Sie sind nicht nur ein fröhliches, sondern auch ein gut vernetztes Volk: die Wohnmobilisten. Deshalb dauerte es auch nicht lange, bis es sich herumgesprochen hatte, dass es neben der "Therme Natur" einen neuen Wohnmobilstellplatz gibt. "Auf einer Reisemesse", erinnert sich Bernd Flesch, erfuhr er vom Stellplatz in Bad Rodach. Und weil Flesch Vorsitzender des nordrhein-westfälischen "Concorde-Clubs" ist, stehen seit Wochenbeginn 21 große Wohnmobile unterhalb des Thermalbades.


Gehobenes Niveau


Flesch - der seit über 20 Jahren mit dem Wohnmobil in ganz Europa unterwegs ist - war nicht besonders überrascht, als er zum ersten Mal auf den Stellplatz "Thermenaue" fuhr. Dass ihn dort gehobenes Niveau erwarten würde, habe er sich schon gedacht, erklärt der ehemalige Zahnarzt. Alleine schon deshalb, weil der Bad Rodacher Stellplatz über die Internet-Plattform "Mein Platz" empfohlen wird - das spreche für Qualität. "Man merkt, dass der Planer dieser Anlage Ahnung von der Materie hat", sagt Flesch nach gut einer Woche im Coburger Land.


Genügend Platz zu haben - das ist für die Mitglieder des "Concorde-Clubs" schon einmal eine Grund-Anforderung. Denn die Wohnmobile der Mitglieder stammen aus der Premiumklasse: gute neun Meter lang, überwiegend nicht unter 200 000 Euro zu haben. Da will man sich nicht in eine kleine Lücke quetschen. "Die Infrastruktur passt", bestätigt Flesch. Gepunktet haben die Bad Rodacher bei den Concordianern aber noch mehr mit ihrem Service. Dass in der Früh frische Brötchen und die Zeitung schon an der Wohnmobiltür hängen, sei schon ein nicht alltäglicher Service, sagt Bernd Flesch.


Mal das Regenwetter vom Donnerstagvormittag ausgenommen, hat den Mitgliedern des "Concorde-Clubs" ihre Zehn-Tages-Tour ins Coburger Land gefallen. Reiseleiter Lesch hat für jeden Tag ein Ausflugsprogramm zusammengestellt, oft gehen die Wohnmobil-Fahrer auch gemeinsam Essen. Für eine "so kleine Stadt", sagt der Club-Vorsitzende, sei Bad Rodach gastronomisch gut aufgestellt. Und der "Therme Natur" sei Dank, stehe das Schlechtwetterprogramm ja gleich vor der Haustür. Klar sei Bad Rodach jetzt nicht gerade das Sinnbild einer pulsierenden Metropole, aber nett und sehenswert, sagt Flesch und ergänzt mit einem anerkennenden Nicken: "Für anderthalb Stunden Stadtführung haben die Sehenswürdigkeiten immerhin gereicht."


Ein Kritikpunkt fällt Bernd Flesch dann aber doch ein: die Bahnverbindung nach Coburg. Als die "Concorde"-Gruppe Mitte der Woche gemeinsam zu einer Stadtführung nach Coburg aufbrechen wollte, wurde die Vorbereitung für Chef-Organisator Flesch zur Geduldsprobe. Zusammenfassend: Vorab war es nicht möglich, eine Gruppenkarte für die Fahrt mit "Agilis" in die Vestestadt zu bekommen, Flesch musste dazu erst nach Coburg fahren. "Das ist wirklich nicht mehr zeitgemäß", beklagt sich Flesch.


Für fast alle Mitglieder der 21 Fahrzeugen starken Reisegruppe war das Coburger Land bislang ein unbeschriebenes Blatt als Reiseziel. Die eine oder Familie sei vielleicht mal beim Coburger Sambafest gewesen, sagt der aus Bochum stammende Flesch - das war es dann aber. Das Frankenland indes kennen "Concorde"-Fahrer meist recht gut, schließlich werden die Luxus-Wohnmobile in Schlüsselfeld im Landkreis Bamberg hergestellt. Deshalb zieht es viele Wohnmobil-Eigentümer, nicht nur zu Werkstattbesuchen, in den nordbayerischen Raum.



Bernd Flesch steht da beispielhaft. Auf die Frage nach seinem persönlich liebsten Reiseziel schwärmt der Westfale von Unterfranken, der Mainschleife, Neuses am Main. Klar: Im Januar in Südspanien bei 20 Grad schon im Freien zu Frühstücken, sei freilich toll. Aber "Main, Wein und fränkische Küche" - das habe ebenfalls seinen Charme. Flesch persönlich ist derzeit bereits zum zweiten Mal im Coburger Land. Wie es sich für einen echten Reise-Leiter gehört, war der Club-Vorsitzende im Januar schon einmal in Bad Rodach. "Probe-Ausfahrt" nennt sich so eine Vorab-Fahrt unter Wohnmobilisten, wobei Bernd Flesch lachend einräumt, dass das Probe-Essen dabei mindestens genauso wichtig ist.


Bad Rodach hat die Nase vorn

Und weil er weiß, wovon er spricht, darf Bernd Flesch am Ende auch seine Einschätzung zu den Zukunftsaussichten des Stellplatzes "Thermenaue" abgeben. Überlegen muss er dabei nur ganz kurz: "Bad Rodach hat eine echte Zukunft." In vielen deutschen Regionen setze sich die Erkenntnis, dass Wohnmobilisten eine interessante Kundengruppe sind, erst langsam durch. Da habe Bad Rodach schon jetzt die Nase vorn. "Erst Recht bei einem Preis von zehn Euro für einen Luxus-Stellplatz", sagt Flesch, auf den jetzt erst einmal eine Runde Wassergymnastik mit seinen Clubfreunden in der Therme wartet. Schlechtwetterprogramm, halt.