Unter dem Namen "Coburg ist bunt" gibt es seit vielen Jahren ein Netzwerk, das sich für ein demokratisches und friedliches Miteinander einsetzt. Als Reaktion auf die jüngsten "Spaziergänge" von Gegnern der Corona-Maßnahmen hat das Netzwerk jetzt eine "Coburger Erklärung" verfasst.

Die "Coburger Erklärung" soll am Samstag, 29.Januar, um 11.30 Uhr auf dem Coburger Marktplatz von Vertretern aus Politik und Gesellschaft unterzeichnet werden. Anschließend soll sie auch auf fünf Info-Säulen in der Stadt und im Landkreis veröffentlicht werden.

Im Internet (www.coburg-ist-bunt.de) hat außerdem jeder Bürger die Möglichkeit, die Erklärung zu unterschreiben und auf diese Weise seine/ihre Unterstützung auszudrücken. Auf den Info-Säulen sind außerdem Freiflächen, auf denen mit Kommentaren Zustimmung oder Kritik geäußert werden kann.

Die Coburger Erklärung hat folgenden Wortlaut:

"Die dramatischen Folgen der Covid-19-Pandemie beeinflussen das Leben aller Menschen nachhaltig. Fast 120000 Menschen sind seit Ausbruch der Pandemie in Deutschland gestorben; unzählige sind von den Folgen einer Erkrankung direkt oder indirekt betroffen. Aber auch nicht Erkrankte, Schüler*innen und Kinder sowie weitere Bevölkerungsschichten, die auf soziale Kontakte verzichten müssen, Unternehmen und Selbstständige litten und leiden unter den Folgen der Corona-Pandemie. Die meisten Bürger*innen tragen aktiv zur Bekämpfung der Pandemie bei und halten die Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie für angemessen oder fordern gar deren Verschärfungen. Die größte Bewegung dieser Tage ist die Impfbewegung. Das ist ein sehr positives Zeichen, denn die Impfung ist nachweichlich das wirksamste Mittel, das wir dem Virus entgegensetzen können.

Uns allen fallen die Maßnahmen gegen die Pandemie schwer. Wir haben Verständnis für die Kritik an einzelnen Corona-Maßnahmen und Einschränkungen des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Wir sind froh, dass unsere Demokratie alle Voraussetzungen bietet, diesen Diskurs zu führen. Die friedliche Meinungsäußerung und Auseinandersetzung ist ein wichtiges Merkmal unserer lebendigen Demokratie. Seit Ende Dezember 2021 beunruhigen uns Demonstrationen, die mit der verniedlichenden Deklaration ,Spaziergang‘ in vielen Städten und Gemeinden stattfinden - auch im Coburger Land. Dabei wird das Versammlungsrecht bewusst umgangen und mit Füßen getreten: Die Teilnehmer*innen halten sich bewusst nicht an Regeln und Gesetze, die unsere Demokratie ausmachen. Sie gefährden sich und Andere und zeigen eine zunehmende Gewaltbereitschaft. Zudem werden fast jeden Tag Drohungen gegen Politiker*innen, Journalisten*innen, Polizist*innen und Vertreter*innen der Zivilgesellschaft öffentlich - neuerdings auch hier in Oberfranken. Das verurteilen wir.

Wir appellieren mit Nachdruck an alle Demokrat*innen, nicht mit sogenannten Reichsbürger*innen, Holocaustleugner*innen, Verschwörungsanhänger*innen, Antisemit*innen und Neo-Nazis auf die Straße zu gehen, sondern sich deutlich von diesen zu distanzieren! Keine Sorgen, keine Kritik, keine Empörung und auch keine Enttäuschung rechtfertigen den Schulterschluss mit den Feinden unserer Demokratie. Wir danken allen, die zu einer aktiven Bekämpfung der Pandemie in den unterschiedlichsten Bereichen beitragen. Mehr denn je sind gegenseitige Solidarität, Gemeinschaftssinn und Zusammenhalt gefordert!"