Daniel Mültner steht mitten in der Gerste. Konzentriert zählt er Halme und Körner in den grannenbewehrten Ähren. Es ist seine Prüfung für den Ausbildungsberuf des Landwirts und er soll den Prüfern sagen, wie viele Körner der Landwirt von dem zweieinhalb Hektar großen Acker bei der Ernte erwarten darf.

Nicht alle Körner einzeln zählen

Natürlich muss er nicht alle Körner zählen. Der Auszubildende hat gelernt, mit einem Zollstock einen Rahmen zu bilden. Er zählt die Halme im Rahmen und rechnet auf einen Quadratmeter hoch. Dann zählt er die Körner in einer Ähre und weiß, dass 1000 von ihnen bei Gerste etwa 45 Gramm wiegen. So kann er den zu erwartenden Ertrag des Bestandes in Dezitonnen (früher Doppelzentner) ausrechnen.
Aufgabe gelöst!

Weit angereiste Prüflinge

Doch das ist nur eine Aufgabe, die der junge Mann aus Mellrichstadt, so wie weitere 43 Prüflinge, bewältigen muss. Auf mehreren Betrieben in der Region werden angehende Landwirte in den Fächern Tierproduktion und Pflanzenproduktion praktisch geprüft.

Über vier Tage läuft die Prüfung mit Teilnehmern aus Landkreisen von Wunsiedel bis Forchheim und von Schweinfurt bis Sonneberg. Sogar aus Hessen kommen Prüflinge, weil es für sie nach Coburg zur Landwirtschaftsschule näher ist, als zur entsprechenden Einrichtung in Hessen.

Prüfung auf dem Hof der Familie Heilingloh

Die Familie Heilingloh hat ihren Betrieb für die Prüfung zur Verfügung gestellt. Eine Belastung, denn während dieser Zeit kann die Arbeit nicht wie gewohnt weiter laufen. Doch für Ute Heilingloh steht fest: "Es muss ja auch Berufsnachwuchs geben."

Die Teilnehmer, die auf ihrem Hof geprüft wurden, waren einige Tage zuvor für ein paar Stunden da, um sich mit den Maschinen und dem Melkroboter vertraut zu machen. Das ist absolut erlaubt. Denn der Auszubildende kann ja nicht alle Typen bis ins Detail kennen.

Duale Ausbildung

35 Absolventen der Berufsschule in Coburg stellen sich heuer der Prüfung. Sie haben die klassische duale Ausbildung aus Berufsgrundschuljahr und zwei Jahren Berufsschule mit betrieblicher Ausbildung auf dem Hof durchlaufen. Neun weitere Prüflinge absolvierten das Bildungsprogramm Landwirt (BiLa). Sie haben bereits eine Ausbildung hinter sich - die allerdings nicht im Bereich Landwirtschaft lag.

Das Wissen für den neuen Beruf eigneten sie sich beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten über drei Jahre in einem Kurssystem an.

Wie erkennt man Futtermittel?

Im Hof der Heilinglohs ist inzwischen Manuel Lamb gefordert, Futtermittel zu erkennen. Prüferin Andrea Trockenbrodt stellt ihm Gläser mit Schraubverschluss hin: "Ruhig mal dran riechen!", gibt sie ihm einen Tipp.

Glas für Glas wird untersucht. Schrot hier, Presslinge da und Körner dort. Ob die Antworten richtig sind, lässt sich die Prüferin nicht anmerken.

Etwas später muss Anna Schülein einem Kälbchen einen Führstrick anlegen - Prüfungsbereich "Haltungsbedingungen" im Bereich Tierproduktion. "Ich musste Jungviehbeurteilung machen und einen geeigneten Bullen für die Zucht auswählen, Futtermengen berechnen und Futtermittel beurteilen", erzählt sie über die Aufgaben, die schon hinter ihr liegen.

Und weiter geht's


Theorie Am kommenden Montag steht den angehenden Landwirten noch die schriftliche Prüfung bevor. Dabei geht es um die Theorie in Tier- und Pflanzenproduktion, aber auch um Fächer wie Wirtschaftslehre und Sozialkunde.