Die Region Coburg ist bemerkenswert reich an kulturellen Angeboten - auch wenn viele davon in langen Lockdown-Monaten nicht zugänglich waren. Nun kommt ein ehrgeizig konzipiertes neues Angebot hinzu - auf Schloss Hohenstein in der Gemeinde Ahorn.

Mit einem zugkräftigen Namen geht das Kunstforum Schloss Hohenstein an den Start - Bob Dylan. Der Song-Poet Dylan, 2016 als erster Musiker mit dem Nobelpreis für Literatur dekoriert, soll mit der Strahlkraft seines Namens dem Kunstforum zu einem Auftakt mit überregionaler Aufmerksamkeit verhelfen. Das jedenfalls erhofft sich Stephan Zipfel von der Galerie Premium Modern Art aus Heilbronn, die als Partner des neuen Kunstforums die Ausstellungen auf Schloss Hohenstein organisieren wird.

Frühe Arbeiten

Die Rechnung scheint aufzugehen. Zipfel freut sich jedenfalls über Ticketbuchungen, die schon jetzt fast aus dem gesamten Bundesgebiet eingegangen seien und teilweise schon bis Mitte Oktober reichen. Knapp drei Dutzend Exponate hat Stephan Zipfel als Kurator auf rund 170 Quadratmetern Ausstellungsfläche mit einer klaren Dramaturgie arrangiert.

Sie wirkt genau abgestimmt auf die Vorlieben von Dylan-Fans und folgt konsequent den Veröffentlichungsserien des Malers.

Im ersten Raum warten frühe Arbeiten aus den 80er Jahren, die in Fine Art Prints in limitierter Auflage zu sehen sind - allesamt in überwiegend dunklen Farben gehalten. Bevorzugt Alltagsszenen hat Dylan auf ihnen in unverstellt gegenständlicher Manier und mit stets klar konturierten Linien festgehalten. In zwei Räumen warten auch Devotionalientische mit diversen Büchern über Dylan auf Fans.

Im Obergeschoss gibt es dann zunächst eine Auswahl seiner Serie "Mondo Scripto", die jeweils den Text eines seiner Songs mit einer Zeichnung kombiniert. Neben dem Text von "Like a Rolling Stone" beispielsweise steht eine Figur in unverwechselbarer Napoleon-Haltung. Diese Lithographien dürften durch ihre Kombination von Songtext und Zeichnung für jeden echten Dylan-Fan besonders interessant sein, ist Zipfel überzeugt.

Vor allem auf seinen Reisen und Tourneen hat Bob Dylan immer wieder zum Skizzenblock gegriffen, erzählt Kurator Zipfel. Das spiegelt sich ganz unmittelbar in der Auswahl der Motive. Immer wieder tauchen Motels auf oder Imbiss-Buden - anschaulich gemalte Synonyme des Unterwegsseins, die Dylan in immer neuen Varianten zu Papier gebracht und später in kräftigen, leuchtenden Farben koloriert hat.

Die einzigen drei Unikate der Schau hat Ausstellungsmacher Stephan Zipfel für den letzten Raum aufgehoben - das blaue Zimmer. Hier gibt es Mixed Media-Blätter - von Dylan eigenhändig übermalte Drucke, darunter die immer wieder auftauchenden Train Tracks - Eisenbahngleise, die ebenfalls sehr suggestiv vom Unterwegssein erzählen. Als Maler und Zeichner ist Dylan erkennbar nicht vom Ehrgeiz getrieben, die Stilgeschichte des 20. Jahrhunderts aus den Angeln heben zu wollen. Mancherlei Einflüsse sind unverkennbar - von Matinee bis zur Pop Art.

Auftritt auf dem Zeppelinfeld

Niederschwellig soll das Ausstellungsangebot des neuen Kunstforum Schloss Hohenstein sein - ohne Mühe verständlich für möglichst breite Publikumsschichten, erläutert der Kurator. Vor allem aber soll das Kunstforum keine Konkurrenz für in der Region etablierte Veranstalter sein. Vielmehr will das Kunstforum mit seinen Aktivitäten bewusst auswärtige Interessenten anlocken - die dann ja vielleicht auch noch das weitere kulturelle Angebot testen.

Für das nächste Jahr ist bereits ein weiterer prominenter Name im Gespräch - James Francis Gill, einer der bekanntesten Namen der Pop-Art.

Übrigens: Bob Dylan und Franken - diese Geschichte beginnt natürlich nicht erst mit dieser Ausstellung im Kunstforum. 1978 gab Dylan vor rund 70000 Zuhörern auf dem einst von den Nazis geschaffenen Zeppelinfeld den Anti-Kriegssänger.

Und: Vor fast auf den Tag genau 25 Jahren war Bob Dylan erstmals in der Region Coburg zu Gast - freilich ebenfalls nicht mit seiner Malerei, sondern als Song-Poet mit einem Konzert. Rund 2000 Zuhörer aus ganz Deutschland lockte sein Freiluft-Auftritt im Juli 1996 im Schlosshof Tambach an. Schon damals war Dylan als Person auf Abstand bedacht - fotografieren ließ er sich bei diesem Anlass jedenfalls nicht.

Rund um das Kunstforum Schloss Hohenstein

Stiftung Im Hintergrund des Kunstforums Schloss Hohenstein steht die Oskar-Hacker-Stiftung und mit ihr deren Vorstand Ralph Veil, der Großneffe des 2016 verstorbenen Stifters ist. Hacker hatte das aus dem 14. Jahrhundert stammende Schloss im Jahr 1976 erworben und grundlegend restaurieren lassen. Künftige Ausstellungen wollen Schloss wie Park Hohenstein nutzen, das Eigentum der gemeinnützigen Stiftung Oskar Hacker ist.

Stiftungszweck sind Förderung der Kunst, Förderung des Erhalts der Denkmäler in Park und Schloss. Das Kunstforum ist eine Plattform im Verein der Freunde und Förderer eines Museums und Kunstforums auf Schloss Hohenstein. Das Kunstforum wird mit der Oskar Hacker Stiftung, der Zeitschrift Artcollector und dem Kunstpartner Premium Modern Art jährlich einen Preis für zeitgenössische Kunst und Künstler verleihen.

Ausstellungs-Tipp "Bob Dylan - On the Road", Kunstforum Schloss Hohenstein (bis 31. Oktober, Freitag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr; Katalog, 108 Seiten, zahlreiche Abbildungen, zehn Euro; Anmeldung über https://kunstforum.schloss-hohenstein.de/ Weitere Bob-Dylan-Ausstellungen in Köln, Fulda und Wiesbaden. Tickets können über die Website www.bobdylan2021.de einheitlich für alle vier Veranstaltungsorte gebucht werden.red