"Morgens um 7 ist die Welt noch in Ordnung" heißt ein bekannter Film aus dem Jahre 1968 - das Schauspiel, das zum Auftakt der heißen Wahlkampfphase im Coburg des Jahres 2020 geboten wurde, lässt sich überschreiben mit: "Freitags um 3 war der Marktplatz bereits dicht". Von wegen, er darf erst ab 15 Uhr plakatiert werden!

Der Tageblatt-Check um 14.55 Uhr ergab: An 18 der insgesamt 19 Laternenmasten am Marktplatz hing ein Plakat - siebenmal FDP, sechsmal CSB, dreimal SPD, zweimal Grüne. Der 19. Laternenmast war übrigens nur deshalb (noch) frei geblieben, weil er von den Verkaufsständen der Buchhandlung Riemann umstellt war.

Was grundsätzlich auffällt: FDP und CSB hängen sehr große Plakate auf - da ist (zumindest in der Höhe) an einem niedrigen Laternenmast wie am Marktplatz praktisch kein Platz mehr für einen Mitbewerber. Die SPD wiederum setzt verstärkt auf Plakate, die am Boden stehen. Eher zurückhaltend plakatierte in der Stadtmitte zunächst die CSU. Kreisvorsitzender René Boldt erklärte auch, warum: Er sehe speziell im schönen Marktplatz-Ambiente durchaus die Gefahr, dass Wahlplakate die Menschen auch erzürnen können.

Und wo war "Pro Coburg"? Die Gruppierung, die ja am Donnerstag bereits einen Plakat-Frühstart hingelegt hatte , hielt sich am Freitag ebenfalls erst einmal zurück. Den Marktplatz haben sie aber sowieso im Blick - und zwar von ihrem Wahlkampfbüro in der Steingasse aus, das am Donnerstag eröffnet wurde.

Übrigens: Die Steingasse ist inzwischen nicht nur eine kulinarische Achse, in der sich viele Restaurants und Bars befinden, sondern auch eine politische Achse. Wenige Meter neben dem Pro-Coburg-Büro befindet sich der "Sprechpunkt" der SPD-Fraktion, und weitere hundert Meter stadtauswärts haben die Grünen ihr Domizil.

Apropos stadtauswärts: Ein Plakat, das derzeit für viel Gesprächsstoff sorgt, hängt bereits seit ein paar Tagen an einem Privatgebäude am Sonntagsanger - gut sichtbar von der Frankenbrücke aus. Um Stimmen wirbt dort Harald Ettel, der bei der FDP auf Listenplatz 19 steht. Das Plakat ziert aber nicht etwa Ettels Konterfei, sondern das eines Gorillas. Vielleicht soll die Botschaft ja lauten: Willkommen im Coburger Plakate-Dschungel!