Bei Michael Schulz herrscht nach der Verkündung des erneuten Lockdowns für den Amateursport "tiefe Traurigkeit". "Wir haben in den vergangenen Monaten gute Rahmenbedingungen geschaffen", sagt der Vorsitzende des Coburger Sportverbands im Gespräch mit dem Tageblatt. Dass nun aber trotzdem sowohl der Wettkampf- als auch der Trainingsbetrieb erneut komplett eingestellt werden müssen, bezeichnet Schulz, der auch Vorsitzender des SV Ketschendorf ist, als "herben Rückschlag".

Bitter für Kinder und Jugendliche

Michael Schulz tut es vor allem für die Kinder und Jugendlichen Leid, und verweist in diesem Zusammenhang auf die Erfahrungen nach dem ersten Lockdown im Frühjahr: "Da haben wir gemerkt, wie die Jugendlichen geradezu gelechzt haben nach Bewegung, vor allem aber auch nach Kameradschaft." Denn: "Der Sport hat auch eine gesellschaftliche Bedeutung."

Michael Schulz befürchtet weitreichende Folgen, spricht gar von einem "Todesstoß" für den einen oder anderen Verein. Die finanzielle Situation ("Ein geschlossenes Sportheim kann keine Einnahmen generieren") spiele dabei nur eine untergeordnete Rolle. Noch viel mehr sorgt sich Michael Schulz um das Engagement der ehrenamtlichen Betreuer und Trainer: "Sie sind frustriert!" Ebenso könne er nicht die Folgen abschätzen, wenn jetzt den Kindern und Jugendlichen gesagt werden müsse, dass sie ihr erneut ihr Hobby nicht mehr ausüben dürfen. Schulz beschreibt das Vereinswesen nach dem ersten Lockdown als "zartes Pflänzlein" - und nun werde dem Pflänzlein das Wasser weggenommen.

Verlust an sozialen Kontakten

Michael Haust hat noch am Mittwochabend sein Profilbild auf Facebook geändert - es trägt jetzt den Schriftzug: "Don't cancel my sport!" Doch genau das wird ab kommendem Montag passieren: Der Sport wird gestrichen - und das lässt Haust, der mit seinem Fitness-Studio "Sportshouse" an drei Standorten (Coburg, Rödental, Sonneberg) vertreten ist, verzweifeln. "Wir haben uns doch gerade erst vom ersten Lockdown erholt", sagt er. Frustrierend sei das vor allem deshalb, weil man sich an alle geltenden Corona-Schutzmaßnahmen gehalten habe.

Doch selbst, wenn Michael Haust den langfristigen finanziellen Schaden noch gar nicht abschätzen vermag: Viel mehr schmerzt es ihn, dass viele Menschen jetzt vorerst wieder keinen Sport treiben können. "Wir bieten zum Beispiel auch gezieltes Reha-Training für Menschen an, die einen Schlaganfall oder eine Operation hatten. Denen helfen wir, zurück ins Leben zu kommen." Man werde nun versuchen, so Michael Haust am Donnerstag im Gespräch mit dem Tageblatt, im November diverse Online-Kurse anzubieten. Doch was dabei auf jeden Fall auf der Strecke bleiben werde, seien die Kommunikation und die sozialen Kontakte. "Das tut mir alles in der Seele weh."