Das Verhältnis der beiden fränkischen Handball-Bundesligisten HC Erlangen (1. Liga) und HSC 2000 Coburg (2. Liga) schien sich in den letzten Monaten zu normalisieren. Vor Kurzem bestritten die einstigen Erzrivalen auch einen freundschaftlichen Vergleich in der HUK-Arena (22:29). Dabei tauschten Spielern, Funktionäre und sogar Mitglieder der vermeintlich verfeindeten Fanklubs so manches Kompliment untereinander aus.

Doch damit dürfte wieder Schluss sein, denn Rechtsanwalt Dr. Carsten Bissel zieht in einem am Mittwochabend in der Süddeutschen Zeitung (SZ) veröffentlichten Bericht gewaltig vom Leder und kritisiert dabei den HSC 2000 Coburg auf das Schärfste.


"Wahrheitswidrige" Erklärungen

Im Kreuzfeuer seiner Kritik steht vor allem Jan Gorr. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Erlanger spricht im Interview mit der SZ unter anderem von "unfassbaren Misserfolg" in Coburg. Im Zusammenhang mit den wirtschaftlichen Voraussetzungen in Erlangen und Coburg wird Bissel folgendermaßen zitiert: "Ich finde es bemerkenswert, dass der dort erfolglose Trainer Gorr mal wieder wahrheitswidrig erklärt, wir seien ihm wirtschaftlich meilenweit überlegen. Dabei weiß er ganz genau, dass wir letztes Jahr den gleichen Personaletat wie Coburg hatten. Wir können nichts dafür, dass er einfach nicht in der Lage ist, mehr zu machen, als es der Fall ist. Das sportliche Ergebnis hat nichts mit Geld zu tun, sondern nur mit der Frage, ob ich mir eine echte und entwicklungsfähige Mannschaft mit Weitsicht und Geduld zusammenstelle oder ob ich mir lauter Spieler für viel Geld zusammenkaufe." Außerdem kritisiert Bissel, dass der HSC Coburg nicht bereit ist, Tacheles zu reden: "Als diese Etat-Neid-Diskussion von Gorr schon mal aufkam, habe ich angeboten, ein unabhängiger Wirtschaftsprüfer soll unsere Jahresabschlüsse anschauen und die Unterschiede erklären. Da kam natürlich keine Antwort aus Coburg. Warum wohl?".

Bissel räumt ein, dass ihn "manchmal diese von Neid getriebene Diskussion aus Coburg schon nervt", auch wenn er sie natürlich als große Anerkennung versteht. Auslöser für Bissels zu diesem Zeitpunkt für viele völlig unerwarteten "Rundumschlag" in Richtung HSC Coburg war ein Artikel in der SZ vom 11. Januar diesen Jahres. Darin ging es unter anderem um Kreisläufer Jan Schäffer, der im Winter vom fränkischen Rivalen DJK Wölfe Rimpar nach Erlangen wechselte, und um Nico Büdel, der sich bereits letzten Sommer für einen Wechsel vom HSC nach Erlangen entschieden hatte.

Coburgs Trainer und Sportlicher Leiter Jan Gorr wurde in diesem Zusammenhang zu den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen befragt und stellte dabei lediglich fest: "Erlangen marschiert vorne weg. Gerade wirtschaftlich sind sie uns einen Riesensprung voraus." Diese Aussage wurmte den einflussreichen Erlanger Funktionär anscheinend dermaßen, dass er alte Wunden aufriss und in der SZ zu folgendem Schluss kam: "Ich glaube, Herr Gorr versucht seinen unfassbaren Misserfolg neben vielen anderen Ausreden auch dadurch zu rechtfertigen, dass er erklärt, er sei wirtschaftlich so benachteiligt, dass er mit dem Etat gar nicht mehr erreichen könne, als es der Fall ist."

Das komplette Interview mit dem HCE-Aufsichtsratsboss ist auf dem Online-Portal der Süddeutschen Zeitung zu lesen.

Das Tageblatt hat am Mittwochabend nach der Veröffentlichung des Bissel-Interview im Internet auch mit Jan Gorr gesprochen und ihn dabei mit den massiven Vorwürfen aus Erlangen konfrontiert. Eine offizielle Stellungnahme wollte der Sportliche Leiter und Trainer des HSC allerdings nicht abgeben. Er sagte unmittelbar vor einem Fan-Talk in Coburg nur so viel: "Ich werde mir das Interview in Ruhe durchlesen und mich am Donnerstag gerne ausführlich dazu äußern." oph