Die Region Coburg/Kronach hat sich offensichtlich im Kampf gegen den Bau einer neuen Höchstspannungstrasse gegen die Bundesnetzagentur und Netzbetreibern durchgesetzt.

Jedenfalls hat am Montag der CSU-Bundestagsabgeordnete, Hans Michelbach, mitgeteilt, dass der Bundestag das Vorhaben bei der Novellierung des Bundesbedarfsplangesetzes gestrichen hat. "Ich freue mich sehr, dass der jahrelange gemeinsame Kampf von Politik und Gesellschaft erfolgreich gewesen ist und das Schreckgespenst P44 vom Tisch ist", heißt es in der Mitteilung des Abgeordneten für den Wahlkreis Coburg/Kronach.

"Offenes Ohr für gute Argumente"

Hans Michelbachs Dank galt nach der Entscheidung ausdrücklich dem Bundeswirtschaftsminister, Peter Altmaier. Dieser habe am Ende ein "offenes Ohr für die guten Argumente" der Region gehabt. Michelbach hatte in der jahrelangen Auseinandersetzung immer wieder das Gespräch mit Altmaier gesucht, um den Argumenten der Region Nachdruck zu verleihen.

Zudem war Altmaier im Herbst 2018 in Coburg zu Gast, um dort mit Betroffenen - insbesondere aus der Kommunalpolitik - über die Problematik der Stromtrasse P44 zu diskutieren. Im Raum standen dazu bis zuletzt zwei Varianten: Einerseits die Aufstockung der bereits bestehenden Trasse von Schalkau über Rödental, Ebersdorf, Sonnefeld und Weidhausen bis zum Zettlitzer Umspannwerk; andererseits eine direkte Verbindung von Schalkau aus quer durch den westlichen Landkreis (Lautertal, Meeder, Bad Rodach und Seßlach) zum Umspannwerk nach Grafenrheinfeld.

Der Wahlkreisabgeordnete dankte deshalb gleichzeitig allen Bürgern und Kommunalvertretern, die sich im Kampf gegen eine neue Trassenführung engagiert hatten: "Wir haben gemeinsam Stärke gezeigt und durch viele zielgerichtete Aktionen, sei es bei Gesprächen in Berlin und München oder durch Demonstrationen und Ortstermine mit Entscheidungsträgern erfolgreich die berechtigten Interessen der Region verteidigt." Die Solidarität der Region, die sich nicht gegeneinander habe ausspielen lassen und den gemeinsamen Kurs beharrlich verfolgt habe, sei das Pfund gewesen, das diesen "herausragenden Erfolg" möglich gemacht habe. Der Wahhlkreisabgeordnete erinnerte an die gemeinsame Unterredung mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), dem damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) sowie dem seinerzeitigen Bundesenergieminister Sigmar Gabriel (SPD) vom Juli 2015, wonach die Region nicht zusätzlich belastet werden sollte.

Das sagt die Kommunalpolitik

Vor Ort hat die Entscheidung Freude, aber auch Vorsicht und Überraschung ausgelöst. Christian Gunsenheiner (FW), als Klimaschutzbeauftragter des Landkreises von Anfang an mit der Landkreisverwaltung und Bad Rodachs Bürgermeister, Tobias Ehrlicher (SPD), in vorderster Reihe der Trassengegner, ließ sofort seine Drähte nach Berlin glühen und bestätigte auf Tageblatt-Anfrage: "Die Trasse ist vorerst vom Tisch, ein guter Tag für das Coburger Land."

Er freue sich, dass die Minister Aiwanger und Altmaier Wort gehalten haben. Aber, aufgepasst! Gunsenheimer geht nämlich davon aus, dass die Netzbetreiber es bei jeder Fortschreibung des Bundesbedarfsplans versuchen werden, die Trasse P44 wieder ins Gespräch zu bringen.

Markus Mönch bleibt zunächst misstrauisch

Spürbar entnervt vom jahrelangen Hin und Her im Trassenstreit traute Markus Mönch (parteilos) - Bürgermeister der Gemeinde Weidhausen, die von der Trasse durchschnitten wird - dem Braten auf Nachfrage noch nicht so recht: "Ich habe es schon zu oft erfahren müssen, dass die große Politik ihr Geschwätz von gestern nicht interessiert."

Zudem habe das Projekt aus seiner Sicht zuletzt fast schon so auffällig vor sich hin geschlummert, dass man schon wieder Angst vor einer bösen Überraschung hätte bekommen können. Aber schön und irgendwie auch schon wieder typisch wär's, sagte Mönch: "So schnell und überraschend wie solche Trassen ins Spiel kommen, verschwinden sie offensichtlich auch wieder."

Und dann freute sich der Weidhäuser Bürgermeister doch: "Wenn es so kommt, dann wäre das ein unglaublicher Befreiungsschlag für die gesamte Region." Und ein Zeichen, dass die große Politik sich "endlich mal pro Region, pro Coburg und pro Bevölkerung" entschieden habe.

Was aus seiner Sicht die Hintergründe für die Streichung der Trasse gewesen sein könnten, war für Mönch nach kurzem Nachdenken kein Thema mehr: "Ehrlich: Die sind mir egal. Hauptsache, das Ding kommt nicht.

Übertragungsbedarf angezweifelt

In der Diskussion hatte Hans Michelbach immer wieder Übertragungsbedarf zwischen den zwei Netzverknüpfungspunkten auf Thüringer und Bayerischer Seite angezweifelt. Ihm habe "niemand jemals einen belastbaren konkreten Nachweis dafür erbracht, dass man 2030 tatsächlich eine weitere Trasse benötigen werde, um die Versorgungssicherheit und Stabilität im Netz zu gewährleisten", schließt Michelbachs Mitteilung.