Aus dem Bad Rodacher Stadtteil Heldritt vertreten mit Moritz von Butler (CSU), Michael Pertsch (SPD) und Matthias Thumser (ÖDP) drei Stadträte die Interessen der Bürger. Auch wenn deren politische Sichtweisen vielleicht etwas unterschiedlich sind, haben sie jetzt ein gemeinsames Ziel fest ins Auge gefasst. Heldritt soll sich bis zum Jahr 2023 zu einem "Bio-Energiedorf" entwickeln. Den ersten Schritt auf einer gemeinsamen großen Reise unternahm das "Trio mit Weitsicht" am vergangenen Samstag. Mittels eines aufschlussreichen Flyers, den sie an alle der rund 300 Haushalte in Heldritt verteilten, wurde die Bevölkerung über das Ziel und den Weg zum Bio-Energiedorf informiert.

Aus der Not eine Tugend machen

Die Initialzündung kam von Moritz von Butler, der aus der Not des Klimawandels eine Tugend machen will. Bei seinen Stadtratskollegen rannte er mit der Idee offene Türen ein. Die drei Kommunalpolitiker haben mit ihrem Engagement die Absicht, gemeinsam mit den Menschen vor Ort und im Einklang mit der Natur durch die konsequente Umsetzung der Energiewende ein zukunftsorientiertes Dorf zu gestalten. Moritz von Butler: "Mit diesem Pilotprojekt setzen wir so ein überregionales Zeichen."

Im Mittelpunkt des Ganzen steht ein Nahwärmenetz, welches durch eine Biomasseheizung oder ein Biomasse-Blockheizkraftwerk erneuerbare Energie in Form von Wärme und Strom aus lokal nachwachsenden Rohstoffen liefert.

Neben diesen Betrieben sollen auch Dach- und Freiflächenphotovoltaikanlagen, sowie die Windkraft ihren Beitrag dazu leisten, dass Heldritt seinen Bedarf an Strom und Wärme zu 50 Prozent aus regional erzeugter biologischer Energie gewinnt. Klar ist den Protagonisten, dass ohne das Mitwirken der Bevölkerung das Projekt nicht umgesetzt werden kann. Als eine große Hürde sieht Thumser dies nicht. "Das Ziel ist greifbar, der Weg überschaubar und vor allem ist es machbar", beschreibt der Stadtrat, warum er davon ausgeht, dass Heldritt Erfolg haben wird. Man ist guten Mutes, auch die Bevölkerung von dem Projekt zu überzeugen. "Wenn es gelingt ein Drittel der Haushalte an das Nahwärmenetz anzuschließen, würde dies bedeuten, dass 2,5 Millionen Kilowattstunden Wärme und 1,5 Millionen Kilowattstunden Strom aus erneuerbaren Brennstoffen erzeugt werden könnten", sagt von Butler und fügt an: "Heldritt wäre mit einer Einsparung von 7200 Tonnen Kohlendioxid faktisch klimaneutral."

Dazu kommt noch, dass bis zu 2500 Festmeter Schad- und Restholz aus regionalen Wäldern verwertet werden können - mit der positiven Folge einer Aufforstung von 2500 Bäumen pro Jahr. Nicht außer Acht lassen darf man nach den Worten von Pertsch, dass derzeit eine hohe Förderkulisse für die Demontage von alten Ölheizungen besteht. "Zwischen 30 und 45 Prozent staatlichen Zuschuss zu einer solchen Maßnahme kann es geben", so Pertsch. "Durch einen Nahwärmeanschluss kann eine Heizungserneuerung vermieden werden", ergänzt von Butler.

Außer Frage steht für die drei Stadträte, dass die Nahwärmeversorgung auch in Form einer Bürgergenossenschaft betrieben werden kann, um hierüber die Einwohner eng in das Projekt einzubinden. Ein Hauptgewinn wäre es für die Initiatoren, wenn die Nahwärmeversorgung zeitgleich mit dem Ausbau des Glasfasernetzes erfolgen könnte. "Der Synergieeffekt wäre fantastisch", erklärt von Butler.

Wie geht es weiter?

Am Donnerstag, 4. März, und Dienstag, 9. März, will man über eine virtuelle Bürgerversammlung interessierten Bürgerinnen und Bürgern jeweils ab 18 Uhr Rede und Antwort stehen. Eine Anmeldung zu diesen Veranstaltungen ist per Mail an info@bioenergiedorf-heldritt.de notwendig. Wenn sich nach einer Erhebung ein entsprechendes Interesse abzeichnet, soll der Wärmebedarf ermittelt und eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben werden.