"Immer gut einen sitzen": Manchmal kommen die besten Ideen genau dann, wenn man nicht damit rechnet: "Der ist mir beim Joggen eingefallen", sagt der Coburger und Wahl-Wiener Philipp Heinkel über den Slogan für das Bierpolster "BiPo", für das er mit der Prostpolsterei sogar eine eigene Firma gegründet hat.

Im Prinzip sei das Polster nicht mehr als eine Holzplatte, etwas Schaumstoff und ein Überzug, sagt Heinkel. Letzterer kann individuell gestaltet werden und wird dann eigens angefertigt. Doch die Idee, aus einem Bierkasten einen Hocker zu machen, kommt gut an: "Wir haben am österreichischen Markt gut reüssiert", sagt Philipp Heinkel mit Blick auf die Zeit seit dem Verkaufsstart seines Produkts 2014. Bei Privatkunden, aber vor allem bei den Geschäftskunden, die eine "Hälfte" des Hockers sowieso in Massen besitzen: Brauereien. Die Kombination aus Kasten und Kissen sei "wie eine Litfaßsäule zum Sitzen." Mit nahezu allen namhaften österreichischen Getränkeherstellern habe man schon zusammengearbeitet.


Im deutschsprachigen Raum

Trotz des simplen Prinzips liegt der Preis für Privatkunden pro "BiPo" - je nach Ausführung - bei rund 60 Euro. "Das sieht viel aus", sagt auch Heinkel, doch dahinter stünden bewusste Entscheidungen: "Wir legen Wert auf Regionalität und Hochwertigkeit." Alle Materialien werden in Deutschland, der Schweiz oder Österreich hergestellt. Die Holzplatte wird bei den Landshuter Werkstätten, einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung, gefertigt. Alles weitere übernimmt Sattler Philipp Maierhofer, der in Coburg Innenarchitektur studiert hat, in seinem Landshuter Atelier. Die Produktion woanders, beispielsweise in Osteuropa, könnte den Preis für den Endkunden zwar drücken, "aber da wartest du halt mal zwei bis drei Monate auf die Ware. Und wenn dann was nicht passt, dann ist das generell schwierig."


Ursprung bei Festival

Doch wie ist diese Geschäftsidee entstanden? Und wie landet ein Coburger in Wien? Nach dem Abitur am Alexandrinum zog es Heinkel der Liebe wegen nach Österreich. Ersten Kontakt in die Getränkebranche hatte er damals schon: In den Ferien jobbte er beim Getränkefachhandel Sagasser in der Callenberger Straße. Nach einem Studium im Bereich Journalismus und Medienmanagement heuerte er bei einer großen österreichischen Konzertagentur an.

Beim Frequency, einem Rockfestival im österreichischen St. Pölten, kam es zum Kontakt mit der Brauerei Zipf. "Denen hatten wir das Sponsoring für das Autogrammzelt verkauft." Das Konzept sah vor, das Zelt im Stil einer Bar einzurichten. "Die Bands sollten beim Autogramme schreiben an einem Tresen mit Zapfhahn-Attrappen sitzen." Nur für einen Lounge-Bereich fehlte das passende Mobiliar. Heinkel kam die Idee für Polster auf Bierkästen, und er gab sie bei Philipp Maierhofer in Auftrag. "Als die Verantwortlichen das fertige Produkt gesehen haben, haben sie die Augen aufgerissen. Das war für mich das Signal: Da geht was." Auf Seiten der Brau Union Österreich - zu der die Marke Zipfer gehört - arbeitete auch Markus Flatz, mittlerweile neben Heinkel Geschäftsführer der Prostpolsterei.
Mit der bisherigen Entwicklung seines Projekts ist Philipp Heinkel sehr zufrieden. Er sei nicht um jeden Preis auf schnelles Wachstum aus: "Wir brauchen uns nicht zu verstecken, aber das soll sich organisch entwickeln." Dennoch ist der deutsche Markt für die Prostpolsterei interessant: "Grundsätzlich kann man nur in der Region wirklich gut verkaufen, wo man vor Ort ist. Es hilft aber, dass unser Produzent in Landshut sitzt. Es wäre eigentlich an der Zeit, auch in Deutschland die eine oder andere Brauerei einzukassieren", sagt Heinkel und lacht.


Teil des Samba-Festivals

Das eine oder andere Projekt in Deutschland gab es schon - auch in der alten Heimat. Aus übrig gebliebenen Sitzkissen mit Brasilienflaggen von der WM 2014 entstand eine Idee: "Ich habe eins und eins zusammengezählt", sagt Heinkel. Wenig später waren die "BiPos" in diesem Jahr Teil einer Lounge auf den Arkaden beim Coburger Samba-Festival. "Das war total unkompliziert und positiv. Es sind danach auch ein paar Bestellungen rein gekommen", sagt Heinkel. "Das ist natürlich besonders schön, weil ich immer noch gerne nach Coburg komme und mein Herz für die Stadt schlägt."