In Zeiten der Corona-Krise wird das Internet zwangsweise zum digitalen Asyl der Kulturschaffenden - auch in Coburg. Das gilt nicht nur für das derzeit um seine Aufführungen gebrachte Landestheater, sondern auch für die kleine Studiobühne Theater am Hexenturm.

Weil auch dort bis auf unbestimmte Zeit sämtliche Vorstellungen abgesagt werden mussten, hat Theaterleiterin Peggy Hoffmann seit Ende März ein Angebot von Streaming-Aufführungen eingerichtet.

Täglich ab 17 Uhr geht das Theater am Hexenturm via Facebook-Video live auf Sendung - jeweils für etwa eine halbe Stunde. Musik und Texte, meditative Klavierklänge und szenische Darbietungen im leeren Saal sollen die reale Leere mit künstlerischem Leben füllen.

Schließlich will das kleine Theater auch in diesen ungewissen Zeiten mit seinem Publikum in Kontakt bleiben - wenn auch vorerst nur in virtueller Form.

Viele positive Rückmeldungen

"Wir haben seit dem Welttheatertag täglich Auftritte, meistens mit einem Vorlauf von fünf Tagen", erklärt Peggy Hoffmann, künstlerische Leiterin des Theaters am Hexenturm.

Die Resonanz aus ihrer Sicht ist mannigfaltig: "Eltern mit Kindern, die sich freuen, am Abend ohne Babysitter bei einem Glas Wein zuhause endlich mal das Theater am Hexenturm zu erleben beim Durchklicken der Konzerte. Eltern von Kindern, die zusammen mit ihren Kindern einen Theaterauftritt live erleben und mitbibbern, ältere alleinstehende Menschen, die lieber zuhause bleiben wollen und sich so dazugehörig fühlen."

Weit über Coburg hinaus

Das Interesse reicht inzwischen weit über Coburg hinaus, freut sich Peggy Hoffmann. So gibt es Rückmeldungen von Coburgern, die inzwischen "irgendwo in Kanada oder Namibia wohnen und sich freuen, Coburg so näher zu sein."

Spendenaufruf gestartet

Aus der Not der Corona-Krise hat Peggy Hoffmann mit ihrem Theater am Hexenturm inzwischen ein funktionierendes Online-Kulturmodell geformt. "Gott sei Dank ist die Programmerstellung schon fast ein Selbstläufer, wenn man von der Koordinierung absieht", sagt die Theatermacherin: "Viele tolle regionale Künstlerinnen melden sich bei uns. Wir werden einfach weiter machen, aufgeben ist keine Option. Wir sind mittlerweile ein Team von drei bis vier super engagierten Leuten und teilen uns unsere Kräfte auf und ein."

Die zahlreichen positiven Rückmeldungen beflügeln Peggy Hoffmann für die Zukunft: "Durch den kleinen Stein, den wir in den See hineingeworfen haben, haben sich viele, viele Ringe gebildet. So lerne ich wöchentlich einen mir bislang nicht bekannten Künstler kennen oder habe wieder Kontakt mit lieben alten Kolleginnen, die ich von früher her aus meiner alten Theaterzeit in Bamberg kenne."

In den Veränderungen im Zuge der Corona-Krise mit ihren gravierenden Auswirkungen auf das kulturelle Leben auch in Coburg erkennt Peggy Hoffmann auch positive Aspekte: "Die Werte verschieben sich, wir rücken alle enger, näher zusammen und erkennen in der Vielfalt unserer Angebote den Mehrwert für alle Menschen hier in Coburg, im Landkreis und in Franken.

Aus der gemeinsamen Arbeit sei "Neues, Schönes entstanden".

Mehrere Optionen für die Zukunft

Für die Zeit nach der Lockerung der Corona-Beschränkungen hat Peggy Hoffmann mehrere denkbare Optionen im Blick: "Bei Begrenzung der Besucher ist ein rotierendes Kombi-Angebot mit dem Salon Ignaz plus einem Draußen-Angebot angedacht (jeweils 20 Minuten)."

Bei einer Öffnung ohne Begrenzung sollen die aktuell abgesagten Auftritte sofort nachgeholt werden: "Die Künstler stehen dazu in den Startlöchern".

Alternativ könnte das Online-Angebot umgearbeitet werden in ein kostenpflichtiges Download-Angebot über die Webseite. Zur Deckung der Kosten hat das Theater am Hexenturm inzwischen einen großen Spendenaufruf gestartet, erläutert Peggy Hoffmann: "Die bisherigen Einnahmen decken grad die Kosten für Miete, allerdings nicht für technische Anschaffungen geschweige denn Zeitaufwand oder Honorar für die Künstler."jb

Rund um den Coburger Hexenturm und sein Theater

Erbaut wurde der Hexenturm zwischen 1150 und 1200. Im frühen 17. Jahrhundert wurde der Hexenturm wahrscheinlich um das zweite Geschoss und dritte Geschoss aufgestockt. Das oberste Stockwerk wurde 1781/82 abgetragen und erneuert. Gleichzeitig erfolgten diverse Umbauten im Inneren. Im 20. Jahrhundert fand der Kunstverein ab 1901 sein Domizil am Hexenturm, im Jahr 1937 die Handwerkskammer.

Studiobühne Zur Studiobühne wurde das Gebäude am Hexenturm in der Zeit von 1976 bis 1986, bevor das Landestheater in der umgebauten Reithalle seine dauerhafte zweite Spielstätte eröffnete. 1988 schließlich fand der Verein Stadtbild Coburg sein Domizil am Hexenturm. Heute erinnert eine Gedenktafel am Turm an die Coburger Hexenverfolgung im 16. und 17. Jahrhundert. Auftritte Das Coburger Theater am Hexenturm ist derzeit geschlossen - und trotzdem täglich geöffnet: zumindest online. Denn täglich gibt es Kulturhappen auf der Homepage www.theater-am-hexenturm.de zu erleben. Bei Gefallen freut sich das Theater über eine Unterstützung (paypal.me/theateramhexenturm).

Ausblick Sobald das Theater am Hexenturm wieder geöffnet haben darf, werden Kleinkunst-Mix-Abende mit regionalen Künstlerinnen und Künstlern angeboten. Dafür können bereits jetzt Gutscheine bei der Buchhandlung Riemann in Coburg erworben werden (Infos online: www.theater-am-hexenturm.de).red