Die Hochschule Coburg erhält zwei Promotionszentren. Ihr Vizepräsident für Forschung Prof. Dr. Martin Synold erklärt die große Bedeutung dieser Nachricht.
Wie die Hochschule Coburg in folgender Presseinformation mitteilt, beginnt am heutigen Mittwoch, 4. Oktober 2023, eine neue Ära für alle Hochschulen für angewandte Wissenschaften in Bayern: Wissenschaftsminister Markus Blume gab am Morgen in München die Einrichtung von elf Promotionszentren bekannt. Eigenständige Promotionszentren wird es an zwei Standorten geben – einer davon ist die Hochschule Coburg mit „Analytics4Health“. Zusätzlich bekommt Coburg noch ein Promotionszentrum im Verbund: „Nachhaltige und intelligente Systeme“ wird mit der TH Würzburg-Schweinfurt und der TH Aschaffenburg eingerichtet. Was das für die Hochschule Coburg bedeutet, erklärt Prof. Dr. Martin Synold, Vizepräsident für Forschung.
Für besonders forschungsstarke Bereiche konnten bayerische Hochschulen beim Wissenschaftsministerium das fachlich begrenzte Promotionsrecht beantragen. Grundlage ist das neue Bayerische Hochschulinnovationsgesetz. In einem wissenschaftsgeleiteten Verfahren wurden die Anträge von einer Expert*innenkommission begutachtet. „Die Qualität der eingereichten Konzepte ist extrem überzeugend“, sagte Wissenschaftsminister Markus Blume. „Unsere Hochschulen für angewandte Wissenschaften und Technischen Hochschulen haben sich als herausragende Forschungseinrichtungen etabliert. Es ist logische Folge, dass sie nun auch das Promotionsrecht erhalten.“ Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler können in den elf Promotionszentren nun direkt an den Hochschulen promovieren. Blume betonte dabei auch die große Bedeutung der Praxis-Forschung für die Wirtschaft. Weitere Details dazu gibt es in der Pressemitteilung des Ministeriums hier: https://www.stmwk.bayern.de/pressemitteilung/12724/nr-107-vom-04-10-2023.html. Die Hochschule Coburg ist gleich mit zwei Promotionszentren vertreten. Wie das kommt und was es für die Zukunft bedeutet? Prof. Dr. Martin Synold beantwortet die wichtigsten Fragen.
Sie sind Vizepräsident für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs an der Hochschule Coburg – welche Rolle spielt Forschung an Hochschulen für angewandte Wissenschaften?
Prof. Dr. Martin Synold: Im neuen bayerischen Hochschulinnovationsgesetz ist Forschung nicht nur für Universitäten, sondern auch für die Hochschulen als Aufgabe verankert – hier in Coburg genießt die Forschung aber schon seit längerem einen hohen Stellenwert. Die Professorinnen und Professoren, der akademische Mittelbau, die Verwaltung und das Präsidium: Alle haben jahrelang daran mitgearbeitet, dass sich ein forschungsförderndes Umfeld entwickelt. Es wurden Bedingungen geschaffen, damit die forschenden Kolleginnen und Kollegen neben der Lehre auch Freiraum und Ressourcen für das wissenschaftliche Arbeiten haben. So ist es uns gelungen, forschungsstarke Professorinnen und Professoren für unsere Hochschule zu gewinnen. Unsere jährlich eingeworbenen öffentlichen Drittmittel für Forschung haben sich deutlich erhöht. Zusätzlich haben auch wir mehrere Millionen Euro für die Bearbeitung wirtschaftlicher Forschungsaufträge erhalten. Wir haben es geschafft, in Forschungsschwerpunkten eine Community aufzubauen, die in Franken, in Bayern, deutschlandweit und auch international geachtet wird. Als Bestätigung dieser Erfolge dürfen wir jetzt zwei Promotionszentren einrichten. Das freut uns riesig!
In welchen Bereichen bekommt die Hochschule Coburg das Promotionsrecht?
Es werden zwei Promotionszentren aufgebaut: „Analytics4Health“ bündelt Forschungsaktivitäten, um die Gesundheit und das Wohlbefinden von Menschen im Kontext ihrer Umwelt nachhaltig zu verbessern. Wir wollen hier wissenschaftsbasierte Lösungen für komplexe, gesellschaftliche Herausforderungen entwickeln: Themen wie der Wunsch nach selbstbestimmten Leben bis ins hohe Alter, berufliche Rahmenbedingungen in einer alternden Gesellschaft, Gesundheitsvorsorge bis hin zu Ressourcenknappheit auch im internationalen Kontext. Für das Ziel innovativer, technologieunterstützter Gesundheitsförderung verfolgen wir konsequent einen interdisziplinären Ansatz in den Forschungsbereichen Bioanalytik, Gesundheits- und Datenwissenschaften. Das schließt auch Querschnittsthemen wie „Gesundes Bauen“ und Informationstechnologien ein. Hierfür haben wir in unserer Region eine hohe Expertise und freuen uns, dass wir die Kraft und Vernetzung im Innovationsdreieck Coburg – Kronach – Lichtenfels noch stärker nach außen präsentieren können: Mit „Analytics4Health“ ist Coburg einer von nur zwei genehmigten Hochschulstandorten in Bayern, die ein eigenständiges Promotionszentrum einrichten dürfen! Bei unserem zweiten Promotionszentrum „Nachhaltige und intelligente Systeme“ kooperieren wir mit der federführenden TH Würzburg-Schweinfurt und der TH Aschaffenburg. Auch hier geht es um drängende Zukunftsaufgaben: um die Etablierung nachhaltiger Prozesse und Wertschöpfungsketten, sei es im Bereich der Mobilität, der Energie- und Infrastruktursysteme oder bei Produktion und Materialien. Dabei ist die Forschung der Hochschule Coburg anwendungsbezogen und interdisziplinär: Themen wie regenerative Energieerzeugung, intelligente Energiespeichersysteme, energieeffiziente Gebäude bis hin zu vernetzter urbaner und regionaler Mobilität erlauben einen direkten Wissenstransfer mit der sehr starken Wirtschaft im Innovationsdreieck. Wir legen großen Wert darauf, dass die Lösung konkreter, praktischer und gesellschaftlich relevanter Fragestellungen und wissenschaftliche Exzellenz Hand in Hand gehen.
Was verändert sich durch das Promotionsrecht?