Die Geschichte der Coburger Sommeroperette endet knapp 26 Jahre nach der Gründung mit einem dreifachen Schuldspruch vor dem Amtsgericht Hof. Wegen jeweils 29 Fällen des Betruges wurden die Vorsitzende, die Kassiererin und der stellvertretende Vorsitzende des Vereins zu Geldstrafen verurteilt.

Geldstrafen verhängt

Die Vorsitzende und die Kassiererin wurden mit einer Gesamtgeldstrafe von jeweils 270 Tagessätzen belegt, das Strafmaß für den stellvertretenden Vorsitzenden lautet auf 220 Tagessätze, wie Hubert Pürner als Pressesprecher des Amtsgerichts auf Nachfrage erklärte. Bei dem Verfahren stand eine Schadenssumme von rund 70000 Euro im Raum.

Der Prozess hatte im Vorfeld in der Region großes Interesse gefunden. Schließlich hatte sich die finanzielle Misere der Coburger Sommeroperette schon seit Jahren abgezeichnet.

Umzug nach Bad Staffelstein

Nach mehreren personellen Wechseln in der musikalischen Leitung läutete der Umzug nach Ende der Saison 2017 von Heldritt nach Bad Staffelstein das Finale der Coburger Sommeroperette ein. Der Versuch, unter dem Etikett Seefestspiele im Kurpark einen erfolgreichen Neustart zu wagen, schlug letztlich fehl.

Das Urteil gegen die Macher der Coburger Sommeroperette ist noch nicht rechtskräftig. Eine Woche Zeit bleibt nach der Verkündung, um Rechtsmittel einzulegen und eine Berufsverhandlung oder eine Revision anzustreben.

Neuer Verein 2018

Übrigens: Während die Geschichte der Coburger Sommeroperette mit diesem Urteilsspruch ihr juristisches Finale findet, lebt der Name Sommeroperette in der Region Coburg dennoch weiter - freilich in Gestalt der Sommeroperette Heldritt. Sie richtet ihre Veranstaltungen wieder auf der Waldbühne Heldritt aus und wird getragen von dem im Jahr 2018 neu gegründeten Verein Coburger Operetten-Freunde.

Von Heldritt nach Bad Staffelstein - die Geschichte des Vereins Coburger Sommeroperette

Anfänge Gegründet wurde die Coburger Sommeroperette im April 1994. Vorsitzender seit der Gründung war der Sänger Klaus Lapins. Jährlich präsentierte der Verein im August mindestens eine Inszenierung auf der Waldbühne, meist ergänzt durch ein Rahmenprogramm. 2006 gab es sogar - zum 250. Geburtstag Wolfgang Amadeus Mozarts - mit der "Zauberflöte" erstmals eine Operninszenierung. Im Frühjahr 2007 verstarb der langjährige Vorsitzende Klaus Lapins, die geplante Saison mit der Neuinszenierung von Carl Zellers "Vogelhändler" fand gleichwohl statt.

Herbst 2007 Neuwahl des Vorstands - die musikalische Leitung blieb weiterhin in den Händen von Kapellmeister Reinhard Schmidt, der seit 1994 am Dirigentenpult stand. In der ersten Saison unter neuer Leitung verbuchte die Sommeroperette mit 82 Prozent Platzauslastung bei Emmerich Kálmáns "Gräfin Mariza" einen erfolgreichen Neustart.

Finanzen Trotz des Erfolgs beim Publikum hatte die Coburger Sommeroperette immer wieder Finanzengpässen zu kämpfen - zum Teil auch deshalb, weil aus den Jahren vor 2008 noch offene Zahlungen zu begleichen waren.

Profil Künstlerisch versuchte sich der Verein mit anspruchsvollen Produktionen auf der Waldbühne Heldritt auch überregional zu profilieren. Dazu trug auch der Regisseur Horst Zander bei, der mehrere Jahre lang die Inszenierungen verantwortete - von der Strauß-Operette "Wiener Blut" bis hin zu Ausflügen in Musicalgefilde mit Frederick Loewes "My Fair Lady".

Weitere Entwicklung Eingebunden in den HUK-Coburg Open-Air-Sommer erhielt die Sommeroperette auch einen einmaligen Zuschuss des Kulturfonds Bayern (50000 Euro). Trotz oftmals guter bis sehr guter Besucherzahlen geriet der Verein auch durch den finanziellen Aufwand der künstlerisch ambitionierten Inszenierungen und ihrer Bühnenbilder zusehends in finanzielle Schieflage. Die letzte Produktion der Coburger Sommeroperette auf der Waldbühne Heldritt im August 2017 war dann schon ein Gastspiel: "Blues Brothers in Prison" in Zusammenarbeit mit den Burgfestspielen Alzenau.

Abschied Ende November 2017 hieß es dann: "Sommeroperette verlässt Coburg". Nach 25 Spielzeiten auf der Waldbühne verkündete der Verein den Umzug nach Bad Staffelstein. Auf der Bühne im Kurpark feierte "Die Fledermaus" Ende Juli 2018 Premiere. Die künstlerisch durchaus gelungene Inszenierung war finanziell bei teilweise widrigen Witterungsbedingungen ein Misserfolg und besiegelte das Ende der Geschichte der Coburger Sommeroperette. Im Vorfeld war dem Verein für die erste Spielzeit unter dem Etikett "Seefestspiele" vom Bayerischen Kulturfonds ein Zuschuss in Höhe von 80000 Euro in Aussicht gestellt worden. Letztlich war dieses Geld dann doch nicht geflossen.

Finale Ende Februar 2019 kam das fast schon befürchtete unwiderrufliche Ende. "Die Sommeroperette ist pleite", titelte unsere Zeitung im Nachgang der Entscheidung des Coburger Amtsgerichts. Das angestrebte Insolvenzverfahren wurde mangels Masse abgelehnt. Bei der Staatsanwaltschaft Coburg lagen schon zu diesem Zeitpunkt mehrere Anzeigen vor.