Von Weihnachtsmärkten können die Kommunen in der Region auch im zweiten Corona-Winter nur träumen. Wer dennoch adventliche Stimmung genießen will, muss in Erinnerungen kramen - oder im günstigsten Fall Deko-Artikel aus der Versenkung holen. Beispielsweise Jahresteller, wie sie die in Neustadt ansässige Firma Friedel in den 80er Jahren produzierte. Denn auf ihnen prangten winterliche oder weihnachtliche Motive aus Neustadt - Jahr für Jahr wechselnde Ansichten.

Das Spektrum der Motive reicht von einer verschneiten Szene auf dem Weihnachtsmarkt bis hin zu einer winterlichen Szene vor dem Gasthof "Zum roten Ochsen". Aber auch die Heubischer Schule und eine winterliche Szenerie mit dem inzwischen längst abgerissenen ehemaligen Gaskessel der Stadtwerke zählen zu den Vorlagen der Jahresteller.

Neue Absatzmöglichkeiten

Die Produktion dieser Jahresteller mit weihnachtlichen Motiven in den 80er Jahren war in jener Zeit der Versuch, der in die Krise geratenen Firma neue Impulse zu geben und neue Absatzmöglichkeiten zu erschließen.

Wirtschaftliche Schwierigen hatten sich für die Firma schon Mitte der 60er Jahre abgezeichnet. Auslöser war ein Rechtsstreit mit der in Rödental ansässigen Firma Goebel. Dabei ging es um zehn Figuren, bei deren Gestaltung sich Friedel unerlaubte Anregungen von Goebel-Figuren geholt haben sollte. Letztlich reduzierte das Gericht mit seinem Urteil die Vorwürfe auf vier Figuren, die Friedel künftig nicht mehr produzieren durfte.

In den 70er Jahren hatte sich die Firma dann neue Kundenkreise durch die Produktion von Werbeartikeln erschlossen - für die Firma Bosch in Stuttgart ebenso wie für die Coburger Sparkasse.

Gegründet wurde die Firma 1920, als die Söhne von Anton Friedel, Karl und Ludwig, den elterlichen Betrieb in Hönbach übernahmen. Krippenfiguren aus Papiermachégießmasse standen anfangs im Zentrum der Produktion, die 1937 aus Platzmangel aus der Neustadter Straße in Sonneberg in die Georgenstraße verlegt werden musste.

Mehrfache Umzüge

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Firmensitz dann nach Neustadt verlegt - zunächst in das damals leerstehende Schützenhaus "Jägersruh" mit anfangs fünf Mitarbeitern. Schon bald aber brauchte die aufstrebende Firma mehr Platz - und zog im Jahr 1948 um in die Räumlichkeiten der ehemaligen Firma Hausser. Drei Jahre später stand der nächste Umzug an: in die Sonneberger Straße 108.

Seit den 80er Jahren zeichnete sich ein Niedergang der Firma Friedel ab. Eingestellt wurde die Produktion 2002. Übrigens: In einer detaillierten Sonderausstellung in der "Kultur.Werk.Stadt" zum Puppenfestival hatten die Sammler- und Briefmarkenfreunden Neustadt im September die Firmen-Geschichte von Friedel beleuchtet und mit vielen Exponaten dokumentiert.

Übrigens: In den nächsten Tagen stellen wir in loser Folge weitere Advents- und Weihnachtsmotive aus verschiedenen Neustadts in Europa vor.