Mediziner aus der Region haben in einem offenen Brief das Ende von staatlichen Corona-Maßnahmen gefordert. Darunter Ärzte aus Thüringen, Coburg, Bad Rodach oder Meeder. Wörtlich heißt es unter anderem: "Als Mitarbeitende im Gesundheitswesen unserer Region unterstützen wir die Forderung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung nach einer Aufhebung aller staatlich veranlassten Restriktionen der Corona-Pandemie und stimmen dem Vorschlag zu, die notwendigen Schutz- und Abwehrmaßnahmen in die Hände des Bürgers zu legen." Auch leitende Mediziner des Klinikverbundes Regiomed haben den offenen Brief unterzeichnet, darunter der Leiter einer Station.

Regiomed distanziert sich

Der Brief war zunächst in der "Südthüringer Rundschau" veröffentlicht worden. Die Regiomed-Geschäftsführung teile die darin vertretene Meinung nicht, hieß es . "Beschäftigte im Gesundheitswesen haben eine besondere Vertrauensposition in der Bevölkerung, wenn es um medizinische Themen geht; gerade auch jetzt in dieser angespannten Pandemielage. Daher können wir die öffentlich getätigten Äußerungen nicht nachvollziehen, da sie nicht den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen entsprechen."

Gespräch wird gesucht

Auf Tageblatt-Anfrage teilte der Klinikverbund mit, das mit den dort beschäftigten Unterzeichnern so bald wie möglich das Gespräch gesucht werden solle. Auf die Frage, ob arbeitsrechtliche Konsequenzen möglich seien, antwortete Regiomed, dass die Unterzeichner als Privatpersonen agiert hätten und Meinungsfreiheit herrsche. Man achte auf die Einhaltungen der Regelungen und suche das Gespräch. Michael Musick, Regiomed-Geschäfstführer für die Thüringer Einrichtungen, sagte auf unsere Anfrage: "Ich bedauere, wenn durch diese Äußerungen die engagierte Arbeit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter pauschal verurteilt wird. Eine Vielzahl unserer Beschäftigten steht uneingeschränkt hinter den Maßnahmen. Sie erleben bei ihrer täglichen Arbeit mit Betroffenen die Schwere dieser Erkrankung und sie sind es, die die bewegenden Schicksale infolge von Corona hautnah miterleben. "

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Kritk von Ministerin

Die Thüringer Gesundheitsministerin Heike Werner (Die Linke) kritisierte die Aktion: Es sei kontraproduktiv, wenn sich medizinisches Personal hinter Aufrufe stellt, alle Maßnahmen zu beenden, sagte sie laut Deutscher Presse-Agentur. Martin Lücke, Betriebsratsvorsitzender des Klinikums Coburg, sagte dem Tageblatt: "Die Regiomed ist ein riesiges Unternehmen. Warum sollte es nicht auch in unseren Reihen Impfgegner, Coronaleugner geben? Es ist natürlich erstaunlich, dass Akademiker sich auf diese Position zurückziehen. Es irritiert. Fordern darf das natürlich jeder, weil das ein freies Land ist. Man darf auch unsinnige Sachen fordern, das darf man auch als Chefarzt tun." Deutliche Kritik kam vom Coburger Landtagsabgeordneten Michael Busch (SPD): "Man muss die Unterzeichnenden schon fragen, wo sie in den letzten Wochen waren, wenn sie sich auf eine Verlautbarung des Vorsitzenden der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, beziehen, die er im September von sich gab und die damals schon genauso falsch war. Die Unterzeichnenden ignorieren, dass wir uns in einem exponentiellen Wachstum der Pandemie befinden, in der die Mitarbeitenden der Intensivstationen unserer Krankenhäuser weit über dem Limit arbeiten. Wie so viele diese Tatsachen schlichtweg ignorieren können ist unerklärlich, vor allem aber höchst unverantwortlich. Ich bin ziemlich entrüstet."dy/sb