Die Coburger lieben ihr Theater. Das beweist nicht nur der Blick in die Besucherstatistik. Das beweist auch der Andrang beim Informationsabend des Theaterkreises zur Generalsanierung des betagten Coburger Musentempels.


Intendant Bodo Busse, der neue Kaufmännische Direktor Fritz Frömming, Oberbürgermeister Norbert Tessmer, dazu Stadträte quer durch das politische Farbenspektrum und Michael Pötzl, Präsident der Hochschule - sie alle sind gekommen, um zu informieren oder sich informieren zu lassen über ein Thema, das seit Wochen die Coburger Öffentlichkeit regelrecht elektrisiert: die Generalsanierung. Denn das größte bauliche Projekt seit Eröffnung des Landestheaters ist zwar seit Mitte Januar ganz offiziell beschlossene Sache, wirft aber noch immer viele, viele Fragen auf.


Emotionale Bekenntnisse

Im Zentrum: die Frage nach der Interimsspielstätte.
Umgebaute Dreifachturnhalle am Anger, Theaterzelt oder doch eine völlig neue Lösung als Ergebnis eines ehrgeizigen Semesterprojekts der Coburger Hochschule? Das ist derzeit noch völlig offen und wird voraussichtlich erst zur Jahresmitte entschieden werden.


Auch der Informations- und Diskussionsabend des Theaterkreises konnte und wollte darauf keine Antwort liefern - und entließ die Besucher dennoch mit manchen neuen Erkenntnissen und dem spürbaren Wunsch, bei der Suche nach der dringend benötigten Ausweichspielstätte.



Dieser Abend - er wurde zum Abend emotionalen Bekenntnisse. Allen voran: Coburgs Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD), der im zweiten Jahr seiner Amtszeit an der Spitze der Stadt seine beste Rolle gefunden zu haben scheint - die Rolle des Theateranwalts.

Dass ihn Theaterkreis-Vorsitzender Gerhard Amend ganz am Anfang als "Oberbürgermeister Norbert Kastner" begrüßt - Tessmer nimmt's mit einer ordentlichen Portion Selbstironie und lässt sich keineswegs bremsen im Elan, die mit dem Freistaat Bayern Mitte Januar besiegelte Finanzierungsvereinbarung zu loben und gleichzeitig die Suche nach der Ausweichspielstätte ins Zentrum zu rücken. "Von außen kamen in den letzten Wochen manche wenig hilfreiche Anregungen", meinte Tessmer mit Verweis auf einzelne Leserbriefe und Äußerungen, die den Betrieb des Landestheaters als Drei-Sparten-Haus zur Disposition stellen wollten.


Zudem kündigte Tessmer ein Bühnengespräch im Landestheater an, bei dem das Publikum die Gelegenheit bekommen solle, in aller Öffentlichkeit seine Fragen zu stellen. Das Bekenntnis des SPD-Oberbürgermeisters zum Musentempel des einstigen Herzogs ist unverrückbar: "Coburg ohne dieses Theater ist nicht mehr Coburg. Das Landestheater ist ein Alleinstellungsmerkmal."Dafür gibt es reichlich Applaus quer durch die Fraktionen für Tessmer.


Was ist gut für das Publikum?

Derweil Gerhard Amend zwischendurch den Blick zurück schweifen lässt, um klar zu machen, was dieser Satz eigentlich bedeutet: "Die Coburger lieben ihr Theater." Schon kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges sei in Coburg wieder Theater gespielt worden: "In einer Zeit, in der die Not sehr groß war, hat sich diese Stadt zu ihrem Theater bekannt." Und die Liebe zum Theater kenne keine gesellschaftliche Schranken.


Beim Blick auf die Frage nach der Ausweichspielstätte gibt Amend zu bedenken: "Bislang wurde immer nur eine Diskussion über die Kosten geführt - das Publikum aber ist vergessen worden."
In einem leidenschaftlichen Plädoyer führt Intendant Bodo Busse zudem vor Augen, welche Bedeutung das Landestheater für die Stadt habe - weit über künstlerischen Aufführungen hinaus. "Wir haben uns längst gesellschaftlich geöffnet", betont der Intendant: "Wir decken einen großen Teil der ästhetischen Erziehung ab, die heute in den Schulen oft nicht mehr geleistet werden kann. Er führt Sänger und Tänzer, Schauspieler und Musiker an, die jenseits ihrer vertraglichen Verpflichtungen in die Schulen gehen und Projekte verwirklichen. "Dieser Bereich ist sehr, sehr wichtig geworden."


