Vegane Würste, wie jüngt von Peta statt Schlachtfest für einen Verein im Landkreis empfohlen, blieben den Teilnehmern an der politischen Schlachtschüssel des Coburger Bauernverbands erspart. Und auch die Diskussionskultur artete am Montag in den Zeickhorner Stuben nicht zu seinem Schlachtfest aus. Im Gegenteil, als neuer Kreisobmann schlug Martin Flohrschütz zunächst recht versöhnliche Töne an, wenn es um die sonst gern gescholtene EU geht. "Wir Landwirte sind die, die die EU am meisten brauchen", bekannte er sich klar zur Gemeinschaft.
Das ewige Schimpfen und ständige Schuldzuweisungen an die EU hätten seiner Meinung nach erheblich zum Ergebnis der Brexit-Abstimmung in Großbritannien geführt. Er forderte aber auch ein klares Bekenntnis der Politik zu einer intensiven Landwirtschaft - wobei er die ökologische Bewirtschaftung ausdrücklich mit einbezieht.
Ein Bekenntnis, das CSU-Bundestagsabgeordneter Hans Michelbach gern abgibt. Man dürfe Bauern nicht pauschal unterstellen, Tierschutz zu vernachlässigen und Flüsse und Äcker zu vergiften, sagte er mit Blick auf die "Bauernregelcampagne" von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD). Mit Sprüchen wie: "Wenn alles bleibt so wie es ist, kräht bald kein Hahn mehr auf dem Mist", hatte Hendricks ein Umdenken in der Landwirtschaft gefordert. Michelbach konterte rosenmontagsgerecht: "Die Hendricks stellt unsere Bauern in ein schlechtes Licht, sie kennt die Bauern und die Wirklichkeit nicht!" Einen Tusch gab es am Montag dafür mangels Kapelle nicht.
Zuvor hatte der Abgeordnete seine Redezeit genutzt, um daran zu erinnern, dass er sich stets für einen Erlass der Erbschaftssteuer für Bauernhöfe eingesetzt hat, bei der Düngeverordnung zumindest Lockerungen für kleine Betriebe (bis 15 Hektar) mit erreicht hat und sich für einen Bestandsschutz für neue Stallbauten einsetzt, damit diese nicht nach kurzer Zeit schon wieder mit neuen Auflagen belegt werden.
Zuspruch für die Landwirte auch von Landrat Michael Busch (SPD): "Ich stehe zu meinen Bauern im Coburger Land", betonte er. Die hohe Lebensmittelsicherheit, die regionale Landwirtschaft biete, werde in der Öffentlichkeit seiner Meinung nach nicht richtig erkannt. Er bat um Verständnis dafür, dass das Amt gezwungen sei, Gesetze durchzusetzen "die andere gemacht haben". Er forderte ein Umdenken der "großen Politik" hin zu differenzierteren Bestimmungen. Viele Auflagen - etwa für die Fleischverarbeitung - würden für Industriebetriebe gemacht. Weil sie aber auch für einen kleinen Handwerksmetzger angewendet werden müssen, könne das Manchen zum Aufgeben zwingen.
Bauchschmerzen bereitet den Landwirten die Wasserrahmenrichtlinie der EU und ihre Umsetzung. Da hilft es wenig, dass Deutschland zum Handeln gezwungen werde, wie Hans Michelbach betonte, weil die EU wegen zu hoher Nitratwerte in Grund- und Oberflächenwasser ein Strafverfahren angedroht hatte, das mit einer Zahlung von einer Million Euro am Tag bewehrt war. Wolfgang Schultheiß, stellvertretender Kreisobmann, schilderte die Auswirkungen für den Itzgrund.


Probleme befürchtet

Das Wasserwirtschaftsamt werde dort künftig mehr Gehölze an den Ufern zulassen, sogar von Auwäldern sei die Rede, die dort entstehen sollen. Das geschehe zwar auf Flächen, die das Amt längst gekauft hat. Doch die Landwirtschaft sei direkt betroffen, weil diese Wiesen bisher in Pacht ja bewirtschaftet werden. Außerdem fürchtet er eine Vernässung der Wiesen, die zum großen Teil als FFH-Gebiet mit einem Verschlechterungsverbot belegt sind. Totholz, das bei Überschwemmungen in die Wiesen gespült wird, sei ein weiteres Problem. Das zwinge die Bauern zu teurer Wiesenreinigung nach jedem Hochwasser.
Vieles werde von den Landwirten bereits jetzt freiwillig für den Naturschutz getan, sagte Landwirtschaftsdirektor Hans Vetter, Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Coburg (AELF). Ließ Umweltministerin Hendricks noch dichten: "Strotzt der Boden vor Nitraten, kann das Wasser arg missraten!", bricht Vetter hier eine Lanze für die Landwirte. Neuere Untersuchung könnten demnach keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Viehhaltung und Nitratbelastung in einer Region nachweisen. Eine größere Rolle als angenommen spielen dabei offenbar die Niederschläge.
Was die Tierhaltung und die damit verbundenen Vorschriften angeht, gaben die Landwirte Hans Michelbach so einiges mit auf den Weg nach Berlin. Spielzeug für Schweine, um der Tierwohlvorschrift gerecht zu werden, koste einen mittleren Betrieb 1000 Euro im Jahr. Doch ein Jahr später ändert sich die Vorschrift und es muss neues Spielzeug angeschafft werden. Ohrmarken, so Jürgen Heymann, seien in der heutigen Form nicht mehr zeitgemäß. Verliert ein Tier seine Marke, muss diese sofort ersetzt werden, sonst drohen bei einer Kontrolle hohe Strafen. Hier wünscht er sich eine Lockerung. Außerdem seien in Zeiten von Melkrobotern und Transponder-Fütterung Kühe meist mit digitalen Erkennungsgeräten ausgestattet. Hier sollte die EU nachziehen.
Schließlich wurde noch der übertriebene bürokratische Aufwand für die Beantragung von Agrardiesel kritisiert, ehe die ganz traditionelle, garantiert unvegane Schlachtschüssel aufgetragen wurde.