Früher, da war das mit den Gemeindewappen eine sehr ernst genommene Angelegenheit. "Da gab es einen ganz schön langen Dienstweg", erinnert sich Dieter Scherbel an die Zeit, in der das Wappen der Gemeinde Itzgrund entstanden ist. Zu dieser Zeit saß Scherbel, der später und dann für lange Jahre Geschäftsleiter im Kaltenbrunner Rathaus werden sollte, noch in der Rechtsaufsicht im Coburger Landratsamt. Dort bekam er die Entstehungsgeschichte des markanten Wappens von Anfang an mit.

Das Wappen war Chefsache

Die Geschichte des Itzgründer Wappens zu erzählen geht nicht, ohne dem damaligen Bürgermeister die Hauptrolle zu überlassen: Werner Köhler - er stand sechs Jahre an der Spitze der Gemeinde Gleußen, danach 18 Jahre an der Spitze der Gemeinde Itzgrund. Ein Wappen für den Itzgrund zu kreieren, das war für Werner Köhler Chefsache.

Offizieller Beschluss ist im Gemeindearchiv bewahrt

Nicht nur einmal marschierte der Bürgermeister deswegen im Landratsamt ein, um dort auf dem damals üblichen Dienstweg die Zustimmung der Regierung von Oberfranken für das von ihm mit erdachte Wappen zu bekommen. Einen offiziellen Beschluss, der den Wunsch nach einem eigenen Wappen dokumentierte, gibt es im Gemeinderatsarchiv heute noch. Er stammt vom 8. November 1984. Da war die Gemeinde Itzgrund nach der Gebietsreform schon sechs Jahre alt.

"Sehr umtriebig

"Er war ein sehr umtriebiger Bürgermeister", erinnert sich Scherbel an den 2005 verstorbenen Werner Köhler. Den "Kugelblitz" nannten sie ihn im Coburger Land in einer Mischung aus Witz über Köhlers bescheidende Größe und Hochachtung übers quirlige Temperament des Gleußeners. Den Basilisken als zentrale Figur haben sich die Itzgründer ein paar Kilometer weiter nördlich ausgeliehen: Er ist das Wappentier der ehemaligen Benediktinerabtei Banz, deren Herrschaftsgebiet bis in den Itzgrund reichte.

Die Krallen des Basilisken als Anspielung

Vielleicht, so genau weiß das niemand mehr, war es sogar Dieter Scherbel selbst, der damals im Landratsamt launig auf die Feststellung kam, dass die Krallen des Basilisken sinnbildlich für den damaligen Bürgermeister stehen würden. Denn Werner Köhler (Bild) konnte ganz schön kratzbürstig sein, wenn es darum ging, die Interessen der Gemeinde zu wahren. Köhler gefiel diese Anspielung jedenfalls, weiß Scherbel: "Er hat gerne von den bösen Zungen gesprochen, die meinten, dass die Krallen seine seien."

Immenser Aufwand

Fast auf den Tag genau 36 Jahre ist es her, dass der Gemeinderat aus vier Vorschlägen das Wappen auswählte - es war am 21. März 1985. Danach brauchte es noch die Zustimmung der Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns, erteilt am 7. Mai 1985. Dass der Aufwand damals groß war, erkennt man auch daran, dass sich nicht wenige in der Zeit der Gebietsreformen in den 70er und 80er Jahren gegründete Gemeinden ein eigenes Wappen erspart haben. Heute gehe es deutlich leichter, sagt Verwaltungsrat Scherbel: "Es besteht für die Gemeinden nur noch eine Beratungspflicht."

Aber bitte mit Wappen-Krawatte

Den Itzgründern ist ihr Wappen heute noch wichtig. Deshalb ist es auch ausdrücklich schriftlich festgelegt, dass örtliche Vereine das Wappen schon nutzen dürfen - aber nur nach Genehmigung durch den Gemeinderat. Werner Köhler war von seinem Wappen Mitte der 80er Jahre derart begeistert, dass das unter seiner Regentschaft errichtete Rathaus zum Fanartikel-Shop wurde. Dieter Scherbel hat aus dieser Zeit noch ein paar weiße T-Shirts im Rathaus versteckt. Die rückt er aber ebenso wenig freiwillig heraus wie die letzten verbliebenen Steingut-Maßkrüge, die bei Sammlern sicher auf großes Interesse stoßen würden. Seit die Itzgründer Verwaltung in den 90er Jahren auf ein durchgängiges Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit Wert legt, ist das Wappen immer mit dabei: im Rathaus gleich an mehreren Stellen, auf jedem Gemeindefahrzeug und auch an Teilen der örtlichen Beschilderung.

Gelebte Wappenpflicht

Selbst für die Gemeinderäte gibt es eine gelebte Wappenpflicht. Bei großen öffentlichen Veranstaltungen sind die politischen Vertreter der Gemeinde dazu angehalten, die Gemeinde-Krawatte (für Männer) oder das Gemeinde-Tuch (für Frauen) zu tragen. Natürlich ist auf beiden das Wappen aufgestickt.

Eine ganz besondere Version schmückt die Oskar-Schramm-Schule

Eine ganz besondere Version des Gemeindewappens gibt es beim Haupteingang der Bodelstadter Oskar-Schramm-Schule zu bestaunen. Dort hängt ein von einer Künstlerin gestaltetes Ton-Relief mit allen Wappen der einst zum Schulverband Itzgrund gehörenden Gemeinden - also Ebensfeld, Großheirath, Bad Staffelstein und dem Itzgrund. Auch da zu erkennen: die scharfen Krallen des Basilisken. Von denen böse Zungen behaupten, sie seien die von Werner Köhler. Wenn das mal keine bleibende Erinnerung an ein Bürgermeister-Unikat ist.

Das Wappen der Gemeinde Itzgrund

Beschreibung Unter von Rot und Silber im Zickzackschnitt geviertem Schildhaupt in Gold ein schwarz gekrönter und bewehrter Basilisk, der seine linke Kralle auf einen von Silber und Rot gevierten Schild stützt.

Hintergründe Im Wappen der Gemeinde Itzgrund sind Teile der Wappen der Freiherren von Lichtenstein (Lahm; 13. bis 19. Jahrhundert), der Benediktinerabtei Banz, der Freiherren Schott zu Schottenstein , des Hochstifts Würzburg und der Freiherren von Rotenhan integriert.

Grundlage Die Tageblatt-Serie der "kleinen Wappenkunde" des Coburger Landes basiert auf einem Buch, das vor über 30 Jahren auf Initiative des Bezirks Oberfranken entstanden ist. Titel: "Die Wappen der oberfränkischen Landkreise, Städte, Märkte und Gemeinden". Herausgeber waren die "Freunde der Plassenburg Kulmbach", die Autoren Klemens Stadler und Albrecht Graf von und zu Egloffstein. Dieses Buch wiederum basiert auf einem im Jahr 1963 erschienenen Werk zur oberfränkischen Kommunalheraldik.bk