Coburg: Metzgerei mit massiven Nachwuchsproblemen - einziger Praktikant bricht nach drei Tagen ab
Autor: Isabel Schaffner
, Freitag, 15. April 2022
Die Hoffnung des Coburger Metzgermeisters Holger Morgner, Nachwuchs zu finden, ist sehr gering. Seinen letzten Praktikanten hatte er vor zwei Jahren. Mit diesem Problem ist er nicht alleine.
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Die Zukunft der Coburger Fleischerei Morgner ist dank des Sohnes vorerst gesichert, doch ein Team aufzustellen, sei momentan äußerst herausfordernd, so Inhaber Holger Morgner. Zwar schreibe er noch Stellen aus, der letzte Besuch eines Praktikanten sei allerdings zwei Jahre her - mit frustrierendem Ausgang.
Coburger Metzgerei verliert Praktikanten: "Abgebrochen, weil er arbeiten musste"
Ein desillusionierter Ton ist in Morgners Stimme zu hören. Er denkt zurück an seinen letzten Praktikanten, der den Beruf im Rahmen eines 14-tägigen Schülerpraktikums kennenlernen wollte. "Er hat nach drei Tagen abgebrochen, weil er arbeiten musste", sagt er und lacht dann. Der Trend sei deutlich: Junge Leute wollten heutzutage nur noch am Monitor arbeiten, glaubt er. "Die Situation ist sehr schwierig im Moment. Bewerbungen bekommt man überhaupt keine mehr."
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Auch Frank Fechter von der Fleischerei Fischer berichtet von mangelhafter Motivation und Kontinuität. Das Image des Metzgerei-Berufs sei wie in kaum einer anderen Branche äußerst schlecht, bestätigt auch Ralf Luther vom Metzgerhandwerk Bayern. "Zu viele Leute wollen in akademische Bereiche und verkennen die Möglichkeiten des Metzgerberufs." Keinesfalls laufe man mehr blutverschmiert "mit einem Schwein über dem Buckel" herum und müsse seine gesamte körperliche Kraft aufwenden. "Es ist ein sehr sauberer und anspruchsvoller Beruf. Heutzutage sind die Arbeitsabläufe enorm technisiert und digitalisiert, Intelligenz ist mehr denn je gefragt", erklärt er inFranken.de.
Nach einer Meisterprüfung sei natürlich auch ein weiteres Studium möglich. "Man kann beispielsweise zum Betriebswirt des Handwerks werden und auch verantwortliche Positionen übernehmen. Dazu sind die Ausbildungsvergütungen stark gestiegen." Die Corona-Pandemie habe außerdem gezeigt, dass Metzgereien im Vergleich zu anderen Unternehmen systemrelevant seien.
Nur noch zwei Metzger statt 20: "Schleuderpreise" und Auflagen seien schuld
Wie sehr die Anzahl der Metzgerei-Betriebe abnimmt, zeigt ein geschichtlicher Vergleich. "Vor 40 Jahren gehörten 50 Betriebe der Stadt Coburg zur Innung. Jetzt sind es insgesamt 14 in Stadt und Landkreis zusammen", so Luther. In Neustadt habe es einmal 18 bis 20 Metzger gegeben, nun nur noch zwei. Anders als früher sei es heute nicht mehr selbstverständlich, dass der eigene Nachwuchs das Geschäft übernimmt. Gerade für Kleinsthandwerksbetriebe werde es durch die gestiegenen Investitionspreise überdies immer schwieriger, ihren Betrieb instand zu halten.
Wie Fechter betont, hätten sich obendrein die Auflagen und Aufzeichnungspflichten massiv erhöht, was den Beruf unattraktiver mache. "Früher hat man 80 Prozent seiner Zeit im Betrieb und 20 Prozent im Büro verbracht. Heute ist es andersherum. Die Bürotätigkeit wird jedes Jahr mehr." Eine weitere Herausforderung: Der Ernährungstrend bewege sich hin zu weniger Fleisch auf dem Tisch, was von den Krankenkassen gefördert werde.