Busses Folgerung: "Wir leisten einen wichtigen Beitrag zur sozialen Fortentwicklung dieser Stadt." Gerade deshalb sei die Frage der Ausweichspielstätte von großer Bedeutung und erklärt: "Wir brauchen eine Ausweichspielstätte, die einerseits angemessene Arbeitsbedingungen für die Theatermacher bietet, in der sich andererseits aber auch das treue Publikum wohl fühlt."


Der Anforderungskatalog ist aus seiner Sicht klar: Diese Ausweichspielstätte soll von der Innenstadt aus zu Fuß erreichbar sein, muss gleichzeitig aber Parkraum in der Nähe bieten. Denn bestimmte Gewohnheiten des Publikums lassen sich aus seiner Sicht nicht ändern: "Jedes Theater hat eine Art DNA." Entschlossen wirbt Hochschul-Präsident Michael Pötzl für das Angebot, in Projektarbeit von Studierenden und Professoren alternative Vorschläge für eine Ausweichspielstätte erarbeiten zu lassen. "Eine schwierige Situation kann auch eine Chance sein", betont Pötzl, Sein Credo: "Es muss doch andere Lösungen geben" - Alternativen also zum Umbau der alten Dreifachturnhalle oder zum Provisorium eines Theaterzeltes mit seinen sattsam bekannten Defiziten.


Ökologischer Fußabdruck

Gut fünf Millionen Euro in eine Ertüchtigung der alten Dreifachturnhalle investieren, um sie anschließend abzureißen? "Wir müssen auch an den ökologischen Fußabdruck denken", mahnt der Hochschulpräsident. Pötzls Versprechen ist ausdrücklich ein Angebot ohne verbriefte Erfolgsgarantie: "Wir haben natürlich auch kein Patentrezept. Aber wir können mit unseren Studenten und Professoren viele interessante Ideen entwickeln." Aus seiner Sicht gibt es nur eine Voraussetzung: "Wichtig ist, dass es keine Denkverbote gibt."


Fritz Frömming, seit Anfang Februar neuer Kaufmännischer Direktor des Landestheaters, wendet sich entschieden gegen die Behauptung, bei einer möglichen Ertüchtigung der alten Dreifachturnhalle als Ausweichspielstätte werde "Geld versenkt". Vielmehr stellt Frömming das Projekt Generalsanierung mitsamt der Kosten in einen Gesamtzusammenhang. Letztlich gehe es um die Frage: "In welcher Gesellschaft wollen wir in Zukunft leben?"

Frömmings Fazit: "Es gibt eine lebendige Debatte um das Theater. Das finde ich super!" Und als ehemaliger langjähriger Vorsitzender des Theaterkreises erinnert Josef Schaschek an einen weiteren Aspekt: "Das Landestheater wirbt mit seinem Produktionen für Stadt" - oftmals sogar weit über die Region hinaus.



Stimmen zur Generalsanierung

Christian Müller, CSB-Fraktionsvorsitzender Wir sind in einer einmaligen Situation, um die uns viele Städete beneiden: Das ist eine staatliche Baumaßnahme, die wir als Stad nur bezuschussen."

Klaus Klumpers, ÖDP zur Frage der Ausweichspielstätte: "Wie wohl fühlt sich das Publikum, wie gut sind die Arbeitsbedingungen?"

Martina Benzel-Weyh (Grüne) "Wir sollten frohen Mutes an die Sanierung heran gehen."

Michael Pötzl (Präsident der Hochschule Coburg) "Jetzt ist Klugheit und taktisches Geschick gefragt" - Hochschul-Präsident Michael Pötzl zu Frage, ob es möglich sei, die Dreifachturnhalle als mögliche Ausweichspielstätte auch länger zu nutzen, owohl der Freistaat Bayern seine Zuschuss-Zusage an den anschließenden Abriss der Halle geknüpft hat.

Jürgen Heeb, Pro Coburg "Die Generalsanierung des Landestheater ist keine Frage des Ob, sondern des Wie."