Auch Schafe müssen sich die Haare schneiden lassen. In der alten Schäferei bei Ahorn können Besucher dies hautnah miterleben.
AhornEs ist viel los um die alte Schäferei: Auf der Wiese vor dem Hauptgebäude sammeln sich die Menschen und warten gespannt auf den Beginn der ersten öffentlichen Schafschur.
Nach einer kurzen Einführung in die Geschichte der alten Schäferei ist es auch schon Zeit für den Besuch der Herde. Viele Schafe und eine Ziege werden von ihrem Besitzer Torsten Wolf aus reiner Leidenschaft gehalten, denn sie sind wirtschaftlich nicht rentabel. "Wenn man am Ende auf eine schwarze Null kommt, ist das in Ordnung", sagt Wolf.
Die weiblichen Schafe werden entweder für möglichen Nachwuchs behalten oder verkauft, die männlichen werden ab einem gewissen Alter wegen des Fleisches geschlachtet.
Es handelt sich um die sogenannten Coburger Fuchsschafe, die laut der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) bereits im 19. Jahrhundert die europäischen Mittelgebirge besiedelten und selbst zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch recht häufig anzutreffen waren. Heute sind sie zu einer Seltenheit geworden. In der Ahorner Schäferei an sich wurden früher allerdings nie Fuchsschafe gehalten, da die Wolle anderer Rassen qualitativ hochwertiger ist. Die Tiere aus dieser Herde sind alle zwischen ungefähr drei Monaten und acht Jahren alt und obwohl es sich ganz um Coburger Fuchsschafe handelt, ist die Wolle einiger Tiere zu hell oder zu dunkel für diese Rasse. Coburger Fuchsschafe sollten ungefähr zwischen 60 und 105 Kilogramm wiegen.
Die Hufschmiedin Barbara Steinert ist ebenfalls an der alten Schäferei angekommen. Normalerweise kümmert sie sich nur um die Hufe von Pferden, hat aber auch schon einige Erfahrung mit Schafen und Ziegen. Sie wird die Klauen der Tiere schneiden, damit sie nicht zu lang werden und einwachsen.
Nachdem der Besitzer ein Tier fest im Griff hat beginnt sie zuerst ihre Arbeit mit Kneifzange, Klauenmesser und Pflegespray. Auch wenn die Schafe nicht immer wollen, wird die Arbeit schnell und effizient hinter sich gebracht.
Während Barbara Steinert arbeitet, findet sich der Scherer Uwe Kirsch ein und beginnt, seine Werkzeuge aufzubauen. Während des Scherens muss das Schaf gut festgehalten werden, sonst könnte es treten oder entkommen. Mit der Schafschermaschine wird das Schaf seiner Wolle entledigt. Der Scherer beginnt am Nacken des Schafes und arbeitet sich über den gesamten Körper hinweg. Das Scheren eines Tieres kann vier bis acht Minuten lang dauern.
Die Umweltorganisation PETA meint, dass das Scheren von Schafen Tierquälerei ist. Andere Gruppierungen stimmen allerdings nicht zu. Ihrer Meinung nach ist das Abnehmen der Wolle wichtig, damit die Tiere im Sommer nicht überhitzen.
Am Ende sticht ein geschorenes Schaf in einer noch ungeschorenen Herde hervor wie ein bunter Hund.