziellen Lebensraum, der nur in den vorbereiteten Kellern künstlich geschaffen wurde", versichert der Naturschutzexperte des LBV Coburg.