Coburg: Bereits 44 anonyme Bestattungen in diesem Jahr - ein Gedenkstein soll an sie erinnern
Autor: Anton Knorr
Coburg, Dienstag, 25. Juli 2023
Auf dem Coburger Friedhof wurde am Freitag (21. Juli 2023) ein neuer Gedenkstein für die anonym Bestatteten eingeweiht. Allein in diesem Jahr ließen sich bereits 44 Personen anonym beisetzen.
- Coburg: Bereits 44 anonyme Bestattungen dieses Jahr
- Zahl nimmt zu: Was sind die Gründe?
- Neuer Gedenkstein für Anonyme eingeweiht
- Orientierungspunkt für Hinterbliebene schaffen
Am Freitag (21. Juli 2023) wurde auf dem Coburger Friedhof ein Gedenkstein für diejenigen errichtet, die anonym bestattet sind. Bei anonymen Bestattungen handelt es sich um namenlose Beisetzungen. Bei einer solchen Bestattung wird am Grab auf jeglichen Namenshinweis verzichtet, in der Regel ist dies weniger kostspielig. Auf dem Coburger Friedhof seien das in diesem Jahr bereits 44 Personen, von denen sich 40 willentlich dazu entschieden haben. Annette Hofbauer, Koordinatorin beim Hospizverein Coburg, hat gegenüber inFranken.de mögliche Beweggründe für diese Art der Bestattung erklärt. Weitere News aus dem Bereich Coburg und Umgebung sind hier zu finden.
44 anonyme Beerdigungen in Coburg im Jahr 2023: Was sind die Gründe?
Es gebe zwei Möglichkeiten, anonym beerdigt zu werden: Entweder man entscheide sich selbst dazu, oder die Beerdigung findet ordnungsamtlich angeordnet statt. "Diejenigen, die ordnungsamtlich bestattet werden, haben entweder nicht genug Geld für eine konventionelle Beisetzung, oder keine Hinterbliebenen, die die Kosten zur Beisetzung übernehmen können", erklärt Annette Hofbauer. Beim Sozialamt könnten einfache, normale Bestattungswünsche durch einen Antrag auf Sozialbestattung beansprucht werden, auch der schriftliche Wunsch nach Erdbestattung werde immer berücksichtigt - falls einer vorliegt.
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Die Zahl der anonym Bestatteten sei über die letzten Jahre leicht gestiegen, vor allem unter denen, die sich selbst für eine anonyme Beerdigung entschieden hätten - 90 bis 95 seien es insgesamt im letzten Jahr gewesen. Für die willentliche Entscheidung, anonym bestattet zu werden, gebe es mehrere Gründe: "Das ist oft Einstellungssache. Manche sagen, dass sie nicht gläubig sind und es für sie nach dem Tod vorbei ist, also möchten sie auch keinen Grabstein. Andere möchten ihren Angehörigen nicht zumuten, sich um das Grab kümmern zu müssen. Ein weiterer Grund ist, dass manche sagen, ihre Familie seien keine Friedhofgänger, also lohne sich auch kein Grab", so Hofbauer.
Wer eine solche anonyme Bestattung anstrebt, solle allerdings ausführlich mit den Angehörigen darüber reden, erklärt Annette Hofbauer: "Dabei geht es um die Auffindbarkeit von einem Platz, um zu trauern. Die Hinterbliebenen sind diejenigen, die mit der Bestattungssituation umgehen müssen, deshalb sollte man sich auch nach ihnen richten." Denn wer anonym begraben wird, liegt irgendwo auf dem Friedhof ohne Kennzeichnung, sodass das Auffinden der Verstorbenen dort fast unmöglich sei.
Gedenkstein für anonym Bestattete auf Coburger Friedhof: "Orientierungspunkt für Trauernde"
Deshalb habe man sich beim Hospizverein dazu entschieden, den Hinterbliebenen einen Ort zum Trauern zu geben: "Wir haben einen Orientierungspunkt für Trauernde geschaffen. Ein Platz mit neuer Bestimmung", erklärt Annette Hofbauer. Auch, wenn dort nicht die Verstorbenen begraben sind, so sei es ein fester Platz, um ihnen nahe zu sein, erklärt die Koordinatorin.
Jährlich gedenke man dort ab jetzt allen Anonymen, die ordnungsamtlich Beerdigten würden bei den Gedenkfeiern namentlich benannt.