Es hat mit einem Missgeschick beim Fahrradfahren begonnen: Michael Sowinski, Produktdesign-Student an der Hochschule Coburg, brach sich den kleinen Finger der rechten Hand, musste zum Arzt gehen und bekam nach der Operation, wie er sagt, einen völlig überdimensionierten Verband, der die ganze Hand umschloss.
"Ich sitze studiumsbedingt viel am Computer, da hat mich der Verband gestört. Außerdem konnte ich nicht mehr in der Werkstatt arbeiten", erzählt der Student.

Doch das Entwerfen, Gestalten und Modelleherstellen gehört zu seinem täglich Brot und so machte er sich daran, über eine Schiene für seinen Finger nachzudenken. "Ich habe mir überlegt, was sie können muss und welche minimalsten Anforderungen sie erfüllen sollte." Schließlich entwickelte er eine kleine Stütze, die genau über seinen kleinen Finger passte und entschied sich für das Material ABS-Kunststoff.
An Stellen, an denen eine Stabilisierung des Fingers nicht notwendig ist, blieb die Schiene offen.

Umsetzung dank 3D-Drucker

Am Computer erstellte er den Entwurf und druckte das Ganze mit Hilfe eines 3D-Druckers in einem Stück aus. Fertig. "Durch den Kunststoff und die Öffnungen war die Schiene viel luftiger und hygienischer als herkömmliche Verbände. Und die restliche Hand wurde nicht eingeschränkt", erzählt Michael Sowinski. Seine Ärzte seien begeistert gewesen, weil das kleine Ding alle Anforderungen an eine stabilisierende Schiene erfüllt hat.

Auch Peter Raab, Professor an der Fakultät Design, ist zufrieden mit dem Ergebnis. In seinem Coburger Designlab hat der Student die individuelle Stütze entwickelt und hergestellt. "Das ist eine wunderbare Gelegenheit, von der Lehre den Weg in die Praxis zu gehen", sagt der Professor. Und wie geht es nun weiter mit der Erfindung? Weil sie individuell an den Finger angepasst wurde, ist eine serienmäßige Herstellung nicht möglich. Und das Einzelstück sei einfach auch zu teuer, sagt Michael Sowinski. Eine Nutzung im medizinischen Alltag sei ist momentan aber noch zu aufwendig und dadurch recht kostenintensiv.

"Es müssen ein 3D-Scanner, ein 3D-Drucker und die entsprechenden Programme vorhanden sein, dazu kommt die Arbeitszeit. Das ist noch unrentabel." In Zukunft könnten individuelle Lösungen aber sicherlich bei der Behandlung von Verletzungen helfen können - dank moderner Technik, ist Michael Sowinski überzeugt.