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Landwirtschaft

"Hatten wir seit 50 Jahren noch nie": Bauern beklagen massive Ernteausfälle

Die Eisheiligen haben heuer bei der wichtigen Getreidesorte zugeschlagen. Jetzt steht die Ernte bevor. Der BBV-Kreisverband wagt eine Einschätzung.
 
Kaum Körner in den Ähren der Wintergerste: Heidi Bauersachs, Hans Rebelein, Ralf Thamm, Martin Flohrschütz und Walter Thamm (von links) begutachten in der Neustädter Flur die Ertragserwartung.  Foto: Gabi Bertram
Kaum Körner in den Ähren der Wintergerste: Heidi Bauersachs, Hans Rebelein, Ralf Thamm, Martin Flohrschütz und Walter Thamm (von links) begutachten in der Neustädter Flur die Ertragserwartung. Foto: Gabi Bertram

Der Mais steht sehr gut, der Weizen lässt einen durchschnittlichen Ertrag erwarten, aber bei der Wintergerste haben die Eisheiligen mächtig ins Kontor geschlagen. Der BBV-Kreisverband wagte in dieser Woche schon mal eine Ernteprognose.

Kaum Körner in den Ähren der Wintergerste, zeigte Ralf Thamm, Landwirt in Fürth am Berg, auf einem Feld in der Nähe des Hofes. Noch im Frühjahr hatten die Thamms aufgrund des Regens auf einen vernünftigen Ertrag gehofft, doch dann kam mit den Eisheiligen der Hammer: minus 10 Grad Celsius im Mai bei Luftfrost. 80 Doppelzentner pro Hektar, meint Seniorchef Walter Thamm, hätten gedroschen werden können. Wenn es jetzt noch gut laufe, werden es kaum über 20 sein.

Wintergerste von Eisheiligen zerstört: BBV-Kreisverband wagt Ernteprognose

Dabei braucht der Schweinemastbetrieb Thamm die Wintergerste als tragende Säule für die Fütterung des 1900 Tiere zählenden Betriebs. Dazu kommt, dass im Bestand grüne Ähren nachgeschoben werden, die den Drusch nass machen und zusätzlich eine Trocknung erfordern. Ein Druschtermin sei eher schwierig, meinte Ralf Thamm, nur gut, dass mit dem eigenen Mähdrescher gearbeitet werden kann. Würde man Lohndrusch beanspruchen müssen, bliebe bei einem solchen körnerarmen Feld kaum etwas an Gewinn übrig.

Die Ernte steht bevor oder hat bereits angefangen. Grund für den BBV-Kreisverband, schon mal einen Ausblick zu wagen. Von den Prognosen des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums, die von der Rekordernte sprechen, hält Kreisobmann Martin Flohrschütz, nicht allzu viel und nennt diese "Kaffeesatzleserei". Die USA seien schließlich im Wahlkampf, und schlechte Nachrichten seien da unbeliebt. Die Ernteprognosen in Deutschland, fügte Kreisgeschäftsführer Hans Rebelein bei dem Treffen auf dem Feld hinzu, würden dagegen von Monat zu Monat nach unten korrigiert. "Erst wenn die Ernte rum und das Korn auf dem Wagen ist", sagte Kreisbäuerin Heidi Bauersachs, werde abgerechnet.

Erneut zurückgegangen ist in der Region der Rapsanbau: von über 3000 auf nur noch rund 800 Hektar, also mehr als zwei Drittel. Wetterbedingt, meinte Flohrschütz, aber auch der mangelnden Sortenforschung zuzuschreiben. Pflanzenschutzmittel seien verboten, aber zur Schädlingsbekämpfung beim Raps unabdingbar. Die Folge: Immer weniger Landwirte bauten Raps an. Dagegen sei Mais eine Frucht, die einfach zu handhaben ist, weil sie eine Reihenkultur sei, die mechanisch und pflanzenschutztechnisch gut zu bearbeiten sei, erklärte der Kreisobmann.

Kreisbäuerin aus Franken: "Das hatten wir seit 50 Jahren noch nie"

Die Landwirte besahen sich die Ähren der Wintergerste genau. Kreisbäuerin Heidi Bauersachs stellte fest, dass es kaum Körner gebe. "Das hatten wir seit 50 Jahren noch nie", sagte Bauersachs. "Die Wintergerste musste auch auf meinem Hof siliert werden." Silage aber nützt den Thamms wenig. Sie verfüttern Gerste an die Schweine. Insgesamt, meinte Rebelein, seien im Landkreis 98 Prozent der Wintergerste frostgeschädigt, und Flohrschütz prophezeite bei dem Erntegespräch diese Woche einen Engpass bei Saatgut, der die Preise hochtreibt.

Draußen auf dem Feld zeigte Ralf Thamm die körnerarmen Ähren. "Ein paar Körner sind noch drin, kaum genug für die Fütterung, fürs Saatgut schon gar nicht. Man wird zukaufen müssen." Flohrschütz verwies auf die Bedeutung der Bodenqualität und die Nährstoffverfügbarkeit. Eine bedarfsgerechte Düngung und eine klug durchdachte Humuswirtschaft seien das A und O. Hier in der Neustädter Ecke gebe es leichte Böden, zum Teil mit Kies unterlagert. Das Wasser versickere schnell. Humuswirtschaft komme gerade diesen Böden sehr zu gute. "Wir müssen in Zukunft ohnehin mehr mit den Böden arbeiten und für ihre Pflege mit Augenmaß sorgen", resümierte Walter Thamm. An das extreme Trockenjahr 2018 kann er sich noch gut erinnern. Das sei schon happig gewesen und die Dürrehilfen für die Landwirtschaft meist nur eine "Lebensverlängerung für die Landwirte". In einem "normalen" Jahr, meinte der Juniorchef, würde die Ernte für die Schweinemast reichen. 2020 werde Futter und Saatgut zugekauft werden müssen.