Das Vorhaben "Kompetenzzentrum Maschinen- und Anlagenbau", das Schulabgänger gezielt zu einer akademischen Ausbildung in jenen Bereichen motivieren soll, wird vom bayerischen Wirtschaftsministerium ausdrücklich begrüßt. Das teilt Ministerpräsident Horst Seehofer dem Präsidenten der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Coburg, Friedrich Herdan, in einem Schreiben mit. Seehofer nimmt darin auch Stellung zu weiteren wichtigen Coburger Themen wie dem ICE-Halt und der Förderung der Willkommenskultur für Fach- und Führungskräfte.

"Wir sind eine starke Wirtschaftsregion, das müssen wir ausbauen", sagte Herdan in einem Pressegespräch am Donnerstag. Umso mehr freue es ihn, dass das in München offenbar genauso gesehen werde. Er habe die Coburger Schwerpunkte immer wieder bei der Staatsregierung in Erinnerung gebracht, berichtete Herdan - zuletzt auch beim Wirtschaftsgipfel Nordbayern.

Das Kompetenzzentrum liege ihm sehr am Herzen, betonte der IHK-Präsident. Es biete die Möglichkeit, bestehende Strukturen - wie die Maschinenbau-Studiengänge der Hochschule, die Technikerschule, das Technologie-Transferzentrum Automotive (TAC) und das Institut für Sensor- und Aktortechnik - zusammenzuführen. Der entsprechende Förderantrag könne nun bei der Regierung von Oberfranken gestellt werden, schreibt Seehofer. Die IHK sei bereits dabei, diesen Antrag vorzubereiten, sagte Herdan.

Angesichts der hohen Quote von Studienabbrechern, auch im Bereich Maschinenbau, sei es wichtig, junge Menschen frühzeitig ihr eigenes Potenzial erkennen zu lassen, so der IHK-Präsident. "Wir wollen, dass sie zielgerichtet und je nach Neigung ausgebildet werden - sei es akademisch oder dual."

Stellenbörse für Fachkräfte

Nicht minder wichtig sei die Förderung der Willkommenskultur für Fach- und Führungskräfte, sind sich Seehofer und Herdan einig. Das Wirtschaftsministerium betreibe beispielsweise das Internetportal www.work-in-bavaria.de. Neben allerlei Informationen für ausländische Fachkräfte findet sich hier auch eine Stellenbörse, in der man auch regional begrenzt nach Angeboten suchen kann. Gemeinsam mit Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) wolle er das Thema bei Seehofer auch noch vertiefen, kündigte der IHK-Präsident an.

Unterstützung erhält Coburg von der Staatsregierung auch, was den Ausbau der anwendungsorientierte Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen an der Hochschule Coburg angeht. In Sachen Förderung für die Hochschule sei immer die Rede von 65 Millionen Euro, sagte Herdan. Dabei sei die Summe deutlich höher. Im Zeitraum von 2009 bis 2021 belaufen sich die Fördermittel - inklusive des Campus Design - auf rund 125 Millionen Euro. Zudem sei Coburg Teil der Technologie-Allianz Oberfranken (TAO) und erhalte aus diesem Topf weitere 86 Millionen Euro.

Die Aktivitäten an der Hochschule Coburg zeigten exemplarisch, dass der Freistaat die anwendungsorientierte Forschung gezielt ausbaue, schreibt Seehofer. "Die Unternehmen der Region haben gute Möglichkeiten, darauf aufzusetzen, auf diese Einrichtungen gezielt zuzugehen und Kooperationsvorhaben zu initiieren."

Formulierungen lassen hoffen

Hoffnung in Sachen ICE-Systemhalt macht Herdan eine weitere Passage in Seehofers Brief: "Gemeinsam mit den Vertretern der Region setzt sich der Freistaat Bayern dafür ein, dass Coburg mindestens im Zwei-Stunden-Takt bedient wird", schreibt der Ministerpräsident. Abgesehen davon, dass ihm das Wörtchen "mindestens" besonders gut gefalle, so Herdan, wiege eine andere Formulierung noch viel schwerer: Seehofer nennt den Ausbau der ICE-Strecke "unser Ziel" und bedankt sich ausdrücklich für die unter Coburger Federführung erstellte Potenzialanalyse. Das zeige, dass Coburg beim Thema ICE-Systemhalt auf Unterstützung aus München zählen könne.