"Wichtig für alle Hundehalter! In allen Parks und Grünanlagen herrscht Leinenzwang! Spiel- und Bolzplätze sind für Hunde (egal ob mit oder ohne Leine) strikt verboten! Im übrigen Stadtbereich dürfen Hunde auch ohne Leine ausgeführt werden, solange dadurch niemand belästigt oder gefährdet wird. In Wald und Flur müssen Hunde immer im Einwirkungsbereich ihres Herrn bleiben - das Bayerische Jagdgesetz erlaubt es Jägern, wildernde Hunde zu töten." So ist es auf der Internetseite des Ordnungsamtes der Stadt Coburg zu lesen. SPD-Stadträtin Petra Schneider, Besitzerin des Rauhaardackelrüden Johann, möchte in der gesamten Innenstadt einen Anleinzwang für alle Hunde haben.

Gar keinen Freilauf

Petra Schneider plant, einen Antrag im Stadtrat zu stellen. Anfang April hatten sie und Johann ein schmerzhaftes und für den Hund lebensbedrohliches Erlebnis. Ein nicht angeleinter Golden Retriever griff den Rauhaardackel ziemlich heftig an und biss übel zu. "Der Hals meines Hundes hatte etwa vom Genick bis zur Vorderseite tiefe Bisswunden." Schlimme Bilder hat Petra Schneider damals von Johann aufgenommen, mittlerweile ist der Dackel wieder wohlauf.

"Bestimmt heißt es jetzt wieder, die will sich nur in der Öffentlichkeit präsentieren und sich interessant machen", meint die Stadträtin. Aber selbst erlebte Dinge könne man doch am besten beurteilen, findet sie.

In den Abendstunden des Karfreitags waren Petra Schneider und Johann unterwegs. Der Golden Retriever war nicht angeleint und die beiden Hunde waren sogleich in einen Kampf verwickelt. Der Besitzer des Golden Retrievers habe die mehrfache Aufforderung, seinen Hund an die Leine zu nehmen, ignoriert, erinnert sich die Stadträtin.

Maulkorb nur im Einzelfall

Einen allgemeinen Leinenzwang in der Innenstadt einzuführen, sieht Kai Holland, Leiter des Coburger Ordnungsamtes, aus rechtlichen Gründen als nicht einfaches Unterfangen an. Der Gesetzgeber vertrete zwar die Auffassung, dass von einem Hund an sich eine Gefährdung ausgehe. Aber stets seien Anordnungen der Stadt, etwa Maulkorb- oder Leinenzwang, für den einzelnen Fall anzuordnen. "Das regelt das Landesstraf- und Vollstreckungsgesetz (LStVG) in Artikel 18 eindeutig", sagt Holland.

Einschränkungsmöglichkeit

Im Gesetz heißt es "zur Verhütung von Gefahren für Leben, Gesundheit, Eigentum oder die öffentliche Reinlichkeit können die Gemeinden durch Verordnung das freie Umherlaufen von großen Hunden und Kampfhunden ... in öffentlichen Anlagen sowie auf öffentlichen Wegen, Straßen oder Plätzen einschränken. Der räumliche und zeitliche Geltungsbereich der Verordnung ist auf die örtlichen Verhältnisse abzustimmen, wobei auch dem Bewegungsbedürfnis der Hunde ausreichend Rechnung zu tragen ist".

Der entscheidende zweite Absatz lautet: "Zum Schutz der in Absatz 1 genannten Rechtsgüter können die Gemeinden Anordnungen für den Einzelfall zur Haltung von Hunden treffen." In Wald und Flur finde das Jagdgesetz Anwendung.

Im zweiten Halbjahr 2014 hat das Ordnungsamt, so Kai Holland, bei einem Schäferhund das Tragen eines Maulkorbs angeordnet, in einem anderen Fall war es Leinenzwang, der durchgesetzt wurde. Drei Menschen seien verletzt worden. "Wir wissen aber nur die aktenkundigen Fälle, wenn es etwa zu Anzeigen kommt."

In den ersten Monaten des Jahres habe es bislang zwei aktenkundige Beißereien zwischen Hunden gegeben, erklärte Kai Holland weiter. Im Verhältnis zu den etwas mehr als 41 000 Einwohnern seien das wenige derartige Vorkommnisse.

Drei "Kampfhunde"

In der Stadt Coburg sind derzeit 1850 Hunde registriert, davon sind drei als "gefährlich" eingestuft, was im Gesetz als "Kampfhund" bezeichnet wird.


Hundeleben in Coburg


Hundeverordnung Jeder Hundehalter muss die Tierschutz-Hundeverordnung beachten. Sie steht auf den Internetseiten der Stadt Coburg (www.coburg.de) und sie ist im Ordnungsamt erhältlich.

Kosten Alle Hunde über vier Monate müssen der Steuerabteilung gemeldet werden. Kampfhunde dürfen nicht ohne vorherige Begutachtung und Genehmigung durch das Ordnungsamt gehalten werden.

Koten In Parks und Grünanlagen dürfen Hunde nicht koten. Jedes Häufchen dort muss vom Hundehalter sofort beseitigt werden (Ausnahme: Beschilderte Hundewiese im Hofgarten und zwischen Ölberg und Lauersgraben). Auch Straßen, Wege und Bürgersteige dürfen nicht mit Kot verschmutzt werden. Jeder Hundehalter muss dort die Haufen seines Hundes sofort beseitigen. Automaten mit kostenlosen Hunde-Sets gibt es in der Spitalgasse am Spitaltor, Parkhaus Post, Anlage Kanalstraße und zwei am Wolfgangsee.

"Kampfhunde" Für das Halten von Hunden dieser Rassen ist in Bayern eine Erlaubnis der Gemeinde nötig: American Staffordshire Terrier, Bandog (mit dem Begriff "Bandog" werden tagsüber angekettete Hunde bezeichnet, die nachts zum Schutz von Grundstücken frei laufen), Pit Bull, Staffordshire Bullterrier, Tosa Inu, Alano, American Bulldog, Bullmastiff, Bullterrier, Cane Corso, Dogo Argentino, Dogue de Bordeaux (Bordeauxdogge), Fila Brasileiro, Mastiff, Mastin Espanol, Mastino Napoletano, Perro de Presa Canario (Dogo Canario), Perro de Presa Mallorquin (Ca de Bou), Rottweiler Quelle: Bay. Polizei