Schlimme Zeiten für Kabarettisten. Die Wirklichkeit läuft Amok, übertrumpft (oder über-trumpt) scheinbar mühelos jeden Versuch, Pointen möglichst effektvoll zu drechseln. Oder sind die Zeiten vielleicht doch nicht schlimm, sondern im Gegenteil golden für Kabarettisten, weil sie die paradoxe Wirklichkeit nur noch ein ganz kleines Stück übertreiben und zur Pointe verdichten müssen?


Das fränkische Kabarettisten-Trio "TBC" jedenfalls zeigt sich in seinem neuen Programm "Aller Unfug ist schwer" regelrecht beflügelt vom alltäglichen Irrsinn in der analogen wie in der digitalen Welt. You Tube-Begeisterung mit ihren grotesken Auswüchsen oder der gerne beklagte gesellschaftspolitische Werteverlust - vieles passt hinein in diesen Premieren-Abend im bestens besuchten Coburger Kongresshaus. Georg Koeniger, Michael A. Tomis und Florian Hoffmann verwandeln die Absurditäten der Herren Politiker in eine pointenreiche Show, die stets mit vollem Körpereinsatz präsentiert wird.


Stets am Puls der Zeit

Mit "Aller Unfug ist schwer" ist das Kabarettisten-Trio thematisch stets am Puls der Zeit. Der Auftritt von Michael A. Tomis als Möchte-gern-Bürgermeister von Strunzleinshausen samt seinem aalglatten und skrupellos die Wahrheit manipulierenden Wahlkampfmanager verlegt den Größenwahn eines Donald Trumpf ganz einfach in die fränkische Provinz von Strunzleinshausen: "Make Strunzleinshausen great again!"


Keine Angst vor Kalauern


Geht's noch grotesker? Es geht! Mit dem Versuch, das in Strunzleinshausen kulinarisch verehrte Schäuferla zum Weltkulturerbe erklären zu lassen. Und weil dieses Vorhaben letztlich doch kaum Chancen auf Umsetzung hat, zaubert "TBC" flugs einen neuen Weltkulturerbe-Anwärter aus dem Ärmel: die Coburger Bratwurst.
Da ist er wieder - der typische "TBC"-Humor, der am liebsten mit Anspielungen auf lokale Gegebenheiten jongliert und keine Angst vor Kalauern hat, auch nicht vor vielleicht nicht mehr ganz taufrischen. Auch ein bisschen Publikumsbeschimpfung muss sein - aber damit rechnen "TBC"-Fans, die sich in die erste Reihe trauen, ja sowieso ganz selbstverständlich.


Unbekümmert bunte Mischung


Im zweiten Teil des wie gewohnt reichlich langen Abends verliert das Programm ein wenig seinen politischen Biss, setzt vielmehr auf eine ganz und gar unbekümmert bunte Mischung aus Comedy und Show, in der jeder der drei Protagonisten seine besonderen Talente entfalten kann. So brilliert Michael A. Tomis als überaus wandlungsfähiger Prominenten-Imitator. Der Lohn: Auch zu später Stunde gibt es reichlich und ausdauernd Beifall, der selbstverständlich per Zugabe belohnt wird.