Halbzeit für den Präsidenten. Zeit für einen Ausblick. Michael Pötzl schaut nach vorn. Dahin, wo die Hochschule für angewandte Wissenschaften hin will: in die Köpfe der Coburger, verwurzelt in der Region, anerkannt im Land und international sichtbar.

Studierende sollen sich Coburg ganz bewusst als Studienort aussuchen und am liebsten hier sesshaft werden. Professoren sollen den Weg in die Wissenschaftsstadt Coburg suchen und mit Begeisterung immer mehr Doktoranten ausbilden. Am Band der Wissenschaft soll geforscht und gewohnt, gelebt und gearbeitet werden - Hand in Hand mit der Wirtschaft und mit der Stadt. Zur "Chefsache" muss das werden. Sagt Pötzl.
Der Hochschulentwicklungsplan 2020 (HEPCo) hat viel Zeit gekostet - mehr als gedacht - und wird Ende des Jahres aufgestellt sein. Schon heute weiß Michael Pötzl, dass seine zweite Amtszeit von Investionen und vom Wandel der Hochschulen geprägt sein wird. Bis 2020 werden auf dem Campus Friedrich- Streib-Straße zwischen zehn und zwölf Millionen Euro jährlich verbaut. Die Investitionen am Campus Design eingeschlossen, sind seit 2009 insgesamt 110 Millionen Euro nach Coburg geflossen.

Das Instituts für Hochschulforschung in Bayern untersucht den Effekt, den Hochschulen auf ihre Region haben. Das Zwischenfazit gibt Pötzl Recht: Die Hochschule spielt eine große Rolle für die demografische Entwicklung, im Hinblick auf den Fachkräftemangel und die Attraktivität der Stadt. Wenn das Studienangebot passt, dann kommen die jungen Menschen auch. Das weiß Pötzl - ungeachtet dessen, dass es viele in die Großstadt zieht, spielt die Finanzierbarkeit und die Überschaubarkeit eine wesentliche Rolle.

"Mit dem Coburger Weg (siehe Infokasten), den integrativen und interdisziplinären Studiengängen im Bereich Produktdesign und Gesundheitsförderung stemmen wir eine Herkulesaufgabe", sagt der Präsident. Doch die Investition von 7,3 Millionen Euro, mit der das Projekt gefördert wird, lohnt sich. "Wir werden beäugt und finden bundesweit Beachtung für unseren Weitblick!" Coburger Absolventen werden sich von anderen unterscheiden, ist Pötzl überzeugt. Er sagt: "Unsere Studierenden bekommen schon in den Genen mit, was andere sich im berufsleben mühevoll aneignen müssen."

Eine Idee, die im neuen Hochschulentwicklungsplan 2020 verankert sein wird, sind unterschiedliche Studiengeschwindigkeiten. Nach den Vorstellungen Pötzls soll "eine dreispurige Straße geschaffen werden, auf der keiner der Studierenden abbiegt": Es soll Zeitmodelle für Hochbegabte genauso geben wie für Studenten mit gewissen Defiziten oder den Normstudenten, wie es heißt. Individuelle Förderung ist eines der Ziele. Die Zeiten sind vorbei, in denen nur junge Abiturienten zum Studieren kamen, mittlerweile sind es auch die Mechatroniker, die schon eine Familie haben.

Erfolg mit dem "Coburger Weg"

Projekt Was verbirgt sich hinter dem "Coburger Weg", der an der Hochschule propagiert wird. Hier ein Überblick:
• Verbesserung der Studienbedingungen durch eine zielgerichtete Betreuung und individuelle Förderung
• Gewährleisten einer fundierten fachlichen Ausbildung, die sich an den Anforderungen der Praxis orientiert
• Vermittlung der Fähigkeit zur fachübergreifenden Zusammenarbeit, Verantwortungs- und Handlungsbewusstsein sowie Kompetenzen im Erkennen von gesellschaftlichen Zusammenhängen,
• Unterstützung der Persönlichkeitsentwicklung der Studierenden

Entwicklung Seit 2000 stieg die Zahl der Studierenden an der Coburger Hochschule von 2300 auf 4800. Gab es damals noch acht Studiengänge sind es heute 32. Drittmittel aus Förderprogrammen sind von Null auf fünf Millionen Euro gewachsen. Das entspricht mittlerweile fünf Prozent vom Hochschuletat. Auch 32 kooperiende Doktoranten kann die Hochschule vermelden. Im Rahmen des neuen Hochschulgesetzes soll es möglich werden, an der Hochschule zu promovieren - ohne mit den Universitäten kooperieren zu müssen. Von 2009 bis 2020 werden insgesamt 110 Millionen Euro an beiden Standorten verbaut worden sein.