Endlich. Die Entscheidung über die Nachfolge von Roland Kluttig ist gefallen. Daniel Carter wird ab Februar 2021 zunächst bis Ende der Saison 2023/2024 neuer Generalmusikdirektor am Landestheater Coburg. Bei der offiziellen Vorstellung wirkt Coburgs Intendant Bernhard F. Loges sichtlich erfreut und erleichtert.

Verständlich, schließlich liegt hinter allen Beteiligten ein ebenso langwieriges wie sorgfältiges Auswahlverfahren - sowie anschließend ebenfalls langwierige Gespräche mit der Deutschen Oper Berlin. Denn dort ist der 30-jährige Carter seit Beginn dieser Spielzeit Kapellmeister und ein offenkundig derart gefragter Jung-Maestro, dass Berlin ihn nicht einfach aus seinem laufenden Vertrag entlassen wollte.

An der Deutschen Oper bleibt Carter noch eingebunden in die Einstudierung des neuen "Ring"-Zyklus von Donald Runnicles, die mit der "Rheingold"-Premiere im Juni beginnt. Passend dazu wird Carters erste Coburger Premiere "Die Walküre" im März 2021 sein, wie Intendant Loges verriet.

"Das Coburger Orchester ist in einem sehr guten Zustand. In den letzten zehn Jahren hat Roland Kluttig tolle Arbeit geleistet", lobte der künftige Generalmusikdirektor die Arbeit seines noch bis Spielzeitende amtierenden Vorgängers am Landestheater. Carter zeigte sich zudem sehr angetan vom Leistungswillen und dem künstlerischen Anspruch des Orchesters: "Ich hoffe, dass ich diese Qualität halten und zugleich eigene Akzente setzen kann."

Wunschkandidat des Orchesters

Roland Kluttig habe in Coburg sehr interessante Formate entwickelt, die er beibehalten wolle, erklärte Carter. Zugleich wolle er Erfahrungen mit Education-Programmen, die er in Australien sammeln konnte, nach Coburg mitbringen.

Beeindruckt zeigte sich Intendant Loges von der fast einhelligen Zustimmung, die Carter vom Orchester erhalten habe. Bei einer internen Abstimmung hatten 92 Prozent der Orchestermusiker für Carter votiert. "Ich freue mich, dass Daniel Carter der gemeinsame Wunschkandidat von Orchester und Theaterleitung ist", konstatierte der Intendant. "Ich merke, dass wir auf einer Wellenlänge sind - in der Oper und im Konzert."

Die Übergangsphase zwischen dem Abschied Roland Kluttigs Richtung Graz in diesem Sommer und Daniel Carters Amtsantritt zum 1. Februar 2021 sieht Loges nicht als Problem.

Für diese Übergangsphase übernimmt Coburgs Erster Kapellmeister Johannes Braun die Verantwortung für die künstlerische Kontinuität. Vor seinem offiziellen Dienstantritt am Landestheater wird Carter zudem am 6. Januar 2021 erstmals das traditionelle Neujahrskonzert im Kongresshaus dirigieren.

Starkes Signal für Coburg

Für seine Aufgabe in Coburg hat Carter klare Vorstellungen. Er möchte das stilistisch bereits jetzt weite Spektrum des Orchesters vom Barock bis zur unmittelbaren Gegenwart pflegen und ausbauen.

Deshalb kündigte Carter schon bei seiner offiziellen Vorstellung an, regelmäßig Gastdirigenten nach Coburg holen zu wollen.

Für die künstlerische Gesundheit des Orchesters sei es wichtig, regelmäßig neue Impulse zu erhalten. Loges zeigte sich beeindruckt von Carters Ansatz, das Orchester durch interessante Gast-Dirigenten fördern zu wollen. Das sei "absolut uneitel", lobte Loges. Carter werde in seiner ersten Spielzeit zwei Premieren und in den folgenden Spielzeiten jeweils drei Premieren übernehmen.

Für Coburgs aus dem Amt scheidenden Oberbürgermeister Norbert Tessmer ist die Verpflichtung Carters ein starkes Signal für den Stellenwert des Theaterstandortes Coburg weit über die Region hinaus.

Rund um die GMD-Suche am Landestheater Coburg

Ausgangspunkt Im Dezember 2018 wurde bekannt, das Coburgs amtierender Generalmusikdirektor Roland Kluttig das Landestheater zum Ende der Saison 2019/2020 verlassen wird, um musikalischer Chef der Oper Graz zu werden. Auswahlprozess Nach sorgfältiger Vorauswahl wurden acht Kandidaten zwischen Juni und Juli zu einer 50-minütigen Probe mit dem Orchester eingeladen. In die engere Wahl kamen zunächst diese drei Kandidaten: Johannes Klumpp, Moritz Gnann und Harish Shankar. Nachdem Johannes Klumpp Ende September aus privaten Gründen seine Kandidatur zurückgezogen hatte, wurde kurzfristig Daniel Carter zu den öffentlichen Probedirigaten in der Oper ("Carmen") und auf dem Konzertpodium eingeladen. Zwischen Mitte Oktober und Mitte Dezember stellten sich Shankar, Carter und Gnann öffentlich vor. Orchester-Votum Einbezogen in den Findungs-Prozess war schon zu einem frühen Stadium das Philharmonische Orchester. Im Anschluss an die Probe-Dirigate übermittelte der Orchestervorstand dem Intendanten das Votum des Orchesters. Daniel Carter ist seit der Spielzeit 2019/2020 Kapellmeister an der Deutschen Oper Berlin und dirigiert dort zahlreiche Vorstellungen, darunter "Die Zauberflöte", "Les contes d'Hoffmann" und "Il Barbiere di Siviglia".

Von der Spielzeit 2015/2016 bis 2018/2019 war der australische Dirigent Erster Kapellmeister am Theater Freiburg, wo er ein breites Repertoire von Opern - darunter mehrere Uraufführungen - und Konzerten dirigierte. Von 2013 bis 2015 war Daniel Carter, der Komposition und Klavier an der University of Melbourne studierte und 2012 mit dem "Brian Stacey Award", einem Preis für australische Nachwuchsdirigenten, ausgezeichnet wurde, an der Hamburgischen Staatsoper engagiert, zuerst als Korrepetitor und dann als Dirigent und Musikalischer Assistent der Generalmusikdirektorin Simone Young. Anforderungen Ein ausgeprägtes Engagement im Bereich der Musikvermittlung sowie die Fortführung und Weiterentwicklung der Neuen Musik sowie attraktiver Konzertformate und -inhalte werden erwartet. "Gesucht wird eine profilierte Persönlichkeit, die über weitreichende Erfahrungen im Konzertbereich und Musiktheater verfügt. Dabei sind soziale Kompetenzen wie Verhandlungs- und Vermittlungsgeschick, Informations- und Kommunikationsstärke und Integrationskraft von Bedeutung." (aus dem Ausschreibungstext zur Coburger GMD-Suche)