Vorbild ist Großbritannien: Dort gibt es die National Trusts, große Stiftungen, die Schlösser, Burgen und Parkanlagen pflegen und erhalten. Allerdings nur die Gebäude und Anlagen, die dem jeweiligen Trust auch gehören. Einen solche Stiftung will der Verein "Kulturerbe Bayern" gründen und die Idee am Samstag, 27. Oktober, in der "Alten Pakethalle" im ehemaligen Coburger Güterbahnhofsgelände vorstellen.

Der Vorsitzende von "Kulturerbe Bayern" ist im Coburger Raum kein Unbekannter: Johannes Haslauer leitete von 2013 bis 2017 das Coburger Staatsarchiv und war damals schon Sprecher des Denkmalnetzes Bayern, eines Zusammenschlusses von lokalen Denkmalschutzinitiativen. 2015 kam "Kulturerbe Bayern" hinzu, nachdem der bayerische Landtag einstimmig beschlossen hatte, dass geprüft werden solle, ob das National-Trust-Modell auf Bayern übertragen werden könne. Nun sei der Verein so weit, dass er die Stiftung gründen könne, sagt Haslauer: 100000 Euro betrage das erforderliche Startkapital, "da sind wir zum Glück schon deutlich drüber". Acht Privatpersonen würden dem Verein das erforderliche Geld zur Verfügung stellen.

"Wir wollen da bereitstehen, wo andere an Grenzen stoßen", sagt Haslauer. Grundbedingung sei, dass die Stiftung die fraglichen Gebäude erwerben könne, um sie zu sanieren und zu nutzen. "Wir wollen aber keine nicht-öffentlichen Nutzungen", sagt der Historiker. "Die Öffentlichkeit soll etwas von den Objekten haben", gleichzeitig will der Verein versuchen, kostendeckend zu arbeiten. Erstes und Vorzeigeobjekt der Stiftung ist ein Gebäude in Rothenburg ob der Tauber, in dem ein jüdisches Bad erhalten blieb, eine Mikwe. Die wird nach der Sanierung öffentlich zugänglich bleiben. In dem Gebäude wird außerdem ein Besprechungsraum für Vereine eingerichtet und ein Teil wird als Privatwohnung vermietet. "Wir wollen Bewusstsein dafür schaffen, dass man gefährdete Kulturgüter gemeinsam erhalten kann", sagt Haslauer.

Drei Kriterien solle ein Gebäude erfüllen, damit die Stiftung mithilft, es zu erhalten: Es sollte regional bedeutsam sein und typisch fürs Ortsbild, es sollte einen starken ehrenamtlichen Partner vor Ort geben wie in Rothenburg den Verein Alt-Rothenburg, und das Gebäude brauche eine Nutzungsperspektive. "Wir sind gespannt auf die Ideen aus Coburg", ruft Haslauer dazu auf, entsprechende Gebäude zu melden. In Coburg hält der Verein am Samstag seine Informationsveranstaltung für Oberfranken ab. Die Pakethalle am Güterbahnhof wurde gewählt, weil sie zeige, dass alte Gebäude durchaus modern genutzt werden könnten, sagt Haslauer. "Hier greifen Geschichte, Gegenwart und Zukunft gerade unmittelbar ineinander."

Kulturerbe Bayern stellt sich vor - das ProgrammOrganisatorisch Samstag, 27. Oktober, Alte Pakethalle am _Coburger Güterbahnhof, 11 bis ca. 14 Uhr.

Einstieg Auwi Stübbe (Coburger Designforum Oberfranken) und Stephan Horn (Wirtschaftsförderungsgesellschaft Coburg) erläutern Ideen und Pläne zur Nutzung des Geländes.

Podiumsdiskussion Thema: Wert des bürgerschaftlichen Engagements für den Erhalt von Denkmälern. Teilnehmer: Bezirksheimatpfleger Günter Dippold, Vorstandmitglied Sibylle Kraft und Karl Lippert (Förderkreis zum Erhalt historischer Baudenkmäler in Hohenberg/Eger); Moderation: Heiner

Rahmenprogramm Back- und Brauhausvereine der Initiative Rodachtal präsentieren sich, eine kleine Ausstellung informiert über die Coburger Designtage, die alljährlich in der Pakethalle stattfinden. Das Klezmer & Swing Trio unterhält mit Swing and Klezmermusik.