Der Rödentaler Fotograf Gerd Heinlein und seine Mitstreiter wollten es genau wissen. Sind die von Starkstromleitungen ausgehenden Strahlungen für Mensch und Tier schädlich? Beeinflussen sie Gesundheit und Wohlbefinden negativ? Wie wirken sich Magnetfelder auf die umgebende Natur aus? Ein ganzer Fragenkomplex, der pauschal nicht zu beantworten ist.
Mit Blick auf die geplante Linienführung der umstrittenen 380-kV-Höchstspannungsleitung durch das Coburger Land inszenierte Gerd Heinlein ein Experiment, das an den Schulunterricht im Fach Physik erinnert. Im Mitwitzer Gemeindeteil Kaltenbrunn - dort, wo zur seit Jahrzehnten betriebenen Bahnstromleitung gleich nach der politischen Wende mehrstöckige Freileitungsmasten der "Stromautobahn" zwischen dem thüringischen Rentendorf und dem fränkischen Umspannwerk Redwitz in die Landschaft gesetzt wurden, entdeckte er ein geeignetes Umfeld.

Zustimmung und Interesse fand der Initiator bei der Kalte nbrunner Familie Gundermann. Spontan hat sie eine abgeerntete Wiese direkt unter der Trasse zur Verfügung gestellt. Die Gundermanns haben ihr Zuhause nur wenige Meter neben den Stromleitungsmasten. Der Helferkreis aus den Reihen einer Bürgerinitiative in Rödental installierte 82 Neonröhren auf Metallstäben im sandigen Boden. "Für sich betrachtet, erinnert die Wiese jetzt an die Inszenierung eines Kunstwerks", kommentiert ein Anlieger. Allerdings mit dem ernsten Hintergrund, fürs Auge nicht wahrnehmbare Magnetfeldstrahlung sichtbar zu machen. "Ob unser Experiment gelingt, ist offen. Es kann eine lange Nacht werden", gestand Gerd Heinlein ein. Im Hinterkopf einen im Vorjahr durchgeführten gleichartigen Versuch. Dabei hatte sich gezeigt, dass der Erfolg auch von der Umgebungstemperatur abhängig ist.

Um 22 Uhr leuchteten die Stäbe

Mit knapp 20 Grad um 21 Uhr konstatierten die Organisatoren gute Voraussetzungen. Allerdings war es um diese Zeit "noch viel zu hell". Eine weitere Stunde musste vergehen, bis sich erste Erfolge zeigten. Die Leuchtstäbe nahmen die von der Freileitung ausgehende Strahlung auf, begannen nacheinander zunächst zu flackern, um kurz darauf ohne Verbindung zur Stromleitung intensiv zu leuchten.
Auch Anette Martin aus Ebersdorf stellte fest: "Das ist keine Protest-, sondern eine Kunstaktion." Sie fühlte sich in ihrer Ablehnung der 380 kV-Leitung bestätigt.