Anfang der 80-er Jahre waren sie in Coburg noch die Underdogs, die Außenseiter, die nicht ernst genommen wurden. Michael Forkel hat das selbst erlebt. Seit 1979 gehört er zu den Grünen. "Wir waren damals sechs Leute, trafen uns in Hinterzimmern und redeten über alles Mögliche und nur manchmal über Politik", erinnert er sich. Das änderte sich, als Dieter Schilling zu ihnen kam, da wurde zum Teil heftig diskutiert. Er war es auch, der seine Frau Johanna mitbrachte. "Bis dahin waren wir eine reine Männer-Riege."

Ein wichtiger Anlaufpunkt sei das sogenannte Projekthaus für autonome Gruppen in der Mohrenstraße 3 gewesen. Von dort aus habe es viele Protestaktionen gegeben - zum Beispiel gegen den Bau des Müllheizkraftwerks auf dem Gelände der SÜC. Oder gegen den Nato-Doppelbeschluss. 1984, also vor 30 Jahren, schaffte es dann der erste Grüne in den Stadtrat: Paul Beutner. Ernst Uwe Müller, der im gleichen Jahr für das Amt des Bürgermeisters kandidierte, hatte keine Chance. 1985 verließ Paul Beutner Coburg und für ihn kam Christine Aulitzky als Nachrückerin in den Stadtrat. "Grün und dann auch noch eine Frau - das war hart. Sie hat kaum Anerkennung bekommen", erzählt Michael Forkel. Aber auch innerhalb der Partei habe es Querelen gegeben. "Realos und Fundis hatten immer wieder Streit." Bei der Kommunalwahl 1990 sah es dann schon besser aus.

Erstmals drei Stadträte

Drei Grüne schafften es in den Stadtrat: Wolfgang Kühnel, Matthias Loßmann und Michael Forkel. "Uns brachte man schon etwas mehr Respekt entgegen", stellt Michael Forkel fest. Das sei aber nicht generell so gewesen. "Es kam schon mal vor, dass wir nicht bedient wurden, wenn wir uns in einer Gaststätte zur Versammlung getroffen haben."

1995 zog sich Matthias Loßmann aus der Kommunalpolitik zurück. Im gleichen Jahr gab Wolfgang Kühnel bekannt, dass er auf eine Kandidatur für den nächsten Stadtrat verzichten werde. 1996 zogen dann Marie-Luise Fromme, Johanna Schilling und Michael Forkel in das Gremium ein. 1999 kam Wolf-Rüdiger Benzel von Grub am Forst nach Coburg und wurde 2002 zusammen mit Marie-Luise Fromme in den Stadtrat gewählt. Für sechs Jahre waren sie nur zu zweit, bis 2008 Angela Platsch und Wolfgang Weiß zusammen mit Wolf-Rüdiger Benzel als Stadträte die grüne Politik vertraten. Mit Angela Platsch wurde die Rolle der Frau noch mehr in den Fokus gerückt. Seit der letzten Kommunalwahl im März 2014 gibt es vier Grüne im Stadtrat. Martina Benzel-Weyh verstärkt jetzt die Fraktion.

Erfolge in der Kommunalpolitik

Nach den größten Erfolgen grüner Politik befragt, fallen Michael Forkel gleich ein paar Dinge ein. Zum Beispiel, dass die Spitalgasse Fußgängerzone und das Müllheizkraftwerk an den Stadtrand gebaut wurde. "Letzteres haben wir zusammen mit dem Naturschutzbund geschafft." Auch dass in Neustadt der Siemens-Kreisel anstelle einer Ampelkreuzung angelegt worden sei, habe mit dem Einsatz der Grünen zu tun. Als einen der größten Erfolge bezeichnet Michael Forkel das Bürgerbegehren gegen die Bebauung des Hofbräugrundes mit Häuserblocks.
"Ein Bürgerbegehren gewinnt man nur mit den Grünen", wirft Wolf-Rüdiger Benzel lachend ein. Er verweist außerdem auf die Vorschläge der Grünen zum Klimaschutz in Coburg. "Und ein Integriertes Stadtentwicklungskonzept hatten wir 2002 schon vorgeschlagen. Es kam dann 2008." Andere Themen der Partei seien die Sensibilisierung für die Mobilfunk-Problematik, die Mittagsbetreuung in den Schulen, die Schulsozialarbeit, die Schultheater, Bildungsgerechtigkeit und die Erhaltung des Frauenhauses gewesen. Auch die Gründung des Vereins Cross Art verbuchen die Grünen als Erfolg für sich.

Immer wieder positionieren sie sich gegen rechtsextreme Aktivitäten und beteiligen sich auch, wenn es ihnen notwendig erscheint, an einer Sitzblockade - auch wenn sie dafür angegriffen werden.

Wunsch nach Umweltsenat

" Wir werden als Stadträte inzwischen akzeptiert, auch dann, wenn es nicht um speziell grüne Themen geht", stellt Martina Benzel-Weyh fest. Einen reinen Umweltsenat würde sie sich noch wünschen. Aber es gebe auch sonst noch allerhand zu tun.