Als oberste Führungskraft der Feuerwehren im Coburger Landkreis bemüht sich Manfred Lorenz deutlich hörbar um Contenance. Aber für den Kreisbrandrat ist der Zeitpunkt gekommen, um mal eine klare Ansage zu machen: "Ich erwarte mehr Verständnis von der Bevölkerung, wenn sich unsere Ehrenamtlichen im Einsatz befinden." Denn erst am Sonntag hat es mal wieder einen Fall gegeben, bei dem Feuerwehr-Aktive im Einsatz "blöd angemacht" wurden, berichtet Lorenz.

Julian Henkel war beim Einsatz dabei. "Das Grüngut hat richtig gebrannt. Da mussten wir schon eingreifen", erzählt der Kommandant der Untersiemauer Feuerwehr. Er wurde mit seinen Kollegen alarmiert, weil am Sonntag gegen 10.30 Uhr gleich "mehrere Notrufe bei Polizei und Feuerwehr" - so teilte es am Montag die Coburger Polizei auf Nachfrage mit - eingegangen waren. In allen wurde auf Rauchschwaden auf dem Meschenbacher Kompostplatz hingewiesen. Der Einsatz selbst war nach Angaben des Kommandanten "keine große Sache". Weil aber das Löschwasser von der Itz hertransportiert werden musste, lagen auf der Ortsverbindungsstraße Richtung Haarth und auf dem Kompostplatz jede Menge Schläuche aus, 20 Feuerwehr-Aktive waren dort auch unterwegs. Deshalb wurde das Gelände abgesperrt.

Übrigens: Sonntag hat der Kompostplatz geschlossen!

Das gefiel aber nicht allen. Besonders denen nicht, die am Sonntag ihr Grüngut auf den Kompostplatz bringen wollten. Wohlgemerkt: Am Sonntag! Da hat der Platz, wie jedermann am Eingang lesen kann, geschlossen. Der Hinweis von Henkels Kollegen vorne an der Straßensperre, dass auf dem Grüngutgelände gerade ein Einsatz laufe, genügte einigen Autofahrern nicht. Es gehe doch nur um ein paar Kübel, hieß es. Oder es kam die Frage, ob man denn wirklich gerade jetzt hier üben müsse.

"Was will man da machen?" Julian Henkel sagt diesen Satz und zuckt dabei mit den Schultern. Natürlich sei das ignorante Verhalten vieler Verkehrsteilnehmer auch ein Thema unter den Aktiven, aber denen gehe es nicht anders wie ihm als Kommandanten. "Schmunzeln und wegstecken", empfiehlt Henkel, wenn sich ein Kollege über derart dreiste Zeitgenossen richtig ärgert. Manfred Lorenz hingegen zweifelt inzwischen schon manchmal daran, ob die Diplomatie immer der richtige Weg ist: "Ich habe nicht das geringste Verständnis, wenn sich die Leute so benehmen."

Zumal Einsätze wie der am Sonntag ja eigentlich gar nicht sein müssten. Denn auch in Meschenbach war laut Dominik Fehn von der Coburger Polizei heiße Asche die Brandursache. Und das nicht zum ersten Mal, wie Rolf Rosenbauer (CSU), dem Tageblatt auf Nachfrage berichtet. Der Untersiemauer Bürgermeister weiß von mehreren Einsätzen und rätselt dennoch: "Ich weiß nicht, wie man darauf kommen kann, heiße Asche mit ins Grüngut zu mischen." Rosenbauer vermutet eine Mischung aus Faulheit und Egoismus als Ursache für solche Aktionen. "Hauptsache, das Zeug ist weg." Und die Feuerwehr hat dann die Arbeit damit. Das ist der zweite Punkt, bei dem Kreisbrandrat Lorenz den Kopf schüttelt und sagt: "Es ist einfach nervig, wenn man immer wieder wegen solcher Sachen ausrücken muss."

Und das geht schon länger so

Vor einer Woche hat es schon mal mächtig in Meschenbach gequalmt. Auch da lief der Einsatz nach Kenntnis des Bürgermeisters alles andere als problemlos. Schon da gab es Diskussionen zwischen Passanten und der Feuerwehr - und weil der Kompostplatz wegen Aufräumarbeiten nach den Löscharbeiten gesperrt war, haben etliche Anlieferer ihr Grüngut einfach an den Straßenrand gekippt. "Wir durften dann mit dem Bauhof das ganze Zeug wegräumen", ärgert sich Rosenbauer.

Der Bürgermeister muss zum Abschluss ein bisschen nach dem richtigen Begriff suchen, ehe er ihn findet: "Individuen." Ja, "seltsame Individuen" seien es, die mit ihrem Egoismus dann auch noch Feuerwehrleute in sinnlose Diskussionen verstricken, schimpft Rolf Rosenbauer. Wenn sich jemand, der sich ehrenamtlich in den Dienst am Nächsten stelle, dabei auch noch dumm anreden lassen müsse, dann laufe etwas grundlegend schief in diesem Lande, schimpft der Bürgermeister: "Also echt: Da fehlen mir die Worte."

Was auf dem Kompostplatz erlaubt ist - und was nicht

Unzulässig Asche, vornehmlich heiße Asche, führt zu Glutnestern auf Grüngutsammelstellen. "Die Abgabeeinrichtungen sind nur für Gartenabfälle und nicht für Asche zugelassen", sagt Abfallberater Wolfgang Sommer vom Coburger Landratsamt. Verboten Die Abgabe von Grüngut ist an Sonntagen grundsätzlich verboten. Allerdings räumt Wolfgang Sommer ein: "Die Überwachung des kostenfreien und sehr bürgerfreundlichen Abgabesystems für Gartenabfälle im Landkreis Coburg ist schwierig." Aber wenn ein Zeuge jemanden anderen beobachtet, wenn dort Asche oder sonstige Abfälle entsorgt werden, wird dieses Vergehen als Ordnungswidrigkeit zur Anzeige gebracht. Dankeschön Ausdrücklich "alle Hochachtung" signalisiert das Landratsamt dem Feuerwehrpersonal, das "durch uneinsichtige Bürger zu einem vermeidbaren Einsatz gerufen wurde".