Man stelle sich vor: Die Wörter, die man aussprechen möchte, muss man sich vorher erst kaufen. Besonders schöne Wörter (allen voran die für den Satz "Ich liebe Dich!") sind besonders teuer. Weniger schöne - wie etwa "Hundekacka" oder "Hasenpipi" - findet man hingegen manchmal auf dem Müll, weil andere sie nicht mehr brauchten und deshalb weggeworfen haben. Auf dieser interessanten Basis beruht das Buch "Die Wörterfabrik".

Damit die Jungs und Mädchen vom Caritas-Kinderhaus "Leo" diesen nicht ganz einfachen Stoff leichter verstehen, nähere ich mich der Thematik spielerisch: Was ist Euer Lieblingsessen? Klar, aus vielen Ecken wird "Nudeln" oder auch "Pizza" gerufen. Neben dem Jungen, der "Cheeseburger" liebt, sitzt ein Mädchen, das "Kloß" antwortet. Nach dem Lieblingsgetränk dann die Frage nach dem Lieblingswort. Erneut kommen viele Vorschläge - meist haben sie mit Spielsachen aus dem Kinderzimmer zu tun. Und jetzt stellt Euch vor, Ihr dürftet diese Wörter aber nur aussprechen, wenn Ihr sie vorher gekauft habt! Die Kinder, die eben noch Speisen und Getränke durch den Raum gerufen haben, werden plötzlich leise. Und nachdenklich. Dann lauschen sie gebannt der Geschichte.

Lesen macht stark

Insgesamt ermöglichte es am Freitag der Lions Club Coburg Veste mehr als 300 Kindergartenkindern, dass ihnen etwas vorgelesen wird. Hintergrund war der bundesweite Vorlesetag. Der Lions Club Coburg Veste beteiligte sich daran nun schon zum zweiten Mal, und zwar im Rahmen seines Projekts "Lesipold - Lesen macht stark". Die 14 Orte, an denen vorgelesen wurden, reichten von der Moschee in der Viktoriastraße bis zum Kino "Utopolis" und waren damit so unterschiedlich und bunt wie die Geschichten. Bei den Kinderkrippen Bergwichtel und Campuszwerge lasen zudem Gudrun Zaddach vom Lions Club Coburg Veste und Melanie Schrempel aus Bilderbüchern vor.

Anschließend trafen sich alle Vorleser in der Reithalle und tauschten ihre Erfahrungen aus - und waren sich einig, dass Vorlesen so wichtig ist und unbedingt weiter gefördert werden muss. Nun, am Lions Club Coburg Veste mit seinen vielen engagierten Mitstreitern wird das bestimmt nicht scheitern. Und an den Vorlesern auch nicht. Zumal da ein jeder auch wieder viele schöne Erfahrungen und Eindrücke sammeln konnte. Mein schönster war bei der besagten Frage nach den Lieblingswörtern der Kindern. Nachdem auch ein paar Begriffe fielen, die wohl eher mit recht modernen Actionspielen zu tun haben, meldete sich auf einmal ein kleines Mädchen. "Und was ist Dein Lieblingswort?", wollte ich von ihr wissen. Sie lächelte fast etwas schüchtern und sagte dann mit leiser Stimme: "Blume!" Ach, Lesen und Vorlesen kann so schön sein.


Stimmen zum Vorlesen

Güliz Celik, Präsidentin des Lions Club Coburg Veste: "Vorlesen ist ganz wichtig. Es fördert die Sprachkompetenz, es vermittelt Wissen - allerdings ohne, dass es eine Lehrstunde ist - und es fördert auch die Beziehung zwischen Eltern und Kind. Man nimmt sich Zeit, schaltet vom Alltag ab, kommt zur Ruhe - und liest dann gezielt etwas vor."

Peter Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha: "Ich mag Vorlesen! Für Kinder ist das äußerst wichtig, denn so fangen sie vielleicht auch selber zu lesen an. Ich habe meinen zwei Kindern immer viel vorgelesen - und auch meinen Schülern, denn ich war 32 Jahre lang Lehrer in einem Internat in Louisenlund. Die Kinder liebten das! Beim Lesen kann man auch so schön abtauchen. Heute zum Beispiel ist doch ein grauer Tag - und da habe ich Geschichten aus den Sommerferien von Astrid Lindgren vorgelesen - herrlich!"

Andrea Burgsmüller, Coburger Stadtbücherei:

Bodo Busse, Intendant des Landestheaters Coburg: Bodo Busse, Intendant des Landestheaters Coburg

Bianca Nestmann, Kinderbeauftragte der Stadt Coburg:
"Vorlesen ist das A und O. Es gibt doch nichts Schöneres, als sein Kind auf den Schoß zu nehmen, mit ihm zu kuscheln - und ihm dann etwas vorzulesen. So eine Zweisamkeit stärkt die Bindung zwischen Eltern und Kind. Außerdem bringt Vorlesen etwas Ruhe in den heute leider oft so hektischen Alltag."


Wer hat wo vorgelesen?


Coburgs Zweiter Bürgermeister Norbert Tessmer (im Rathaussaal; "Das kleine Gespenst" von Ottfried Preußler);
Intendant Bodo Busse (Reithalle; "Nußknacker" von Alexandre Dumas);
Jugendamtsleiter Reinhold Ehl (Cafè Sorgenfrei; "Zum Mitnehmen" von Lorenz Pauli);
Marina Krauß (Landgericht; "Leserabe: Krimigeschichten zum Mitraten" von Fabian Lenk);
Peter Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha (Schloss Callenberg; "Schöne Ferien!" von Astrid Lindgren);
Pfarrerin Kerstin Willmer in Begleitung von KMD Peter Stenglein (Morizkirche; "Die Kirschin Elfriede" von Gerhard Engelsberger);
Frieder Schwehm vom Lions Club Coburg Veste (Grabungsmuseum; "Die Abenteuer des starken Wanja" von Ottfried Preußler);
Sonja Erdel vom Lions Club Coburg Veste (Naturkunde-Museum; "Streng verboten" von Alison Richie);
Güliz Celik vom Lions Club Coburg Veste (Moschee; "Levent und das Zuckerfest" von Myriam Halberstam);
Künstlerin Ülfet Olgun (Orientteppichhaus; "Oskar und der sehr hungrige Drache" von Ute Krause);
Radio-Eins-Moderator Detlev König (Utopolis, "Das Dschungelbuch - Die Mowgli-Geschichte" von Ute Thönissen);
Coburger Tageblatt-Redaktionsleiter Oliver Schmidt zusammen mit Andrea Burgsmüller von der Stadtbücherei (Stadtbücherei; "Die große Wörterfabrik" von Valeria Docampo sowie "Ich mit Dir, Du mit mir" von Lorenz Pauli und Kathrin Schärer).